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Marktbericht : Zypern und Konjunkturdaten verhageln Wochenausklang

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Bild: F.A.Z.

Nach seiner zweitägigen Erholung hat der Dax am Freitag deutlich Federn gelassen, kann aber auf eine positive Wochenbilanz verweisen. Das Erklimmen der 8000er-Marke halten Experten nach wie vor für absehbar und verweisen auf die aktuelle Bilanz-Saison.

          Vor dem Wochenende sei das Risiko ohnehin etwas zurückgefahren worden, hieß es am Markt. Irritationen wegen neuer Forderungen Zyperns sowie überraschend schwache amerikanische Konjunkturdaten verstärkten dann die Abwärtsdynamik. Nach Angaben der zyprischen Regierung will das Land aber keine Aufstockung des internationalen Hilfspakets beantragen, sondern mehr Unterstützung für die darniederliegende Wirtschaft. In Amerika hatte sich das von der Universität Michigan ermittelte Konsumklima im April eingetrübt und die Einzelhändler hatten im März spürbare Umsatzeinbußen verzeichnet.

          Der deutsche Leitindex verlor am Ende des Freitags 1,61 Prozent auf 7.744,77 Punkte. Die Wochenbilanz des Dax ist nach drei Verlustwochen mit plus 1,12 Prozent aber positiv. Der M-Dax fiel am Freitag um 0,64 Prozent auf 13.307,89 Punkte und der TecDax büßte 0,96 Prozent auf 929,31 Punkte ein, während der breite FAZ-Index einen Abschlag von 1,41 Prozent auf 1670,49 Zähler hinnehmen musste.

          Verlierer Nummer eins waren K+S: Mit einem Minus von 3,9 Prozent auf 34,27 Euro litten sie unter einer Verkaufsempfehlung der Deutschen Bank. Deren Aktien gerieten in den Strudel der Zypernkrise und gaben 3,6 Prozent ab. Schwach tendierten auch die Aktien der Autohersteller und ihrer Zulieferer: VW kamen um 3,3 Prozent zurück, und Continental verloren 3,5 Prozent. Gut im Markt lagen eher konjunkturunabhängige Titel: Deutsche Telekom notierten unverändert, als einzige DAX-Aktie im Plus schloss Fresenius mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent auf 98,54 Euro. In der zweiten Reihe stiegen Dürr mit einer Kaufempfehlung der UBS um 3,9 Prozent auf 87,40 Euro.

          Wochenausblick: Die 8000er-Marke im Visier?

          Frischer Wind von den Quartalsberichten könnte den Dax  in den kommenden Tagen nach oben treiben. Das Erklimmen von 8.000 Punkten halten Experten für absehbar. Bis Anfang Mai rücken nun die Quartalsberichte der Unternehmen in den Blick: Auch wenn die Berichtssaison laut Bernecker-Börsenbrief womöglich „nur vereinzelt Überraschungen“ birgt, könnte ihr Verlauf die entscheidenden Impulse für einen weiteren Gipfelsturm des Dax parat halten. Die Experten der Landesbank Berlin (LBB) gehen sogar davon aus, dass „die Firmen die Ertragserwartungen mehrheitlich übertreffen und für positive Impulse sorgen“.

          Zypern und Korea könnten ausbremsen

          Aus markttechnischer Perspektive könnten so Experten höchstens noch politische Ereignisse à la Zypern oder Korea im Weg stehen. Am Freitag hatte die Euro-Gruppe das Rettungspaket für Zypern gebilligt, das internationale Hilfspaket mit zugesagten Kredithilfen von 10 Milliarden Euro reicht aber bei weitem nicht aus. Um den gesamten Finanzbedarf der pleitebedrohten Inselrepublik zu decken, sind inzwischen 23 Milliarden Euro statt bislang gut 17 Milliarden Euro notwendig. In Korea ist die Lage weiter extrem angespannt: Südkorea hat Hinweise darauf, dass Nordkorea in Kürze eine oder zwei Mittelstreckenraketen testen könnte.

          Nichtsdestotrotz blicken die Experten der Landesbank Berlin (LBB) optimistisch auf die Kursentwicklung der kommenden Woche: „Der Dax hielt sich in seiner mittelfristigen Aufwärtsbewegung, so dass das Allzeit-Hoch (8.152 Punkte) bereits kurzfristig in Angriff genommen werden könnte“. Auch wenn die Lage in Korea, die Konjunkturunsicherheit und die Schuldenkrise als Belastungsfaktoren weiter präsent seien, stützten die Notenbanken den Markt mit „weit geöffneten Geldschleusen“. Fehlende Anlagealternativen, moderate Bewertungen und hohe Dividendenrenditen seien weitere Anreize.

          Im Gegensatz dazu sind die Experten der Helaba davon überzeugt, dass die Korrekturphase noch nicht beendet ist. Schließlich sei die von den amerikanischen Aktienindizes getragene Erholung weniger von positiven Konjunkturnachrichten ausgelöst worden als vielmehr von der Aussicht auf eine anhaltend expansive Geldpolitik in Amerika. Am aktuellen fundamentalen Umfeld dürfte sich nach ihrer Ansicht nach in der anstehenden Berichtswoche nichts ändern: Die Helaba-Experten erwarten von den Daten zur US-Industrieproduktion keine positiven Impulse und rechnen bei der Veröffentlichung des deutschen ZEW-Index am Dienstag sogar mit einer Enttäuschung.

          „Insgesamt ist für den deutschen Aktienmarkt die Unsicherheitsphase noch nicht beendet“, fasst Claudia Windt zusammen. Es bleibe der Blick auf China und die Hoffnung, dass zumindest die chinesische Industrieproduktion überzeuge. China gibt am Montag als eine der weltweit ersten Volkswirtschaften die Wachstumszahlen für das erste Quartal des laufenden Jahres bekannt.

          Daten über Daten

          In Amerika stehen in der kommenden Woche unter anderem Daten zur Industrieproduktion im Mittelpunkt des Interesses. Volkswirte der Postbank rechnen bei den März-Daten mit einem ähnlich guten Abschneiden wie im Vormonat. Ferner werden der Empire State Index am Montag und der Philadelphia Fed Index am Donnerstag erste Stimmungsdaten aus der US-Industrie für April liefern. Darüber hinaus werden die Verbraucherpreise (Dienstag) das Interesse auf sich ziehen.

          In Amerika legen zudem neben einigen Banken (Citigroup, Goldman Sachs, Bank of America ) auch Industriekonzerne wie Coca-Cola und Johnson & Johnson sowie Technologieunternehmen wie Intel, Microsoft, IBM und Google ihre Bilanzen für das erste Quartal vor. Diesseits des Atlantiks lassen sich Branchenriesen wie Nokia, Nestle und Rio Tinto in die Bücher schauen.

          SAP legt am Freitag als erster Dax-Konzern die Zwischenbilanz vor. Während sich die US-Investoren in die vorgelegten Quartalsberichte vertiefen, reisen die Aktionäre hierzulande quer durch die Republik: Von Nord bis Süd laden die Unternehmen zu ihrer Hauptversammlung und schütten mitunter Dividenden aus. Beiersdorf, Gea  und RWE zählen ebenso dazu wie Henkel, Bilfinger und Sky Deutschland.

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