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Marktbericht : Spekulationen zu Übernahme lassen Celesio-Aktien steigen

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Aktien von Celesio gehörten am Donnerstag zu den gefragtesten Werten am deutschen Markt. Spekulationen zum Übernahmepoker um den Pharmahändler beflügelten die Phantasie der Anleger.

          Für Gesprächsstoff am Donnerstag sorgten unter den Aktionären neue Spekulationen zum Übernahmepoker um Celesio. Die Aktien des Pharmahändlers stiegen um 4,5 Prozent auf 24,01 Euro. Damit lagen sie über dem Preis von 23,50 Euro, den der amerikanische Kaufinteressent Mc Kesson zuletzt geboten hatte. Laut einem Bericht der „Börsen-Zeitung“ bahnt sich nach der Mitte Januar gescheiterten Übernahme durch den amerikanischen Konkurrenten eine Wende an. Demnach soll der Hedgefonds Elliott des Celesio-Großaktionärs Paul Singer seine Anteile an den Alteigner Haniel abgeben. Dieser könnte die Anteile dann im Paket mit den eigenen Anteilen an Mc Kesson weiterreichen.

          Derweil fuhr der Dax in einem schwachen internationalen Börsenumfeld Verluste ein. Nach der Enttäuschung über schwache Konjunkturdaten aus China hätten gute Zahlen aus der Eurozone den Handel nur kurzfristig etwas stützen können, sagten Börsianer. Mit dem schwächeren Start an der Wall Street ging es dann auch für den deutschen Leitindex noch einmal bergab, zum Schluss verlor er 0,9 Prozent auf 9631 Punkte. In der bisherigen Woche hat das wichtigste deutsche Börsenbarometer damit mehr als ein Prozent verloren. Der FAZ-Index, in dem auch kleinere Unternehmen vertreten sind, verlor 0,8 Prozent auf 2025,2 Punkte.

          Für Anleger überwogen die schwächeren Signale von Konjunkturseite. In China war die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes im Januar auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten gerutscht. Das konnte auch der höchste Stand der Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone seit Juni 2011 nur vorübergehend wettmachen. Die Nervosität habe auch mit den hohen Erwartungen an deutsche und europäische Konjunkturdaten zu tun, kommentierte Marktanalyst Jens Klatt vom Analysehaus Daily FX. Das könne schnell Zweifel an einem reibungslosen Übergang von der starken Liquiditätszufuhr hin zu einem stärkeren Wirtschaftswachstum aufkommen lassen.

          Titel der Commerzbank gefragt

          Die Aktie des Immobilienkonzerns LEG gab rund ein,03 Prozent ab, nachdem sich Händlern zufolge ein von Goldman Sachs kontrollierter Fonds von einem großen Aktienpaket trennt. Papiere von Sky Deutschland kletterten im Index der mittelgroßen Wert mit plus 7 Prozent an die Spitze - bisher waren sie im laufenden Jahr schwächster Wert im M-Dax gewesen.

          Europaweit gehörten Bankentitel zu den etwas besseren Werten. Die Commerzbank konnte mit 2,6 Prozent plus an der Dax-Spitze davon profitieren. Auf der anderen Seite verbuchten Allianz-Titel mit 2,7 Prozent die größten Tagesverluste im Leitindex. Sie knüpften damit an die Verluste vom Vortag an, als der Co-Chef der Fondstochter Pimco überraschend seinen Hut genommen hatte.

          Der Euro Stoxx 50 als Leitindex der Eurozone verlor 1,1 Prozent auf 3117,1 Punkte, auch in Paris betrug das Minus gut ein Prozent. Der Londoner FTSE 100 hielt sich mit minus 0,8 Prozent etwas besser. Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,48 (Vortag: 1,47) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,01 Prozent auf 133,27 Punkte. Der Bund-Future kletterte um 0,44 Prozent auf 142,02 Punkte. Der Kurs des Euro stieg nach den guten europäischen Wirtschaftsdaten auf zuletzt 1,3679 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,3639 (Mittwoch: 1,3566) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7332 (0,7371) Euro.

          Sorgen um Chinas Konjunktur belasten die Wall Street

          Belastet von enttäuschenden Konjunkturdaten aus China haben die amerikanischen Börsen am Donnerstag im Handelsverlauf deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Erstmals seit sechs Monaten schrumpfte die chinesische Industrie und schürte damit Ängste vor einem stärkeren Wachstumsabschwung der zweitgrößten Volkswirtschaft. Auch eine weitere Runde von amerikanischen Unternehmenszahlen ließ bei den Händlern keine echte Kauffreude aufkommen. Der Dow-Jones-Index fiel um rund ein Prozent auf 16.216 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,1 Prozent auf 1844,9 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 0,9 Prozent auf 4205,9 Punkte.

          Der chinesische Einkaufsmanagerindex von Markit und HSBC fiel im Januar auf 49,6 Punkte und damit unter die Marke von 50 Zählern, ab der er Wachstum signalisiert. Die Regierung in Peking will die Wirtschaft umbauen, setzt dabei mehr auf die Binnennachfrage und nimmt dafür auch schwächere Wachstumsraten in Kauf.

          Bei den Einzelwerten beeindruckte die weltgrößter Online-Videothek Netflix immerhin die Händler mit einem unerwartet hohen Quartalsgewinn und 2,3 Millionen neuen Kunden allein in Amerika. Die Netflix-Aktie stieg um mehr als 14 Prozent. Während die Kältewelle in den Vereinigten Staaten dem Internet-Unternehmen wenig anhaben konnte, blieben viele Amerikaner Mc Donald’s fern. Die Fast-Food-Kette legte wieder einmal enttäuschende Quartalszahlen vor. Trotz dessen gewann die Aktie 0,2 Prozent.

          Ebay steigerte zwar Umsatz und Gewinn. Besondere Beachtung fand aber der Streit zwischen dem Management und Carl Icahn über die Zukunft des Bezahldienstes PayPay, das der Großinvestor in eine eigene Gesellschaft auslagern will. Ebay-Titel lagen 1,3 Prozent im Plus. IBM-Aktien lagen ebenfalls mit 0,3 Prozent im Plus. Der Software-Dienstleister will seine Serversparte an den chinesischen Computer-Konzern Lenovo verkaufen.

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