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Marktbericht : Sorge um chinesische Konjunktur belastet Börsen

  • Aktualisiert am

Die Börse in Frankfurt Bild: Reuters

Die Abwertung des Yuan hat am Dienstag die deutsche Börse ins Schlingern gebracht. Der Dax verlor zum Handelsschluss fast 3 Prozent. Mit Käufen feierten die Anleger in New York den radikalen Umbau bei Google.

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          China hat mit der überraschende Abwertung seiner Landeswährung zur Ankurbelung der heimischen Wirtschaft am Dienstag den Anlegern am europäischen Aktienmarkt Angst eingejagt. „Die permanenten Eingriffe der chinesischen Administration lassen erahnen, wie prekär die Lage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt tatsächlich ist“, stellten die Analysten der Metzler Bank fest. Auch die überraschend pessimistische Einschätzung der Aussichten der heimischen Wirtschaft durch die deutschen Börsenprofis drückte auf die Stimmung.

          Der Dax verlor 2,7 Prozent auf 11.293,6 Punkte, der Euro Stoxx fiel um 1,9 Prozent auf 3605,3 Zähler. An der Wall Street notierten Dow Jones und S&P 500 zum Handelsschluss in Europa jeweils mehr als ein Prozent niedriger. Im Gegenzug standen deutsche und amerikanische Staatsanleihen als sicherer Anlagehafen wieder höher im Kurs. Der Bund-Future stieg um 103 Ticks auf 154,97 Punkte.

          Mit der Yuan-Abwertung um 2 Prozent werden chinesische Waren auf dem Weltmarkt billiger, sprich wettbewerbsfähiger. Für die europäischen und amerikanischen Rivalen ist das aber schlecht: „Ein stärkerer Dollar und Euro führen zu einer sinkenden Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf dem chinesischen Markt, einem der wichtigsten Absatzgebiete beider Regionen“, sagte CMC-Markets-Analyst Andreas Paciorek. Schließlich seien deren Produkte nun über Nacht teurer geworden.

          Rohstoffpreise auf breiter Front auf Talfahrt

          Besonders für die unter dem ohnehin schon relativ starken Dollar ächzenden amerikanischen Unternehmen könnte es nun noch schwerer auf dem Weltmarkt werden. Daher spekulierten einige Börsianer schon wieder auf eine Verschiebung der von vielen für September erwartete Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten. Dies schob den Euro um bis zu einen halben amerikanische Cent auf 1,1088 Dollar an.

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          Massiv unter Druck gerieten die Rohstoffpreise. Denn durch die Abwertung des Yuan wird für China der Import von den in Dollar abgerechneten Rohstoffen teurer. „Viele fürchten, dass sich das auf die Nachfrage auswirken könnte“, sagte ein Händler. Kupfer verbilligte sich um 3,8 Prozent auf ein frisches Sechs-Jahres-Tief von 5109 Dollar je Tonne. Nordseeöl der Sorte Brent fiel um 3,6 Prozent auf 48,61 Dollar je Barrel (159 Liter).

          Für Enttäuschung sorgte auch der fünfte Rückgang in Folge des ZEW-Barometers für die deutschen Konjunkturerwartungen.

          Google sorgt mit Umbau für Furore an der Wall Street

          Unter den europäischen Einzelwerten standen die Aktien der Autobauer und Luxusgüterhersteller besonders unter Druck. Der stärkste Rückgang der Autoabsätze in China seit zweieinhalb Jahren ließ Daimler, BMW und Volkswagen um vier bis fünf Prozent abrutschen. Ähnlich stark verbilligten sich die Aktien von Burberry, dem Gucci-Konzern LVMH, Swatch und der Puma -Mutter Kering. Für sie alle ist China ein sehr wichtiger Absatzmarkt.

          Lichtblicke gab es kaum. Mit Käufen feierten die Anleger in New York aber den radikalen Umbau bei Google. Analyst Roger Kay vom Marktforscher Endpoint Technologies Associates erklärte, vielleicht sei es künftig leichter, herauszufinden, wer bei Google die Brötchen verdiene, was ein wissenschaftliches Projekt und was langfristig vielversprechend sei. Der Aktienkurs stieg um bis 6,2 Prozent auf 704 Dollar.

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