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Marktbericht : Schwache EU-Daten belasten Dax

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Bild: F.A.Z.

Der deutsche Leitindex hat sich am Dienstag mit einem leichten Minus knapp oberhalb von 9000 Punkten aus dem Handel verabschiedet. Laut Analysten mehren sich die Anzeichen für eine bevorstehende Korrektur.

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          Enttäuschende Wachstumsprognosen für die Länder der Eurozone haben deutsche Aktien am Dienstag belastet. „Am deutschen Aktienmarkt mehren sich die Anzeichen für eine bevorstehende Korrektur“, sagte Marktexperte Jens Klatt von Daily FX. Der Dax entfernte sich von seinem in der Vorwoche bei 9070 Punkten erreichten Allzeithoch und rutschte zeitweise wieder unter die stark beachtete Marke von 9000 Punkten. Letztlich sank der Leitindex um 0,3 Prozent auf 9009,1 Punkte. Der M-Dax mittelgroßer Werte verlor 0,04 Prozent auf 16.091,2 Punkte, nachdem er im frühen Handel ein Rekordhoch bei 16.150 Zählern erreicht hatte. Der Tec-Dax fiel um 0,75 Prozent auf 1130,7 Punkte.

          Die gesenkten Wachstumsprognosen der Brüsseler EU-Kommission für nahezu alle Euroländer habe die Märkte ein wenig verunsichert, sagte Marktanalyst Arkadius Barczynski vom Broker GKFX. Zudem habe sich eine gewisse Vorsicht der Anleger vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank EZB an diesem Donnerstag breitgemacht, sagte Craig Erlam, Marktanalyst bei Alpari Research. Ein ungewöhnlicher Inflationseinbruch lasse Spielraum für eine weitere Zinssenkung. Sollte sie ausbleiben, dürfte der Euro weiter erstarken und die Aktienrally beenden, vermutet Barczynski.

          Beiersdorf an Dax-Spitze

          Jens Klatt verwies auf die amerikanischen Anleihenmärkte, die recht deutlich die Abhängigkeit der Aktien von weiteren Liquiditätsspritzen aufzeigten und damit die Verluste am Dienstag erklärten. „Anziehende Renditen an den amerikanischen Anleihemärkten deuten darauf hin, dass nun wieder eher früher als später mit einer ersten Reduzierung der Anleihekäufe durch die amerikanische Notenbank gerechnet wird“, sagte er. Die veröffentlichten Daten des ISM-Einkaufsmanagerindex hätten diese Spekulationen weiter angeheizt. So hatte sich die Stimmung im amerikanischen Dienstleistungssektor im Oktober überraschend aufgehellt.

          Highlight im Dax waren Beiersdorf mit einem Kurssprung von 5,3 Prozent. Aufgestockte Prognosen für Umsatz und Profitabilität hatten die Papiere des Konsumgüterkonzerns im Verlauf auf ein Rekordhoch bei 73,69 Euro gehoben. Gewinne verbuchten auch die Aktien von FMC und der Muttergesellschaft Fresenius, die um 1,2 bzw. 3,4 Prozent nach oben kletterten. Ein Börsianer lobte bei Fresenius den verbesserten Ausblick für die Sparte Helios. Ein Minus von 2,9 Prozent musste am Dax-Ende der Autobauer BMW hinnehmen. Dabei fiel der Gewinn etwas höher als erwartet aus, während der Umsatz die Prognosen verfehlte.

          Aurubis am M-Dax-Ende

          Symrise-Papiere feierten im M-Dax mit einem Kursplus von 5,7 Prozent die Zahlenvorlage des Aromen- und Duftstoffherstellers, der dank einer starken Nachfrage auch im dritten Quartal Umsatz und Gewinn höher als erwartet steigerte. Die Titel von Sky Deutschland legten nach Zahlen um 5 Prozent zu und verbuchten den höchsten Stand seit Oktober 2008. Der Bezahlsender hatte auf dem Weg aus den roten Zahlen einen weiteren großen Schritt gemacht.

          Die Anteilsscheine von Aurubis fielen am M-Dax-Ende um 4,7 Prozent. Europas größter Kupferkonzern hatte eine enttäuschende Entwicklung im vierten Geschäftsquartal ausgewiesen. Auch die anderen wichtigen Börsen in Europa präsentierten sich im Minus. Der Euro Stoxx 50 schloss 0,8 Prozent tiefer bei 3035,9 Punkten. Die Leitindizes in Paris und London verloren zwischen 0,2 und 0,8 Prozent.

          Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,39 (Montag : 1,36) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,16 Prozent auf 133,99 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,50 Prozent auf 141,18 Punkte. Der Eurokurs fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3494 (Montag: 1,3506) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7411 (0,7404) Euro.

          Amerikanische Börsen schwächer

          Nach den jüngsten Kursgewinnen verzeichnen die amerikanischen Aktienmärkte am Dienstag Kursverluste. Anleger hielten sich vor der Veröffentlichung wichtiger Konjunkturdaten im Laufe der Woche zurück. Die Vorsicht kehre zurück, sagten Händler. Erwartet werden insbesondere neue Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt und zum Arbeitsmarkt. Der Börse seien derzeit durchwachsene Nachrichten die liebsten, sagte Rick Meckler, Präsident der Investmentfirma Liberty View Capital Management. Schwache Konjunkturdaten schürten Sorgen um die Unternehmensergebnisse, starke die Erwartung, dass die Geldpolitik gestrafft werde. Investoren erhoffen sich aktuell vor allem neue Hinweise darauf, wann die amerikanische Notenbank mit der Drosselung ihrer massiven Wertpapierkäufe beginnen wird.

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,1 Prozent auf 15.622 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500, der in diesem Jahr bereits um fast ein Viertel zugelegt hat, gab 0,2 Prozent auf 1764 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 0,1 Prozent auf 3934 Punkte. Unter den Einzelwerten stachen die Papiere von Michael Kors hervor, die 6,3 Prozent anzogen. Die Luxusmode-Firma steigerte ihren Quartalsgewinn überraschend stark.

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