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Marktbericht : Mögliche Annäherung in Amerikas Etatstreit beflügelt Dax

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der deutsche Leitindex ist am Donnerstag mit einem fulminanten Plus von 2 Prozent aus dem Handel gegangen. Vor allem Aktien von Commerzbank und Gagfah waren begehrt.

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          Die Hoffnung auf Fortschritte im amerikanischen Haushaltspoker hat den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag beflügelt. Der Dax stieg nach drei etwas schwächeren Tagen um rund 2 Prozent auf 8685,8 Punkte. Der M-Dax legte um 1,4 Prozent auf 15.171,6 Punkte zu und der Tec-Dax kletterte um 1,5 Prozent auf 1085 Punkte nach oben.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama will offenbar den Schulterschluss mit den Republikanern suchen und Finanzminister Jack Lew erhöhte den Druck auf den Kongress. Hinzu kommen Vorschläge führender Republikaner, das Schuldenlimit zumindest kurzfristig anzuheben. Wenn die Vereinigten Staaten nicht bis Mitte des Monats die Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen Dollar erhöht, droht der größten Volkswirtschaft der Welt rasch das Geld auszugehen.

          Die äußerst positiven Kursreaktion allein auf Meldungen über eine Annäherung zwischen Demokraten und Republikanern zeige, dass die Finanzmärkte nicht wirklich an eine baldige Insolvenz der Vereinigten Staaten glaubten, sagte Marktanalyst Jens Klatt von DailyFX. Die Börsen seien auch von der Angst getrieben worden, im Fall einer Einigung weitere Kursanstiege zu verpassen. Anleger, die bislang nicht zwangsläufig mit einer Lösung gerechnet hätten, wollten den Zug offenbar nicht verpassen.

          Die Aktien der Commerzbank zogen an der Spitze des deutschen Leitindex um fast 6 Prozent an. Händler verwiesen auf wieder aufgeflammte Spekulationen über ein mögliches Kaufinteresse ausländischer Finanzkonzerne. Für die Anteilsscheine von Infineon ging es nach positiv aufgenommenen Unternehmensaussagen zum Geschäft mit Handybauteilen um 2,7 Prozent nach oben. Verluste verbuchten nur die beiden als defensiv geltenden Werte Fresenius und Fresenius Medical Care.

          Gagfah refinanziert sich günstig

          Im Fokus standen aber vor allem Papiere aus der zweiten Reihe. Zu den Favoriten im M-Dax zählten die Gagfah-Aktien mit plus 4,2 Prozent. Die Immobiliengesellschaft löste erneut Verbindlichkeiten für etwas mehr als eine Milliarde Euro zu deutlich günstigeren Konditionen ab. Bei den Pro-Sieben-Sat.1-Titeln sorgte ein positiver Analystenkommentar für gute Stimmung unter den Aktionären. Die Papiere des Medienkonzerns verteuerten sich um 4,1 Prozent.

          Auch die Aktien von Gerresheimer wurden von einer Studie bewegt. Sie büßten nach einer Abstufung auf „Hold“ durch das Analysehaus Kepler Cheuvreux als Schlusslicht im Index der mittelgroßen Werte 3,4 Prozent ein. Die Anteilsscheine von Rheinmetall litten mit minus 0,8 Prozent unter einer Senkung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Moody’s. Damit wird die Geldbeschaffung teurer.

          Auch die anderen Aktienbörsen stark

          Der Euro Stoxx 50 stieg um 2,2 Prozent auf 2969,4 Punkte. Der Londoner FTSE 100 und der Cac 40 in Paris zogen ebenfalls deutlich an. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,46 Prozent am Vortag auf 1,51 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,18 Prozent auf 133,44 Punkte. Der Bund Future sank um 0,40 Prozent auf 139,60 Punkte. Der Kurs des Euro stieg moderat. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3532 (Mittwoch: 1,3515) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7390 (0,7399) Euro.

          Dow springt über 15.000

          Spekulationen über eine vorläufige Entschärfung des amerikanischen Budgetstreits haben die Wall Street am Donnerstag beflügelt. Der Dow Jones Industrial baute seine Kursgewinne vom Mittwoch deutlich aus und sprang wieder über die viel beachtete Marke von 15.000 Punkten. Zuletzt zog er um 1,5 Prozent auf 15.030,87 Punkte an. Für den marktbreiten S&P-500-Index ging es um 0,1 Prozent auf 1656,4 Punkte nach oben. Der Nasdaq 100 kletterte um 1,9 Prozent auf 3202,2 Punkte.

          Laut einem Medienbericht unter Berufung auf eine anonyme Quelle im amerikanischen Repräsentantenhaus zeigen sich mittlerweile Demokraten und Republikaner offen für einen Kompromiss, um die Schuldenobergrenze der Vereinigten Staaten von 16,7 Billionen Dollar zumindest kurzfristig anzuheben. Damit könnte der Stillstand der öffentlichen Verwaltung und damit die ab dem 17. Oktober drohende Zahlungsunfähigkeit des Staates zunächst vermieden werden. Neuesten Berichten zufolge steht an diesem Donnerstag ein Treffen zwischen dem amerikanischen Präsident Barack Obama und republikanischen Abgeordneten an.

          Aus Unternehmenssicht sorgten Teva-Aktien mit einem Kurssprung von 2,5 Prozent auf 40,14 Dollar für Aufsehen. Der weltgrößte Generikahersteller verschärft angesichts roter Zahlen sein Sparprogramm. Bis Ende 2014 will die Mutter des Ulmer Pharmaunternehmens Ratiopharm 5000 Stellen streichen. Das ist jeder zehnte Arbeitsplatz im Konzern. Chevron-Titel verloren am Dow-Ende knapp ein Prozent. Der Ölkonzern hatte für das dritte Quartal einen Gewinnrückgang angekündigt. Analysten hatten bisher mit einem Anstieg gerechnet. Höhere Instandhaltungskosten im Verarbeitungsgeschäft würden den Rückgang der Raffineriemargen in den Vereinigten Staaten beschleunigen, schrieb Analyst Michael Kay von S&P Capital IQ. An der Indexspitze knüpften die Aktien von Nike an ihre Kursgewinne vom Mittwoch an und steigen um 2,5 Prozent. Der weltgrößte Sportartikelkonzern hatte zur Wochenmitte mitgeteilt, die Konkurrenz von Adidas & Co auch in den kommenden Jahren auf Abstand halten zu wollen. Außerhalb des Dow verteuerten sich Anteilsscheine des Biotech-Unternehmens Gilead Sciences in Reaktion auf eine positive Medikamentenstudie um rund viereinhalb Prozent.

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