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Marktbericht : Infineon geht 10 Prozent höher aus dem Handel

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Infineon ist am Donnerstag der Gewinner im Dax. Bild: dpa

Der Halbleiterkonzern Infineon hat die Aktionäre mit seinen Quartalszahlen und einem positiven Ausblick überzeugt. Die Infineon-Aktie gingen fast 10 Prozent höher aus dem Handel. Der Dax hat am Donnerstag nach der Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Gewinnen geschlossen.

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          Nach einem optimistischen Ausblick und guten Quartalszahlen ist der Aktienkurs von Infineon am Donnerstag zeitweise so stark gestiegen wie in den vergangenen vier Jahren nicht mehr. Kurzzeitig zogen die Papiere des Halbleiterherstellers um bis zu 10 Prozent an und damit so stark wie seit Juli 2009 nicht mehr. Die im Dax gelisteten Titel gingen bei 6,59 Euro und damit um 9,9 Prozent höher aus dem Handel.

          Der Dax hat am Donnerstag nach der Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Gewinnen geschlossen. Unterstützend wirkten zudem aktuelle Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten. Die zeitweise zurückeroberte Marke von 8000 Punkten konnte der Leitindex allerdings nicht halten und rutschte nach Äußerungen des EZB-Chefs Mario Draghis sogar kurz auch in die Verlustzone. Mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 7961,7 Punkte ging der Leitindex nach dem 1.-Mai-Feiertag aus dem Handel. Auf Monatssicht gewann er damit rund 2 Prozent. Der M-Dax legte am Donnerstag um 0,5 Prozent auf 13.508,4 Punkte zu. Der Tec-Dax sank dagegen um 0,2 Prozent auf 921,6 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index legte 0,5 Prozent auf 1693,8 Punkte zu.

          Die EZB senkte angesichts enttäuschender Konjunkturdaten und einer rückläufigen Inflation ihren Leitzins auf ein Rekordtief von 0,50 Prozent. Belastend wirkte laut Händlern allerdings, dass die EZB bereit zu sein scheint, negative Einlagezinsen in Kauf zu nehmen. Auch unkonkrete Aussagen von Draghi über Initiativen für mittelständische Unternehmen zum Anheizen des Wirtschaftswachstums wurden moniert. „Wichtiger als die Leitzinssenkung ist etwa, was in Richtung der südeuropäischen Unternehmen getan wird“, sagte einer der Börsianer. Analyst Ralf Umlauf von der Helaba gab zu bedenken, dass Draghi kein spezielles Instrument genannt habe, um die Kreditkosten für kleinere und mittlere Unternehmen zu senken.

          Infineon legen nach Zahlen fast 10 Prozent zu

          Infineon konnte im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis steigern. Analysten hatten im Vorfeld mit soliden Ergebnissen gerechnet. Malte Schaumann von Warburg Research etwa hatte zuletzt geschrieben, zusammen mit einem entsprechenden Ausblick könnten die Zahlen eine Kurserholung anschieben. Für das Gesamtjahr geht Konzernchef Reinhard Ploss jetzt davon aus, das obere Ende der bisherigen Prognose zu erreichen.


          Vor allem der Ausblick wurde von zahlreichen Marktteilnehmern gelobt. Ihre Urteile reichten von „gut“ bist „sehr stark“. Auch dass der Konzern die Talsohle als durchschritten sieht, sei positiv. Analyst Didier Scemama von Merrill Lynch zeigte sich so überzeugt von dem Zahlenwerk, dass er die Aktie von „Underperform“ auf „Buy“ hochstufte und das Kursziel von 6,00 auf 7,50 Euro hob. Er lege einen höheren Bewertungsmaßstab an. Die Marktprognosen für das Geschäftsjahr 2013/2014 dürften noch um 15 bis 20 Prozent ansteigen, die Schätzungen für das folgende Jahr um 5 bis 10 Prozent. Sowohl die Quartalsergebnisse der einzelnen Sparten des Konzerns als auch die Prognose für das laufende Quartal hätten über den Erwartungen gelegen. Commerzbank-Analyst Thomas Becker nannte das zweite Quartal solide, die Ziele für das dritte Jahresviertel sowie für das Gesamtjahr bezeichnete er sogar als ausgezeichnet. Becker empfiehlt die Aktie zum Kauf.

          Lufthansa und Beiersdorf fester

          Die laufende Berichtssaison hielt die Investoren auch mit einer Reihe weiterer Quartalszahlen in Atem. Einer der besten Dax-Wert waren die Anteilsscheine der Lufthansa, die sich um 2,7 Prozent verteuerten. Schnee, Streik und der teure Konzernumbau hatten die Lufthansa im ersten Quartal deutlich in den roten Zahlen gehalten. Der saisontypische operative Verlust fiel mit 359 Millionen Euro zwar exakt so hoch aus wie ein Jahr zuvor, wie Europas größte Fluggesellschaft am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Analysten hatten aber Besseres erwartet. Finanzchefin Simone Menne sieht den Konzern dennoch auf Kurs: Trotz hoher Abfindungen im Zuge des Stellenabbaus soll das operative Geschäft im laufenden Jahr mehr Gewinn abwerfen als 2012. Rechtzeitig vor Veröffentlichung der Quartalszahlen erzielte die Lufthansa auch im Tarifstreit eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi. Europas größte Fluggesellschaft hatte den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigt. Zudem müssen die Passagiere für die kommenden zwei Jahre keine Streiks des Bodenpersonals mehr fürchten. Analyst Dirk Schlamp von der DZ-Bank wertete angesichts der eher schwachen Quartalszahlen vor allem die jüngste Tarifeinigung positiv.

          Die Titel des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf zogen mehr als 4 Prozent an. Ein Händler sagte: „Die Restrukturierung läuft planmäßig voran und das Ergebnis ist dank besserer Margen etwas über den Erwartungen ausgefallen.“ Autowerte standen teilweise mit Absatzzahlen aus den Vereinigten Staaten im Blick. Volkswagens Erfolgsgeschichte in Amerika bekam einen Knacks. Dementsprechend fielen die Papiere um 0,9 Prozent. Daimler aber verkaufte in den Vereinigten Staaten so viele Pkw wie noch nie in einem April und BMW steigerte den amerikanischen Absatz deutlich. Der teure Kampf gegen Europas Auto-Flaute und das langsamere Wachstum in China haben den Münchener Oberklasse-Hersteller derweil zum Jahresstart weitgehend kalt gelassen, wie die Quartalszahlen von BMW zeigten. Die Titel kletterten als einer der Favoriten im Dax um rund ein Prozent. Für die Daimler-Aktien ging es um 1,2 Prozent nach oben.

          Siemens gewinnt trotz Prognosekürzungen

          Die Titel von Siemens haben am Donnerstag zunächst unter enttäuschenden Quartalszahlen gelitten. Für die Papiere des Elektrokonzerns ging es am Vormittag um rund ein Prozent auf 78,46 Euro nach unten. Die Aktien gingen hingegen 0,6 Prozent höher bei 79,81 Euro aus dem Handel. Siemens hatte wegen ausbleibenden Rückenwinds vor allem aus China und hausgemachten Problemen wie befürchtet seine Umsatz- und Gewinnprognose gekappt. Für den Umsatz rechnet Siemens nun mit einem moderaten Rückgang. Eigentlich hätten sich die Erlöse dem Vorjahr annähern sollen. Der Welt fehle ein Wachstumsmotor, sagte Vorstandschef Peter Löscher Bloomberg-TV. Der Blick auf das zweite Halbjahr verheiße nur ein flaues Geschäft. Ein Händler sagte: „Die Zahlen wurden auf der schwachen Seite erwartet - offenbar liegen sie nun aber doch noch einen Tick unter den Befürchtungen.“ Laut Analyst Jasko Terzic von der DZ Bank habe der Auftragseingang dank einiger Großaufträge zwar positiv überrascht. Das kurzzyklische Geschäft aber leide immer noch unter einer schwächeren Nachfrage und sei verantwortlich für die Prognosesenkungen. Der Experte sieht keine starke Erholung im zweiten Halbjahr. Er hält an seinem „Halten“-Votum fest.

          Analyst Sandeep Deshpande von der amerikanischen Bank JP Morgan meinte, das zweite Geschäftsquartal habe nur ein durchwachsenes Bild abgegeben. Neben den guten Auftragseingängen sei die bereinigte Rentabilität schwächer ausgefallen. Der Experte geht aber davon aus, dass der Konzern nach dem schwachen Start ins Jahr die Bemühungen um Einsparungen intensivieren wird. Deshpande bewertet die Aktien weiter mit „Neutral“ und einem höheren Kursziel von 94,00 Euro. Die Privatbank Berenberg hatte sich vor der Veröffentlichung der Zahlen etwas optimistischer geäußert. Ab dem zweiten Halbjahr 2013 dürften sich wieder klare Wachstumstrends in den wichtigen Endmärkten der Investitionsgüterindustrie etablieren, hatte Analyst William Mackie geschrieben. Siemens überzeuge mit globaler Führerschaft in Wachstumsmärkten und Potenzial durch den Portfolioumbau. Zudem sollten die geplanten Kostensenkungen die Profitabilität steigern.

          Aus dem M-Dax veröffentlichte unter anderem die Metro ihr Zahlenwerk. Der Handelskonzern hatte operativ besser als erwartet abgeschnitten. In der Folge gewannen dessen Aktien etwa 4,1 Prozent. Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub aber hatte im Auftaktquartal etwas weniger verdient als gedacht. Insofern fielen die Titel um 0,8 Prozent. Die Papiere des Modekonzerns Hugo Boss stiegen nach Zahlen um fast 5 Prozent. Der im Tec-Dax geleistete Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Drägerwerk bestätigte trotz eines Gewinnrückgangs seinen Ausblick. Die Aktien rückten um 2,3 Prozent vor. Abseits der Berichtssaison büßten die Titel von Thyssen Krupp am Dax-Ende mehr als 2,5 Prozent ein. Der Industriekonzern prüft einem Bericht zufolge einen späteren Verkauf seiner amerikanischen Stahlwerke.

          Der Euro Stoxx 50 kletterte um 0,3 Prozent auf 2718,9 Punkte nach oben. Der britische FTSE 100 und der französische Cac 40 schlossen freundlich, aber kaum verändert. Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,99 Prozent am Dienstag auf 1,00 Prozent. Der Rentenindex Rex legte um 0,05 Prozent 135,82 Punkte zu. Der Bund Future rückte um 0,39 Prozent auf 147,05 Punkte vor. Der Kurs des Euro fiel nach dem Zinsentscheid auf zuletzt 1,3066 Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs auf 1,3191 (Dienstag: 1,3072) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7581 (0,7650) Euro.

          Wall Street eröffnet nach EZB-Zinsentscheid im Plus

          Die Wall Street ist nach der jüngsten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag gestiegen. „Das ist ein ermutigender Schritt der EZB, um der Erholung in der Euro-Zone Beine zu machen“, kommentierte Rick Meckler vom Hedgefonds Liberty View Capital Management LLC den Beschluss der Zentralbanker, den Leitzins um einen Viertelpunkt auf das Rekordtief von 0,5 Prozent zu senken. Wenn jemand neben der amerikanischen Notenbank Fed das Wachstum belebe, sei das gut für die Börse.

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte im Handelsverlauf um 0,8 Prozent auf 14.812 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,9 Prozent auf 1596 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte um 1,1 Prozent auf 3335 Stellen zu. Bei den Firmenwerten stachen vor allem General Motors heraus. Der größte amerikanische Autobauer legte einen über den Erwartungen liegenden Quartalsbericht vor. Im Europa-Geschäft machte der Konzern weniger Verlust als befürchtet. Die Aktie der Opel-Mutter legte in New York um knapp 4,8 Prozent zu.

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