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Marktbericht : Griechenland-Debatte und Ölpreisverfall belasten Aktienmarkt

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Griechenland-Debatte, Kursrutsch beim Euro, Ölpreisverfall- die ersten Tage im neuen Jahr verlangen starke Nerven von den Anlegern. Die hielten es nicht lange aus.

          3 Min.

          Die Anleger am deutschen Aktienmarkt zeigen sich am Montag von der Schwäche des Euro und der Debatte um ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone beeindruckt. Auch der Ölpreisverfall tut sein Übriges. Mit der Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) drehten die Indizes anfänglich noch ins Plus, doch hielten sie sich nicht lange.

          Der Aktienmarkt kam ins Rutschen, als sich eine schwächere Eröffnung der amerikanischen Börsen abzuzeichnen begann. Zuletzt schloss der Dax 3 Prozent niedriger bei 9473 Punkten. Der mit 100 Werten den Markt deutlich breiter abbildende F.A.Z.-Index sank um 2,6 Prozent auf 1957 Zähler. Der griechische Leitindex ASE in Athen büßte mehr als 5 Prozent ein.

          Börse : Debatte über „Grexit“ belastet Märkte

          Der Euro notierte am Abend mit Kursen knapp über 1,19 Dollar so niedrig wie zuletzt im Juni 2010, auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise. Indes hate sich der Kurs der Gemeinschaftswährung den Tag über sehr stabil gezeigt und gegenüber dem frühen asiatischen Handel erholt, in dem sie mit 1,18605 Dollar sogar ein Neun-Jahres-Tief markiert hatte. „Die Sorge über einen sich nun beschleunigenden Abwärtstrend in der Gemeinschaftswährung lässt bei ausländischen Anlegern verstärkte Verkaufspanik aufkommen, denn zu den möglichen Kursverlusten kommen Währungsverluste hinzu“, fasste Jens Klatt, Chefanalyst beim Brokerhaus FXCM, zusammen.

          Dazu kommt laut Händlern die Sorge, dass die griechischen Wähler dem von der EU verordneten Reformkurs einen Denkzettel verpassen und das Land nach den Wahlen am 25. Januar vor einem Austritt aus dem Währungsraum (“Grexit“) stehen könnte. Die Metzler Bank sieht einen „Grexit“ wegen der möglichen Ansteckungsgefahren für andere Krisenstaaten des Euro-Raums kritisch: Es fehle nicht an eurofeindlichen Tendenzen und Gegnern der strikten Sparpolitik im Währungsraum. „Von daher ist unseres Erachtens gut vorstellbar, dass ein Anti-Euro-Kurs Griechenlands von diesen Kräften als Blaupause verstanden werde könnte.“ Wachsende Ängste vor dem Ausscheiden Griechenlands könnten ein erhebliches Risiko für die Konjunktur in der Eurozone darstellen, schrieb Jonathan Loynes, Volkswirt für Europa beim Analysehaus Capital Economics. Auch die letzte Krise der Eurozone habe mit einem isolierten Problem in Griechenland begonnen und sich dann auf andere Länder ausgebreitet.  Der Freiburger „Wirtschaftsweise“ Lars Feld vertrat in der „Badischen Zeitung“ indes die Ansicht, dass die Ansteckungseffekte für die Eurozone gering wären.

          Einige Analysten fürchteten zudem, die EZB könnte ihr Programm für den Ankauf von Staatsanleihen wegen der griechischen Wahlen verschieben. Der EZB-Rat tritt drei Tage vor der Wahl erstmals in diesem Jahr zusammen. Börsianer rechneten bisher zumindest mit einem Zeitplan für das Programm. Laut EZB-Chef Mario Draghi laufen die Vorbereitungen für den vor allem in Deutschland umstrittenen Ankauf schon. „Dass die EZB in dem Falle auch griechische Papiere kaufen müsste, wird der Akzeptanz des Programms hierzulande kaum helfen“, warnte ein Händler. „Neue Turbulenzen am Rentenmarkt wären damit vorprogrammiert.“

          Rohstoffaktien unter Druck

          Auch der Ölpreis fiel stark: Angesichts einer hohen Überproduktion kostet Öl aus der Nordsee inzwischen nur noch rund 53 Dollar je Fass, amerikanisches Leichtöl sogar erstmals seit dem Frühjahr 2009 nur rund 50 Dollar. Zwar sind niedrige Energiekosten grundsätzlich positiv für die Konjunktur. Doch das Tempo des Preisverfalls sei besorgniserregend, sagte ein Börsianer.

          Am Aktienmarkt litten vor allem die Kurse der Ölmultis unter dem andauernden Preisverfall. Im Eurostoxx50 stürzte der Kurs der italienischen Eni um 8,4 Prozent und der französischen Total um sechs Prozent ab. Die in London notierten Aktien von BP und Shell verloren je fast fünf Prozent. Auch an der Wall Street gerieten vor allem die Aktien der Energieversorger unter Druck. Dow Jones und S&P500 verloren bis zum Handelsschluss in Europa je mehr als ein Prozent. Im Dax erwischte es Eon und RWE, die 5,2 und 4,5 Prozent verloren.

          Zudem setzte der Preisrutsch bei den Industriemetallen einigen Rohstoffwerten zu. Salzgitter verloren 5,4 Prozent, in London brachen die Aktien von Anglo American und BHP um vier bis fünf Prozent ein. An den Rohstoffmärkten war der Preis für Kupfer um 2,6 Prozent auf 6095,50 Dollar je Tonne abgesackt, dem niedrigsten Stand seit Juni 2010.

          Auf der Verliererseite standen zudem Lanxess im Fokus, die nach einer Herunterstufung durch Mainfirst um knapp 7 Prozent nachgeben. Der Chemiekonzern werde im synthetischen Kautschukmarkt weiter mit heftigem Gegenwind zu kämpfen haben, schreibt Analyst Ronald Köhler. Zudem dürften die geplanten Einsparungen durch den steigenden Wettbewerbsdruck bis zu einem gewissen Grad aufgezehrt werden. Der Kautschukpreis hat sich zwar in den vergangenen Monaten stabilisiert, ist aber seit 2011 um zwei Drittel gefallen.

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