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Marktbericht : Gewinnmitnahmen prägen Handel

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Bild: F.A.Z.

Nach der jüngsten Kursrallye legt der deutsche Aktienmarkt eine kleine Pause ein. Der Dax verliert am Mittag 0,6 Prozent auf 6925 Punkte.

          Die Stimmung auf dem Parkett sei nicht schlecht. Man sei weiter entspannt, angesichts der Nachrichtenlage sei aber nicht viel mehr drin, sagte ein Händler. Nach den letzten Handelstagen mit starker Kursperformance auch verständlich. Für den M-Dax geht es zur Mittagszeit um 1,1 Prozent auf 11045,6 Punkte zurück, während Gewinnmitnahmen auch den Handel im Tec-Dax prägen und dem deutschen Technologie-Index somit ein Minus von 1,5 Prozent auf 784 Zähler bescheren. Für den breiten FAZ-Index geht es 0,74 Prozent in Richtung Süden auf 1494,92 Punkte.

          Die Anleger konzentrieren sich anscheinend weiterhin auf Aussagen der Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks und warten auf Signale für konjunkturstützende Maßnahmen. Entsprechend rechnen andere Marktteilnehmer über kurz oder lang damit, dass der Dax abermals die runde Marke von 7.000 Punkten testen wird. Dass die Ratingagentur Standard & Poor’s den Ausblick für Griechenland am Vorabend auf „Negative“ gesenkt hatte, war laut Händlern keine große Überraschung und sollte zunächst keinen Einfluss auf den Markt haben.

          Deutsche Industrieproduktion schrumpft

          Dass die Bundesrepublik Deutschland am Mittwoch bei der vierten Aufstockung ihrer 2022 fälligen Staatsanleihe höhere Zinsen als zuletzt in Kauf hat nehmen müssen, wurde am Markt dagegen aufmerksam beobachtet. Die Durchschnittsrendite stieg auf 1,42 Prozent, verglichen mit dem Rekordtief von 1,31 Prozent bei der Versteigerung gleicher Papiere im Juni.

          Seitens der Konjunkturdaten gab es derweil auch neue Meldungen. Die Produktion im produzierenden Gewerbe Deutschlands ist im Juni wie erwartet zurückgegangen, wobei die Erzeugung von Investitionsgütern besonders schwach war. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, sank die Produktion gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent, nachdem sie im Mai um revidiert 1,7 Prozent angezogen hatte. Mit Blick auf die nächsten Monate äußerte sich das BMWi jedoch nur vorsichtig: „Angesichts der gegenwärtig etwas zurückhaltenden Entwicklung der Bestellungen bleiben die Aussichten für die Industrieproduktion vorerst verhalten.“

          Klöckner mit Nettoverlust

          Die Berichtssaison konzentriert sich wiederum in Deutschland an diesem Mittwoch auf die zweite Reihe. Auf der Agenda stehen zudem noch am Nachmittag US-Produktivitätsdaten. Die Aktien von Klöckner & Co sackten um 3,34 Prozent ab. Die sich zuspitzende Wirtschaftslage in Europa hatte dem Stahlhandelskonzern im zweiten Quartal einen Nettoverlust eingebrockt. Während der Umsatz noch um vier Prozent stieg, brach der operative Gewinn um fast die Hälfte ein. Börsianer sprachen von schwachen Zahlen und einem enttäuschenden Ausblick. Allerdings hatten die Aktien am Dienstag mit einem Kursplus von mehr als acht Prozent sehr deutlich zugelegt.

          Auch der Medienkonzern Axel Springer blieb dank eines starken Geschäfts im Internet auf Wachstumskurs. Analysten lobten die Zahlen. Die Papiere machten ihre Anfangsverluste teilweise wett und notierten zuletzt noch 0,39 Prozent schwächer. Beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport ließen die Kosten der neuen Landebahn die Gewinne sinken. Der Umsatz blieb hingegen fast stabil. Ein Händler monierte, dass der Überschuss im ersten Halbjahr enttäuscht habe. Entsprechend büßten die Titel 2,44 Prozent ein.

          Stada an der M-Dax-Spitze

          Beim Generikahersteller Stada ging der Überschuss im ersten Halbjahr zurück - hier belasteten Kosten für den Konzernumbau. Dagegen legte der Umsatz zu. Die Commerzbank sprach von gemischten Zahlen für das zweite Quartal. Dies und der bestätigte Ausblick reichten für Kursgewinne von 1,38 Prozent und den Spitzenplatz im MDax.

          Schwache Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal legte der Handelskonzern Douglas Holding vor: Umsatz und Gewinne verfehlten die Konsensschätzungen. Bei Silvia Quandt Research hieß es, dass der mögliche Rückzug von der Börse wichtiger sei als die enttäuschenden Zahlen. Die Aktien sanken um 0,68 Prozent.

          Freenet im Tec-Dax Gesprächsthema

          Nach gemischten Zahlen notierten die Aktien von Freenet im TecDax 0,53 Prozent tiefer. „Die Gewinnseite liegt etwas über den Schätzungen, der Durchschnittsumsatz und die Anzahl der Mobilfunkkunden enttäuschen dagegen leicht“, sagte ein Händler.

          Die zuletzt gut gelaufenen Evotec-Titel fielen um 1,82 Prozent zurück, nachdem das Biotechnologie-Unternehmen im ersten Halbjahr von Zahlungen seiner Pharmapartner profitiert und mehr verdient und umgesetzt hatte als im Vorjahr. Dagegen legten die Aktien von Gigaset ungeachtet roter Quartalszahlen an der Indexspitze um 3,53 Prozent zu. Der Telefonhersteller hatte allerdings schon Ende Juni vor den Auswirkungen der Schuldenkrise gewarnt und auch die Jahresprognose gesenkt. Wichtiger für die Anleger war offenbar die Konkretisierung eines Sparprogramms.

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