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Marktbericht : Freude über Zypern-Rettung stützt Aktienkurse nur kurz

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nur kurz hat die Freude über die Zypern-Rettung gewährt: Neue Negativschlagzeilen drückten die Aktienkurse am Nachmittag ins Minus.

          Belastend wirkten vor allem Aussagen von Eurogruppenleiter Dijsselbloem. Der Niederländer sieht in der Zypern-Hilfe eine mögliche Mustervorlage für andere EU-Problembanken. Zuvor hatte es bereits mit dem positiv ausgefallenen Chicago-Fed-Index und der Senken der Wachstumsprognose für Deutschland durch den Sachverständigenrat auf 0,3 von 0,8 Prozent Rückschläge für den Euro-Raum gegeben. Alle Daten sprächen klar für die amerikanischen Wirtschaft, hieß es. Der Euro fiel von mehr als 1,30 Dollar auf fast 1,2850 Dollar.

          Der Dax sank um 0,5 Prozent auf 7.871 Zähler, der marktbreite FAZ-Index gab 0,4 Prozent auf 1697 Zähler nach. Die Sorge über eine Beteiligung von Einlagen und Gläubigern bei künftigen Bankenrettungen setzte die Branchenwerte unter Druck. Aktien der Deutschen Bank gaben 3,2 Prozent nach, Commerzbank-Titel 1,7 Prozent.

          Konjunkturzykliker im Abseits

          „Zypern“ trat in den Hintergrund. Die Regierung hatte sich mit den Gläubigern auf ein Rettungspaket geeinigt. Kunden mit Sparguthaben von mehr als 100.000 Euro müssen heftige Verluste schultern. „Diesen Kompromiss hätte man auch schon letzte Woche aushandeln und so für weniger Unruhe sorgen können“, sagte Dirk Gojny von der National-Bank in Essen.

          Unter Druck gerieten auch konjunkturzyklische Aktien. BASF verloren 1,7 Prozent, Heidelbergcement 3,2 Prozent. Lanxess-Papiere nacheiner Gewinnwarnung des amerikanischen Konkurrenten Ashland 2,1 Prozent. Versorgerwerte wurden von einer negativen Studie von J.P. Morgan belastet. Eon und RWE fielen um je 2,3 Prozent.

          Gigaset stiegen um 6,4 Prozent. Der Telefonhersteller rechnet 2013 mit der Rückkehr in die Gewinnzone. Aixtron legten nach einer Kaufempfehlung von Exane BNP um 7,2 Prozent zu.

          Erleichterung über Zypern-Rettung stützt Wall Street nur kurz

          Die abgewendete Staatspleite Zyperns sorgt an der Wall Street zu Wochenbeginn nur kurz für Erleichterung. Für den Dow-Jones hatte es kurz nach der Startglocke noch zu einem neuen Allzeithoch bei 14.563,75 Punkten gereicht und auch der S&P-500 stieg knapp an sein Hoch aus dem Oktober 2007 bei 1.565 Punkten heran.

          Etwas gestützt wurde das Sentiment vom Chicago Fed National Activity Index. Dieser stieg im Februar überraschend auf plus 0,44 nach minus 0,49 im Januar. Vor allem die Subindikatoren aus der Produktion zogen kräftiger an. „Das könnte ein Vorbote für einen Anstieg der Industrieproduktion sein und damit Hoffnung für neue Arbeitsplätze geben“, sagt ein Händler.

          Für den Dow-Jones-Index geht es aber mittlerweile um 0,7 Prozent auf 14.408 Punkte nach unten, der S&P-500 zeigt sich mit einem Abschlag von 0,6 Prozent bei 1548 Punkten. Der Nasdaq Composite fällt um 0,6 Prozent. Die Befürchtung grassiert, die Heranziehung von Einlegern bei Bankenrettungen könnte einen Anstrum auf Einlagen auslösen.

          Auf der Unternehmensseite liefert Dell das Tagesthema, denn hier zeichnet sich ein Bieterwettbewerb ab. Die Aktie legt um knapp drei Prozent zu. Dem Rechnerkonzern liegen alternative Übernahmegebote von Blackstone und Großinvestor Carl Icahn vor. Ob diese dem Angebot von Firmengründer Michael Dell überlegen sind, wollte ein spezielles Gremium im Board von Dell nicht bestätigen.

          Die Papiere von Blackberry verzeichnen dagegen ein Minus von 2,9 Prozent. Die Einführung des Blackberry Z10 löste keinen Begeisterungssturm am Markt aus, wie dies bei Wettbewerbermodellen jüngst zu beobachten gewesen war. Die Aktien von Identix Pharmaceuticals brechen um mehr als 10 Prozent ein. Das Unternehmen unterlag in einem Patentstreit.

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