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Marktbericht : Deutsche Aktien weiter ohne einheitliche Richtung

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Dax hat am Donnerstag keine klare Richtung gefunden. Neue Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten bewegten die Kurse kaum. Aktien der Deutsche Telekom gehörten zu den Gewinnern.

          Der deutsche Aktienmarkt hat seine richtungslose Entwicklung der vergangenen Handelstage am Donnerstag fortgesetzt. Neue Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten bewegten die Kurse kaum. Es gebe aktuell einige Unsicherheitsfaktoren und dafür halte sich der Markt erstaunlich gut, sagte ein Börsianer. Noch völlig offen sei die Regierungsbildung in Deutschland trotz des klaren Wahlsiegs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Zudem verunsichere die wackelige politische Lage in Italien. Mit dem Haushaltskonflikt in Amerika stehe eine weitere Unbekannte in der Gleichung.

          Der Dax verlor 0,02 Prozent auf 8664,1 Punkte, während der M-Dax 0,3 Prozent auf 15.042,2 Punkte gewann. Der Tec-Dax stieg um 0,1 Prozent auf 1079,5 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index stand unverändert bei 1823 Punkten.

          Deutsche Telekom an der Index-Spitze

          Unter den Einzelwerten knüpften Deutsche-Bank-Papiere mit einem Rückgang von 0,6 Prozent an ihre Vortagesschwäche an. Auf einer Investorenveranstaltung hatte Co-Chef Anshu Jain die Anleger auf ein schwaches Quartalsergebnis vorbereitet. Hinzu kommt Börsianern zufolge das Thema Italien. Eine weitere Verschärfung könnte neue Turbulenzen bei italienischen Staatsanleihen auslösen. Das würde dann insbesondere die Banken belasten. Der Bankensektor war europaweit der schwächste.

          Adidas-Titel büßten ihre anfänglichen Gewinne ein und verloren letztlich 0,1 Prozent. Dabei scheint die Neuausrichtung der Problemtochter Reebok langsam Früchte zu tragen, was Händler leicht positiv werteten. Neue Bewegung könnte die anstehende Zahlenvorlage des amerikanischen Konkurrenten Nike bringen. Ihren positiven Trend setzen Papiere der Deutschen Telekom fort, die an der Indexspitze 2,3 Prozent gewannen. Bei 10,845 Euro erreichten die T-Aktien im Verlauf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

          Börsen Europas unentschieden

          Anteile an K+S verteuerten sich um 2,2 Prozent. In einem erbitterten Streit in der Kali-Branche hat Weißrussland die Untersuchungshaft gegen den Chef des russischen Bergbaukonzerns Uralkali in Hausarrest umgewandelt. Dies schürt einem Händler zufolge Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des russisch/weißrussischen Kali-Kartells und damit auf steigende Kalidüngerpreise. Tui-Aktien profitierten im M-Dax mit plus 1,7 Prozent von positiv aufgenommenen Zahlen der Tochter Tui Travel. Ein starkes Sommergeschäft hatte Europas größtem Reiseveranstalter die Kassen gefüllt. Der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall will mit einem Einstieg ins Öl-Geschäft neue Kunden für seine Rüstungssparte in Afrika, dem Nahen Osten oder Südamerika finden. Die Aktie gab 0,1 Prozent ab.

          Bei den Nebenwerten verloren Aktien der chinesischen Grohe-Tochter Joyou 1,9 Prozent. Der Badarmaturen-Hersteller Grohe wird vom japanischen Lixil-Konzern übernommen. Die anderen wichtigen Börsen in Europa tendierten bei relativ geringer Schwankungsbreite uneinheitlich. Der Euro Stoxx 50 schloss 0,1 Prozent tiefer bei 2923 Punkten. Der Leitindex in Paris fiel um 0,2 Prozent, während jener in London um 0,2 Prozent zulegte.

          Amerikanische Anleger in Wartestellung

          Die amerikanischen Börsen konnten sich von ihren jüngsten Verlusten etwas erholen, was Börsianer mit ermutigenden Konjunkturdaten erklärten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte lag zum europäischen Handelsschluss 0,2 Prozent höher. Die Technologiebörse Nasdaq stieg um 0,5 Prozent. In der weltgrößten Volkswirtschaft ist das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 2,5 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als zu Jahresbeginn. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ging in der vergangenen Woche zurück. Investoren blieben wegen des schwelenden Haushaltsstreits dennoch sehr nervös. Bis zum 1. Oktober müssen Demokraten und Republikaner im Kongress zunächst provisorisch dafür sorgen, dass den Vereinigten Staaten nicht das Geld ausgeht - sonst droht Staatsbediensteten der Zwangsurlaub. In einem zweiten Schritt muss die Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar angehoben werden, um die Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft abzuwenden. Die Analysten der Deutschen Bank äußerten sich zuversichtlich, dass schon bis Montag eine - zumindest vorübergehende - Lösung gefunden wird. „Wir rechnen unter keinen Umständen damit, dass das amerikanische Finanzministerium seinen Verpflichtungen nicht nachkommen wird.“ 

          Unter den Einzelwerten büßten Hertz mehr als 12 Prozent ein, nachdem der Autovermieter seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr gesenkt hat. J.C. Penney schnellen nach frühen Verlusten um 8 Prozent nach oben. Auslöser der Freude waren Aussagen von Konzernchef Myron Ullman, der laut CNBC gesagt hat, dass im laufenden Jahr wohl keine Kapitalerhöhung nötig sei. Facebook verteuerten sich in der Spitze um 2 Prozent auf ein Rekordhoch von 50,49 Euro.

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