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Marktbericht : Deutsche Aktien etwas fester

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

In Erwartung neuer Hinweise zur amerikanischen Geldpolitik sind Aktien-Investoren vorsichtig geblieben. Die Notenbank will sich am Mittwoch äußern, wie sie die konjunkturelle Lage einschätzt.

          Analysten erhoffen sich Hinweise darauf, ob die Notenbank angesichts zuletzt recht zuversichtlich stimmender Daten ihre Hilfen zurückfahren und absehbar weniger Anleihen aufkaufen wird. Derartige Spekulationen erhielten am Nachmittag allerdings einen Dämpfer, weil das amerikanische Verbrauchervertrauen unerwartet stark zurückging. Analysten erklärten den Rutsch mit höheren Abgaben, die seit Januar greifen.

          Analysten weiter zuversichtlich

          Der Dax ging 0,2 Prozent höher aus dem Handel bei 7848 Zählern. Der marktbreite FAZ-Index gewann etwas weniger stark auf 1690 Zähler. Der Stillstand am Aktienmarkt wird nach Einschätzung von Analysten kurz sein. „Angesichts einer der längsten Rallies seit Jahren sind die Märkte inzwischen überkauft, so dass die Zeit reif ist für eine Konsolidierung“, sagte Analyst Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis Global Markets. „Das wird aber wohl nicht dramatisch, denn ein Haufen Geld wartet nur darauf, investiert zu werden.“ Die Zurückhaltung der Anleger spiegelte sich auch im europäischen Volatilitätsindex wider, er schloss so niedrig wie seit Ende Februar 2007 nicht mehr.

          Trotz der generellen Zurückhaltung gab es auch Ausreißer am Aktienmarkt: So brach der Kurs der Software AG ein, nachdem das Unternehmen schwächere Ergebnisse vorgelegt hatte als erwartet. Der Kurs fiel um 17 Prozent. Auch Bayer standen auf der Verliererliste: Eine Herunterstufung von Barclays und die Diskussionen um die Thrombose-Gefahr von Antibaby-Pillen drückten den Kurs um 2,8 Prozent. Infineon folgten mit einem Abschlag von 2,5 Prozent. Der Konzern legt am Donnerstag Zahlen vor, denen Anleger mit einer gewissen Skepsis entgegenschauen.

          Bankenaktien schwächer

          Positiv fielen ThyssenKrupp auf mit einem Plus von 2,7 Prozent. Händler sprachen von neuen Hoffnungen auf einen baldigen Verkauf des defizitären Amerika-Geschäfts. Genährt wurden die Spekulationen von einem Medienbericht, wonach der potentielle Käufer - die brasilianische CSN - auf einen Milliarden-Kredit zur Finanzierung hoffen könne.

          Unter den europäischen Werten fielen die Titel der Royal Bank of Scotland mit einem Minus von sechs Prozent auf. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge stehen die Verhandlungen der Bank mit britischen und amerikanischen Behörden wegen der von ihren Händlern falsch übermittelten Libor-Sätze kurz vor einem Abschluss. Auch gesenkte Anlageempfehlungen von Goldman Sachs und der Espirito Santo Investment Bank drückten Börsianern zufolge den Kurs.

          Auch um französische Banken machten Anleger einen Bogen. Aus Furcht vor schwachen Geschäftszahlen trennten sie sich von BNP Paribas, Credit Agricole und Societe Generale (SocGen), die in Folge zwischen 1,4 und 2,7 Prozent nachgaben. Damit zählten sie zu den schwächsten Werten im europäischen Branchenindex.

          Unternehmensdaten treiben Wall Street an

          Die solide Ertragslage und Zuversicht einiger großer amerikanischen Unternehmen tröstet die Anleger an der Wall Street über schwächere Konjunkturdaten hinweg. Pfizer, Eli Lilly, Valero Energy und Yahoo haben im zurückliegenden Quartal besser abgeschnitten als erwartet. Da fällt es nicht so sehr ins Gewicht, dass die Stimmung der Verbraucher im Januar überraschend auf den tiefsten Stand seit November 2011 gesunken ist. Volkswirte hatten nur eine leichte Eintrübung erwartet. Der Dow-Jones-Index steigt um 0,4 Prozent. Der S&P-500 gewinnt 0,3 Prozent. Der Nasdaq Composite notiert kaum verändert.

          Pfizer gewinnen 2,5 Prozent. Der Pharmakonzern hat mit seinen Geschäftszahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Eli Lilly hat einen ähnlichen Ertragstrend verzeichnet; die Aktie gewinnt 3,1 Prozent.

          Der Kurs von Valero Energy springt in Reaktion auf die guten Quartalszahlen um fast 9 Prozent nach oben. Gleich eine ganze Schüssel voll positiver Überraschungen hat Tupperware vor den Anlegern ausgeschüttet. Viertquartalsergebnis und Ausblick übertrafen die Erwartungen. Die Aktionäre dürfen sich ferner über eine Dividendenerhöhung um 72 Prozent und einen umfangreicheren Aktienrückkauf freuen. Belohnt wird das mit einem Kursplus von 4,7 Prozent.

          Ford mit schwachem Europageschäft

          Ford erzielte den höchsten Vorsteuergewinn seit mehr als zehn Jahren. Vor allem Lkws und SUVs bringen gute Gewinne. Der Autohersteller rechnet aber in Europa mit noch höheren Verlusten als bisher. Ford erwartet nun ein Minus von 2 Milliarden Dollar. Allein für das vierte Quartal wies das Unternehmen in Europa jetzt einen Verlust von 732 Millionen Dollar aus. Die Aktie verbilligt sich um 5,7 Prozent.

          Eine Reihe von Enttäuschungen kommt aus dem Technologiesektor. Dort büßen unter anderem die Aktien von Kulicke & Soffa fast 10 Prozent ein. Der Chip- und LED-Hersteller hat in seinem ersten Geschäftsquartal nicht nur einen Gewinneinbruch um über 50 Prozent gemeldet, sondern auch einen enttäuschenden Ausblick gegeben. Schwache Ausblicke drücken die Kurse von VMWare und Seagate um 20 Prozent und 9 Prozent.

          Die schlechte Stimmung greift auch auf Yahoo über. Das Internetunternehmen hat am Montag nach Börsenschluss Geschäftszahlen vorgelegt, die zunächst positiv aufgenommen wurden und die Aktie auf ein Tageshoch von 20,88 Dollar trieben. Inzwischen scheint aber Ernüchterung eingekehrt. Der Yahoo-Kurs fällt um 2,3 Prozent. Aktien des Internethändlers Amazon, der seine Zahlen am Dienstag nach Börsenschluss vorlegen wird, werden ebenfalls verkauft und verlieren 1,8 Prozent.

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