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Marktbericht : Dax verliert kräftig wegen Sorgen um Schwellenländer

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Währungen der Schwellenländer standen am Freitag unter Druck. Der Dax verlor rund 2,5 Prozent. Auch an der Wall Street mussten Anleger Verluste hinnehmen.

          3 Min.

          Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag angesichts von Sorgen um Schwellenländer deutliche Verluste eingefahren. Zu den Befürchtungen um einen Währungsverfall in Lateinamerika und der Türkei kam laut Händlern auch eine Gegenreaktion auf den schnellen Kursanstieg der jüngsten Zeit hinzu. Erst am Dienstag hatte der Dax ein Rekordhoch markiert. Am Freitag rutschte der deutsche Leitindex um 2,5 Prozent auf 9392 Punkte ab - einen stärkeren Tagesverlust hatte er zuletzt Mitte Juni erleiden müssen. Auch auf Wochensicht stand ein kräftiges Minus von 3,6 Prozent unter dem Strich, der höchste Wochenverlust seit Ende August. Der FAZ-Index, der auch Werte kleiner Unternehmen umfasst, büßte 2,4 Prozent ein.

          Turbulenzen an den Finanzplätzen der Schwellenländer sorgten auch bei anderen großen Aktienindizes für Nervosität und in der Folge für Gewinnmitnahmen, sagte Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Die überschüssige billige Liquidität in den Finanzmärkten werde dann oft schnell abgezogen. Viele Händler blieben aber auch gelassen und machten eine Gegenreaktion zum jüngst rasanten Anstieg am deutschen Aktienmarkt aus. Es fehlten derzeit einfach die Käufer, sagte Händler Markus Huber vom Londoner Broker Peregrine & Black. Die allgemeine Stimmung habe sich ausgehend von einer sehr positiven Haltung in den vergangenen Tagen nun normalisiert.

          Tagesthema bei den Einzelwerten war erneut Celesio. Die Aktien verteuerten sich an der MDax-Spitze um 3,73 Prozent auf 24,905 Euro und waren damit einer der seltenen Tagesgewinner. Wie am Vortag bereits spekuliert, ist der US-amerikanische Konkurrent McKesson im zweiten Anlauf mit seinem Übernahmeversuch so gut wie am Ziel. Jetzt wird an den Börsen wie bei anderen Übernahmen in der Vergangenheit auf eine höhere Abfindung als das aktuelle Angebot spekuliert, hieß es. Adidas-Aktien rutschten dagegen mit minus 5,46 Prozent ans Dax-Ende. Händler verwiesen auf Aussagen von Analysten, wonach der Sportartikelhersteller weiter von einem starken Euro belastet werden könnte.

          Lufthansa-Titel sackten um 3,46 Prozent ab. Im Leitindex gab es ohnehin nur Verlierer. Verhältnismäßig gut lagen noch Lanxess mit 0,19 Prozent minus - sie standen bereits in den vergangenen Tagen stark unter Druck. Ebenfalls in der Gruppe mit den geringsten Verlusten befanden sich die eher defensiven Papiere von Fresenius Medical Care mit 0,94 Prozent sowie die Aktien der Mutter Fresenius mit minus 1,31 Prozent. Conti-Papiere konnten ihre anfänglichen Gewinne infolge zuversichtlicher Aussagen des französischen Wettbewerbers Michelin zum Reifenmarkt nicht halten - sie gaben am Ende 1,76 Prozent ab.

          Auch an den internationalen Börsen ging es nach unten: Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone verlor 2,85 Prozent auf 3028,20 Punkte. In Paris betrug das Minus 2,8 Prozent, der Londoner Leitindex gab 1,6 Prozent ab. Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,40 (Vortag: 1,48) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,41 Prozent auf 133,81 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,22 Prozent auf 142,66 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3687 (1,3639) Dollar. Der Dollar kostete 0,7306 (0,7332) Euro.

          Sorgen um Schwellenländer bringen Wall Street Verluste ein

          Die Unruhe an den Finanzmärkten der Schwellenländer hat auch die amerikanischen Börsen belastet. Der Dow Jones Industrial setzte die Korrektur der vergangenen Tage fort und fiel um 1,1 Prozent auf 16.022,6 Punkte. Für den breiter gefassten S&P 500 Index ging es um 0,9 Prozent auf 1828,5 Punkte nach unten, und der Nasdaq 100 sank um 1,3 Prozent auf 3567,3 Punkte. Ob der amerikanische Aktienmarkt dauerhaft unter Druck gerät, wird von Börsianern bezweifelt. Analyst Christian Henke vom Broker IG sprach mit Blick auf den S&P 500 von einer trendlosen Marktphase. Aus charttechnischer Sicht sei der Index von einer Umkehr in einen negativen Trend aber noch weit entfernt.

          Auf Unternehmensseite stand weiterhin die Berichtssaison im Fokus. Die Aktien des Softwarekonzerns Microsoft sowie des Konsumgüterriesen Procter & Gamble zählten mit plus 1,5 Prozent sowie einem Aufschlag von 3,4 Prozent zu den wenigen gefragten Werten im Dow Jones. Die beiden Konzerne hatten die Anleger mit ihren Geschäftsberichten positiv überrascht. Auch die Kaffeehaus-Kette Starbucks überzeugte die Investoren mit ihren Zahlen. Starbucks zogen um 3,2 Prozent an.

          Keinen Grund zur Freude hatten die Aktionäre von Xerox. Der Druckerhersteller verfehlte im Schlussquartal die Markterwartungen. Der Kurs knickte um 2,4 Prozent ein. Abseits der Berichtssaison sorgte der Pharmagroßhändler McKesson für Gesprächsstoff. Wenige Tage nach dem gescheiterten Versuch, den Stuttgarter Konkurrenten Celesio zu kaufen, sind die Amerikaner jetzt so gut wie am Ziel. Sie legten am Donnerstagabend eine neue Offerte für Celesio vor. Anders als beim ersten Gebot haben sie sich dieses Mal aber bereits knapp 76 Prozent der Anteile gesichert. Der Kauf soll nun schnell über die Bühne gehen. Die McKesson-Papiere gewannen rund ein Prozent.

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