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Marktbericht : Dax legt nach starken Daten aus Amerika zu

  • Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Die deutschen Aktien standen am Donnerstag im Windschatten guter amerikanischer Arbeitsmarktdaten. Für die Aktie von Twitter war es allerdings kein guter Handelstag.

          3 Min.

          Der Dax hat am Donnerstag in einem sehr nervösen Handelsumfeld doch noch kräftige Gewinne verzeichnet. Die Aufwärtsimpulse kamen verstärkt mit überraschend guten amerikanischen Arbeitsmarktdaten in den Markt. Mit einem Plus von 1,5 Prozent auf 9256,6 Punkten ging der deutsche Leitindex aus dem Tag, nachdem sein Tagestief nach Aussagen aus der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) bei rund 9129 Punkten gelegen hatte. Der FAZ-Index, der auch die Werte kleinerer Unternehmen umfasst, stieg um 1,6 Prozent auf 1948,1 Punkte.

          Kräftigen Wirbel gab es zeitweise am Terminmarkt, wo es zur Bekanntgabe der EZB-Zinseinscheidung zu einem „Flash-Crash“, einem kräftigen Einbruch beim sogenannten Dax-Future, kam. Wie sich rasch herausstellte, war höchstwahrscheinlich menschliches Versagen der Grund.

          Im Vergleich zur Vorwoche waren in den Vereinigten Staaten die Anträge auf Arbeitslosenhilfe deutlich gefallen. Zudem legte die Produktivität in Amerika im Winter überraschend zu. Vor diesen Daten hatten die Börsen in Europa unter schwindenden Hoffnungen auf weitere Stützmaßnahmen der Eurozone durch die EZB gelitten und ihre frühen Gewinne größtenteils abgegeben. Auslöser war, dass EZB-Präsident Mario Draghi gesagt hatte, er sehe keine Deflation, auch wenn die Inflation gering sei.

          Nervöse Grundstimmung

          An der Terminbörse Eurex hatte laut Analyst Jens Klatt von Daily FX ein nervöser Händler wohl die ein oder andere Null zu viel an einer Verkaufsorder eingegeben. Vielleicht sei aber auch eine Handelssoftware falsch programmiert worden. „Egal was es war, da wurde heute viel Geld verloren“, resümiert er und sieht darin zugleich einen Spiegel für die aktuell äußerst nervöse Grundstimmung an den Märkten.

          Auf Unternehmensseite stand der Autobauer Daimler mit seiner Jahresbilanz im Fokus. Die Stuttgarter übertrafen 2013 ihre selbstgesteckten Ziele beim Ergebnis und hoben die Dividende moderat an. Die Aktien gewannen 2,6 Prozent.

          Noch besser schnitten die Anteilsscheine von K+S ab mit plus 5,5 Prozent. Preiserhöhungen für Kalidünger in diesem zuletzt sehr schwierigen Markt gaben Auftrieb.

          Gerüchte um baldiges Angebot für T-Mobile US bewegen T-Aktie

          Die T-Aktie zog um 1,9 Prozent an. Der amerikanische Mobilfunker Sprint und seine japanische Konzernmutter Softbank wollen Kreisen zufolge in den nächsten Wochen über eine Übernahmeofferte für die Telekom-Tochter T-Mobile US entscheiden. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eingeweihte Personen. Die Papiere von Heidelberg Cement legten nach einem optimistischen Ausblick auf das laufende Jahr um 0,7 Prozent zu.

          Im M-Dax zogen vor allem die Papiere von Sky Deutschland nach Zahlen die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich und stiegen um 8,6 Prozent. Der Bezahlsender verdiente 2013 wie geplant zum ersten Mal operativ Geld und will im laufenden Jahr die Marke von 4 Millionen Abonnenten knacken.

          Europaweite Rally

          Europaweit setzten die wichtigsten Börsen am Nachmittag zur Rally an. Der Euro Stoxx 50 schloss mit einem Plus von 1,6 Prozent bei 3010,8 Punkten und auch die wichtigsten Indizes in Paris und London legten kräftig zu.

          Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,34 (Vortag: 1,31) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,13 Prozent auf 134,43 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,49 Prozent auf 143,36 Punkte. Der Euro, der nach der EZB-Zinsentscheidung unter die Marke von 1,35 Dollar gefallen war, legte bis zum Abend auf 1,3602 Dollar zu. Die EZB hatte den Referenzkurs auf 1,3495 (Mittwoch: 1,3543) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7410 (0,7384) Euro.

          Arbeitsmarktdaten treiben Wall Street an

          Überraschend gute Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt haben die New Yorker Börsen am Donnerstag gestützt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte rückte um 0,9 Prozent auf 15.584,5 Punkte vor. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 1751,6 Zähler, der Nasdaq-Composite stieg um 1,1 Prozent auf 4056,7 Punkte. Für Erleichterung sorgte, dass die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche um 20.000 auf 331.000 zurückgegangen sind - Analysten hatten mit 335.000 Anträgen gerechnet. Die Furcht vor einem Konjunkturrücksetzer in den Vereinigten Staaten und den Schwellenländern hatte die Wall Street zuletzt ins Minus gedrückt.

          Keinen guten Tag erwischte des Kurznachrichtendienstes Twitter. Das Unternehmen erschreckte Börsianer mit einem mäßigen Kundenwachstum - die Aktien rutschten um mehr als 20 Prozent ab. Im Schlussquartal 2013 stieg die Zahl der Nutzer trotz massiver Werbeausgaben lediglich um knapp 4 Prozent auf 241 Millionen. Facebook - nur zwei Jahre älter als Twitter - kommt dagegen inzwischen auf 1,23 Milliarden. Deutlich nach oben ging es für die Titel des amerikanischen Rösters Green Mountain Coffee Roasters mit einem Plus von rund 30 Prozent. Coca-Cola hat einen Anteil von 10 Prozent an dem Unternehmen gekauft. Bei Walt Disney stießen die Quartalszahlen auf Wohlgefallen. Ein höherer Gewinn verhalf den Aktien zu einem Plus von mehr als 5 Prozent.

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