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Marktbericht : Dauerpatient Commerzbank

  • Aktualisiert am

Der Umbau findet nicht mehr vor, sondern in der Commerzbank statt Bild: Irl, Maria

Immer weiter abwärts geht es mit dem Kurs der Commerzbank-Aktie. Stieß Anlegern zunächst die Kapitalerhöhung sauer auf, so ist es jetzt eine schlechtere Einschätzung ihrer Bonität.

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          Auch am Mittwoch trennen sich die Anleger von den Aktien der Commerzbank, immerhin Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus. Dabei hat sich der Kurs auf dem Papier am Morgen verzehnfacht. Indes ist dabei auch die Aktienzahl auf ein Zehntel gesunken. Damit vollzog die Bank die bei der Hauptversammlung am vergangenen Freitag beschlossene Zusammenlegung von Aktien im Verhältnis 10 zu 1.

          Diese Kurskosmetik hat die Aktie auch nötig, denn mit dem Abschlag von 3,5 Prozent am Mittwoch summieren sich die Kursverluste seit Jahresanfang auf fast 40 Prozent und es drohte der Fall in den Cent-Bereich.

          Dauerpatient Commerzbank

          Anlass der Kursverluste vom Mittwoch ist diesmal eine Herabstufung der Bonitätsnote des Hauses durch die Ratingagentur Moody’s, und zwar um eine Stufe auf „Baa1“. Auch wenn die Kapitalausstattung der Commerzbank einen gewissen Puffer gegen Verluste in einem leicht ungünstigen Szenario biete, sei sie durch ihre schwache Ergebnissituation dennoch gewissen Risiken ausgesetzt - beispielsweise im Falle neuerlicher Rückschläge im Zuge der Euro-Schuldenkrise.

          In den ersten drei Monaten des Jahres machte die Bank nach Steuern Verluste, Finanzvorstand Stephan Engels kündigte wegen der Kosten für den Stellenabbau ein weiteres schwieriges Jahr an, ohne einen Verlust auch für das Gesamtjahr auszuschließen. Für eine Bank ist die derzeitige Bonitätseinschätzung allenfalls mittelmäßig und kann tendenziell die Refinanzierung verteuern und damit auf die Margen drücken.

          Schwache Berichtssaison

          Insgesamt trotzten die deutschen Aktien dagegen am Mittwoch einem schwachen Ifo-Geschäftsklimaindex. Der Dax legte 1,3 Prozent auf 7759 Punkte zu, der marktbreite FAZ-Index 1,2 Prozent auf 1668 Zähler. Ursächlich sind die schon am Vortag kursierenden Zinssenkungsfantasien, die aus Sicht von Dirk Gojny, Analyst bei der National-Bank, nun mit der verschlechterten Stimmung in der deutschen Industrie noch mehr Nahrung erhalten.

          Für Gesprächsstoff sorgten die Autobauer. Daimler hat nach einem neuerlichen Gewinnrückgang abermals seine Gewinnprognose zurückgenommen. Auch VW hat ein schlechteres Quartal hinter sich, bestätigte allerdings die Prognose. Entsprechend fiel die Kursreaktion aus. Daimler gaben 0,8 Prozent nach, VW legten 2,6 Prozent zu.

          Unter Druck stand einmal mehr der Kurs von Wincor Nixdorf, der  um 3,6 Prozent fiel. Der operative Gewinn des Geldautomaten- und Kassensystem-Herstellers fiel niedriger aus als erwartet. Und auch der Kurs des Getränkeabfüllanlagen-Herstellers Krones fiel um rund fünf Prozent. Die Geschäftszahlen und der Ausblick fielen wie erwartet aus – das reichte den Anlegern nicht. Sorge bereitet der Minicomputer-Hersteller Kontron, der nicht aus den roten Zahlen zu kommen scheint. Um mehr als sechs Prozent gab der Kurs nach.

          Orderdaten und Quartalsbilanzen dämpfen Stimmung an Wall Street

          Wenig verändert zeigen sich die Aktienkurse am Mittwoch an der Wall Street. Schwache Daten zu den Auftragseingängen bei langlebigen Gütern haben Zweifel an der Erholung der Wirtschaft geweckt. Zudem hat eine ganze Reihe bedeutender Unternehmen Quartalsberichte veröffentlicht, die Licht und Schatten aufwiesen und deshalb keine eindeutige Trendaussage zulassen. Der Dow-Jones-Index verliert 0,2 Prozent auf 14.692 Punkte. Der S&P-500 notiert unverändert bei 1579 Zählern. Der Nasdaq Composite gibt 0,25 Prozent nach.

          Das größte Interesse gilt wohl den Geschäftszahlen von Apple. Das Unternehmen hat am Dienstag nach Börsenschluss den ersten Gewinnrückgang seit zehn Jahren gemeldet. Allerdings war der Umsatz etwas höher als erwartet. Apple kündigte ferner an, den Aktienrückkauf auszuweiten und die Dividende zu erhöhen. Anleger tun sich offenbar schwer damit, die Zahlen und Aussagen des Unternehmens einzuordnen. Die Apple-Aktie verhält sich volatil und liegt aktuell 1,35 Prozent im Minus.

          Überwiegend schwächere Ergebnisse

          Am Mittwoch haben weitere Schwergewichte Zahlen ausgewiesen: Ford Motor, Procter & Gamble, Sprint Nextel sowie Boeing. Das Gesamtbild ist durchwachsen. Bei Ford hat der boomende nordamerikanische Automarkt abermals das desolate Europa-Geschäft mehr als ausgeglichen. Gleichwohl gibt die Aktie um 0,8 Prozent nach. Der Kurs der Sprint-Nextel-Aktie sinkt um 0,4 Prozent. Der Verlust fiel weniger schlimm aus als befürchtet, doch der Konzern verliert weiter Kunden.

          Procter & Gamble geben deutlich um 4,7 Prozent nach. Die Sparte Schönheitsprodukte scheint sich nicht so bald zu erholen. Boeing klettern um 3,4 Prozent. Niedrigere Kosten haben den Gewinn des Konzerns um 20 Prozent erhöht. Neben Apple haben am Dienstag nach Börsenschluss noch Amgen und AT&T über den Geschäftsverlauf im zurückliegenden Quartal berichtet. Bei beiden Unternehmen enttäuschte der Umsatz. Amgen verlieren 6 Prozent und AT&T 5,8 Prozent. Die Citigroup hat unterdessen ihre Kaufempfehlung für AT&T zurückgenommen.

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