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Marktbericht : Börsianer setzen auf weitere Notenbankhilfen

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach schwachen Konjunkturdaten aus China und Deutschland spekulieren Aktienanleger jetzt auf eine Zinssenkung der EZB.

          3 Min.

          Die europäischen Aktienmärkte sind am Dienstag kräftig ins Plus gedreht. Nach Verlusten am Morgen wiesen die meisten Indizes am Nachmittag Anstiege um mehr als 2 Prozent auf. Am Morgen waren die Einkaufsmanagerindizes in China und später in Deutschland enttäuschend ausgefallen. Der Index für das verarbeitende Gewerbe in China fiel überraschend deutlich auf 50,5 Punkte und lag damit nur noch knapp oberhalb der Marke von 50 Punkten.

          Oberhalb von 50 Punkten signalisieren die Einkaufsmanagerindizes Wachstum. Entsprechend negativ fielen die Kommentare aus, als die Werte für Deutschland mit 49,2 für den Dienstleistungssektor und 47,9 für das verarbeitende Gewerbe vom Londoner Markit-Institut jeweils unter 50 Punkten festgestellt wurden.

          Es rette uns die EZB!

          Im Tagesverlauf setzte sich unter den Marktteilnehmern jedoch die Haltung durch, dass die schwachen Wirtschaftsaussichten die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am Donnerstag nächster Woche zu abermaligen stimulierenden Maßnahmen animieren könnten. Es mehrten sich die Stimmen, die mit einer Zinssenkung von derzeit 0,75 Prozent auf 0,5 Prozent rechnen. Auch die Erwartungen an eine expansivere Geldpolitik in China wurden laut.

          Auch meinten einige Marktteilnehmer, aus den Einkaufsmanagerindizes positives für die europäische Peripherie herauslesen zu können. Der Index für den gesamten Euroraum blieb auf 46,5 Punkten stabil. Da der Wert für die wichtigste Volkswirtschaft Deutschland jedoch deutlich gesunken und für Frankreich als zweitwichtigster Volkswirtschaft konstant geblieben sei, müssten es in anderen Ländern eine positive Entwicklung gegeben haben.

          Es muss einfach gut sein

          Am Anleihemarkt jedenfalls waren Staatstitel aus Italien und Spanien weiterhin gesucht. Die Rendite italienischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit fiel zum ersten Mal seit Herbst 2010 auf weniger als 4 Prozent. Entsprechende spanische Papiere rentierten mit 4,25 Prozent ebenfalls auf dem niedrigsten Stand seit Herbst 2010. Bei der Emission spanischer Papiere mit drei Monaten Laufzeit wurde am Dienstag mit 0,12 Prozent die niedrigste Rendite seit vier Jahren fällig.

          In Italien verwiesen Marktteilnehmer neben der Hoffnung auf eine baldige Regierungsbildung auf das Verbrauchervertrauen, das am Dienstag auf dem höchsten Stand seit neun Monaten festgestellt wurde. Bundesanleihen verloren leicht an Wert, rentierten mit 1,25 Prozent aber auch nur knapp höher als zu ihrem Rekordtief von weniger als 1,2 Prozent aus dem Sommer 2012. Der Euro reagierte auf die Zinssenkungsspekulationen mit leichten Verlusten. auf 1,3009 Dollar. Das war ein halber Cent weniger als am Montagabend.

          An den Aktienmärkten stiegen vor allem Bankaktien im Wert. Sie würden von einer Zinssenkung am ehesten profitieren. Im Euro Stoxx 50, der 3 Prozent höher mit 2662 Punkten schloss, lagen Société Générale und Banco Santander mit Kursanstiegen um mehr als 5 Prozent in der Spitzengruppe. In Frankfurt gewannen Dax und F.A.Z.-Index 2,5 bzw. 2,2 Prozent auf 7658 und 1649 Punkte. Beide Indizes entfernten sich damit wieder etwas von ihrem 200-Tage-Durchschnittswert, dem sie nach den Verlusten der Vorwoche sehr nahe gekommen waren. Ein Unterschreiten des Durchschnittswertes wäre aus Sicht technischer Analysten ein schlechtes Zeichen.

          Unternehmensbilanzen heben die Stimmung an Wall Street

          An den amerikanischen Aktienmärkten herrscht am Dienstag gute Stimmung, nachdem einige bedeutende Unternehmen überzeugende Geschäftszahlen vorgelegt haben. Neue Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt liegen zwar leicht unter den Erwartungen, sind aber nicht schlecht genug, um die Investoren zu beunruhigen. Der Dow-Jones-Index steigt um 1,0 Prozent auf 14.707 Punkte. Der S&P-500 legt um 1,0 Prozent zu. Der Nasdaq Composite gewinnt 1,2 Prozent.

          An der Wall Street sind die Aktien des Versicherers Travelers und des Chemiekonzerns DuPont gesucht. DuPont hat den Gewinn im ersten Quartal mehr als verdoppelt, während Travelers ein Rekordergebnis auswies. Der Travelers-Kurs steigt um 2,6 Prozent, die DuPont-Aktie legt um 2,9 Prozent zu. Angeführt wird der Dow aber von der Aktie der Bank of America, die nach einer Kaufempfehlung von Morgan Stanley um 3,2 Prozent vorrückt.

          An der Technologiebörse Nasdaq prescht die Netflix-Aktie um fast 23 Prozent vor, nachdem die Quartalszahlen des Unternehmens positiv überrascht haben. Texas Instruments gewinnen nach Vorlage von Geschäftszahlen 3,3 Prozent. Optimistische Erwartungen treiben den Kurs von Apple um 1,6 Prozent nach oben. Das Unternehmen wird nach Börsenschluss die Zahlen zu seinem zweiten Geschäftsquartal veröffentlichen.

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