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Marktbericht : Anleger verlieren zum Wochenauftakt die Nerven, Dax auf Talfahrt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Sorgen um Griechenland wachsen und Leerverkaufsverbote in Italien sowie Spanien lassen die Kurse in den Keller gehen. Der Dax büßt zum Wochenauftakt zeitweise über 3,5 Prozent ein. Besonders Finanztitel verlieren. Der Euro notierte auf dem tiefsten Stand seit Juni 2010.

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          Deutschlands Börsianer mussten zum Wochenauftakt mit herben Verlusten zurechtkommen. Erneute Sorgen um einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone und ein Leerverkaufsverbot der spanischen und italienischen Börsenaufsicht sorgten am Nachmittag für einen Ausverkauf im Dax. In der Spitze verlor der deutsche Leitindex über 3,6 Prozent. Am Ende stand ein Minus von 3,2 Prozent bei 6419,32 Zählern zu Buche. Der M-Dax gab hingegen 3,5 Prozent auf 10.426,54 Punkte ab, der Tec-Dax verlor 3,0 Prozent auf 745,26 Zähler, während der FAZ-Indexüber 3,1 Prozent auf 1392 Punkte abgab.

          Die Schuldenkrise ist zum Wochenauftakt mit voller Wucht zurückgekehrt. Schon am Vormittag rückte diese mit Berichten in den Fokus , wonach sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die deutsche Regierung Athen keine weiteren Kredite zur Verfügung stellen wollen, wieder in den Fokus. Auf die Stimmung drückte auch noch die Warnung eines Mitglieds der chinesischen Zentralbank vor einem nachlassenden Wirtschaftswachstum. Am europäischen Anleihemarkt spitzte sich anschließend die Lage dramatisch zu. Für den großen Paukenschlag sorgten dann aber am späten Mittag die neuesten Nachrichten aus Südeuropa:

          Angesichts der von neuen spanischen Hiobsbotschaften ausgelösten Turbulenzen an den Finanzmärkten hatten Madrid und Rom Leerverkäufe verboten. Dies sei angesichts der Volatilität an den europäischen Märkten beschlossen worden und solle für drei Monate gelten, teilte die spanische Börsenaufsicht am Montag mit. In Italien untersagte die Börsenaufsicht Leerverkäufe von Aktien, nachdem der Leitindex FTSE-MIB an der Mailänder Börse am Morgen vorübergehend um mehr als fünf Prozent abgestürzt war.

          Euro auf tiefsten Stand seit Juni 2010

          Einer der großen Verlierer dieses ersten Handelstages der neuen Börsenwoche war der Euro. Die Gemeinschaftswährung rutschte zeitweise unter 1,21 US-Dollar auf einen Tiefstand seit Juni 2010. Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Landesbank Bremen sagte zu den zeitweiligen Verboten: „Fakt ist, dass aggressive Spekulationen die Märkte immer wieder stark unter Druck bringen.“ Doch allgemein sieht er, wie auch sein Kollege Frank Geilfuß vom Bankhaus Löbbecke & Co die Talfahrt in der wieder heftig aufgeflammten Eurokrise begründet. Die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone habe sich „dramatisch zugespitzt“, sagte Hellmeyer und setzte daher die Börsenampel auf rot. „Nachdem wir Anfang des Jahres noch von einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent ausgegangen waren, dass die Eurozone auseinander brechen könnte, sehen wir sie aktuell bei 40 Prozent.“ Stark besorgt ist er vor allem wegen Spanien, da dort eine extreme Ausdörrung der Investitionstätigkeit zu beobachten sei.

          Nach dem Leerverkaufsverbot konnten sich italienische Bankaktien und der spanische Leitindex am Montagnachmittag von ihren herben Verlusten wieder teilweise erholen. Der italienische Bankenindex beendete den Handel 0,7 Prozent im Minus, nachdem er zuvor bis zu 7,8 Prozent eingebüßt hatte, die Mailänder Börse büßte derweil 2,5 Prozent ein. Der spanische Leitindex Ibex machte dagegen sein Minus von bis zu 5,5 Prozent größtenteils wieder wett und schloss 0,7 niedriger bei 6202 Zählern.

          Finanzwerte stark unter Druck

          Unter den Meldungen zur Schuldenkrise litten die Finanzwerte europaweit. Die Titel der Deutschen Bank wurden zusätzlich von einem Bericht belastet und fielen um 4,56 Prozent. Dem „Handelsblatt“ zufolge wird der Libor-Skandal die Bilanz der Deutschen Bank mit Rückstellungen von bis zu einer Milliarde Dollar belasten. Für die Commerzbank-Aktien ging es am Dax-Ende ebenfalls um 6,13 Prozent bergab und Allianz-Papiere verloren 4,96 Prozent.

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