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Marktbericht : Heiße Woche im Dax erwartet

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Berichtssaison ist auf dem Höhepunkt. Die Hälfte aller Dax-Konzerne wird in den kommenden fünf Handelstagen berichten. Die Straßenschlachten in der Ukraine drücken aber die Kurse

          Die Furcht vor einer weiteren Verschärfung der Ukraine-Krise hat die Kurse am deutschen Aktienmarkt gedrückt. Der Dax verlor am Montag 0,3 Prozent auf 9530 Zähler. Der mit 100 Werten deutlich marktbreitere F.A.Z.-Index schloss 0,5 Prozent niedriger bei 1978 Zählern. Die ukrainische Regierung macht Russland für die Kämpfe mit über 40 Toten in Odessa verantwortlich. Schon am Freitag hatte die sich zuspitzende Krise die Stimmung an den Märkten gedämpft.

          Auch die jüngsten Konjunkturdaten aus China sorgten nicht gerade für Freudensprünge: Der Einkaufsmanager-Index von Markit und HSBC für die chinesische Industrie belief sich im April auf 48,1 Zähler. Damit liegt er weiter unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

          Positive amerikanische Konjunkturdaten für April konnten die Stimmung nicht nachhaltig heben. Das Institute for Supply Management (ISM) berichtete eine überraschend deutliche Stimmungsaufhellung im Dienstleistungssektor, und das Marktforschungsinstitut Markit teilte mit, dass sich die Stimmung im amerikanischen Servicesektor weniger als erwartet verschlechtert hatte.

          Die Wall Street zeigt sich verhalten.  Der Dow Jones steht unverändert bei 16.513 Punkten, S&P 500 und Nasdaq Composite nur wenige Punkte höher.

          Dem deutschen Aktienmarkt steht generell eine heiße Woche bevor. Die Berichtssaison ist auf dem Höhepunkt: Die Hälfte aller Dax-Konzerne wird in den kommenden fünf Handelstagen über das abgelaufene Quartal berichten und darüber hinaus noch zahlreiche Unternehmen aus dem M-Dax, Tec-Dax und S-Dax. Zudem werden die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Leitzinsen sowie begleitende Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi im Blick stehen. Einige Experten geben sich daher zunehmend vorsichtiger, wenn es um die weitere Marktentwicklung geht.

          Die alte Börsenregel ’Sell in May and go away’ - zu deutsch etwa: Verkaufe im Mai Aktien und gehe weg von der Börse - könnte sich in diesem Jahr durchaus als sinnvoll erweisen, glaubt Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Helaba. Er sieht die Ursachen dafür nicht nur in der Zuspitzung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine oder weil sich die Indizes weiterhin nahe ihrer Höchststände befinden:

          „Trotz zum Teil deutlich gestiegener konjunktureller Frühindikatoren bleiben die Unternehmensgewinne schon seit geraumer Zeit hinter den Erwartungen zurück“, hebt er hervor. Darüber hinaus dürften die Schätzungen für die Nettoergebnisse der Unternehmen in den kommenden zwölf Monate seines Erachtens mehrheitlich nach unten korrigiert werden. Eine über die nächsten Monate andauernde „Konsolidierung auf hohem Niveau“ erwarten die Experten der Landesbank Baden-Württemberg. Die Kursgewinne der vergangenen Zeit dürften vor dem Hintergrund der Unsicherheiten rund um die Ukraine weiter verdaut werden, wobei die Barmittelbestände und die zunehmenden Übernahmeaktivitäten stützen sollten, argumentieren sie.

          Weiterer SAP-Vorstand geht

          Zu den Verlierern im Dax zählten mit einem Kursverlust von 1,8 Prozent SAP. Anleger reagieren enttäuscht auf den weiteren Verlust im Management. Technikvorstand Vishal Sikka verlässt das Unternehmen aus persönlichen Gründen mit sofortiger Wirkung, wie der Konzern am Sonntagabend überraschend mitteilte. Sikka hatte nicht nur den Ruf als Wegbereiter für SAPs Hoffnungsträger, der superschnellen Datenbank Hana, sondern war auch ein besonderer Schützling von SAP-Gründer und -Aufsichtsratschef Hasso Plattner. Ein Börsianer sah die Nachricht als Stimmungsdämpfer, auch wenn eine gute Entwicklung von Hana im ersten Quartal betont worden sei. Im vergangenen Jahr hatten erst Personalchefin Luisa Delgado und der für das Cloud-Geschäft zuständige Lars Dalgaard das Unternehmen verlassen. SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe wird zudem seinen Posten nach der Hauptversammlung am 21. Mai 2014 aufgeben und in den Aufsichtsrat wechseln.

          Wincor Nixdorf rutschten um mehr als 5 Prozent ab. Der Geldautomatenhersteller bekommt die Währungsschwäche in den Schwellenländern zu spüren und verbucht Umsatzeinbußen. Auch Wacker Chemie gaben nach der Veröffentlichung ihres Zwischenberichts um drei Prozent nach.

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