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Marktanalyse : Profitieren vom LNG-Boom

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Wärmetauscher für eine LNG-Anlage Bild: Air Products

LNG: Energiemanager setzen große Hoffnungen auf diese drei Buchstaben. Das Geschäft mit Liquefied Natural Gas - verflüssigtem Erdgas - wächst und wächst. FAZ.NET stellt den Markt vor und nennt Unternehmen, die vom Boom profitieren sollten.

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          Auch wenn Angela Merkel und Wladimir Putin nach ihrem Treffen in Sibirien auf eitel Sonnenschein machten: Langfristig sollte Europa alles daran setzen, die Abhängigkeit von Rußlands Energielieferungen nicht ins Unermeßliche steigen zu lassen.

          Das gilt insbesondere für Erdgas: Etwa ein Drittel seines Erdgases bezog Deutschland 2005 aus Rußland, ein Viertel kam aus Norwegen, ein Fünftel aus den Niederlanden. In Deutschland selbst werden etwa 15 Prozent des Bedarfs gefördert. Die Bedeutung des Brennstoffes wächst: 1970 machte Erdgas erst vier Prozent des deutschen Primärenergiebedarfs aus, heute ist es knapp ein Viertel.

          Doch wie könnte Europa von reichen Erdgasvorkommen etwa aus dem Nahen Osten profitieren? Mit Pipelines geht das nicht - oder es wäre extrem teuer. Darum regen derzeit drei Buchstaben die Phantasie der Energiemanager an: LNG. Das Kürzel steht für Liquified Natural Gas. Das verflüssigte Erdgas braucht keine Pipeline, es läßt sich mit Schiffen transportieren.

          LNG-Anlage in Dabhol, Indien
          LNG-Anlage in Dabhol, Indien : Bild: AP

          Die Bedeutung von Erdgas wird noch zunehmen

          Erdgas hat viele Vorteile: Bei seiner Verbrennung wird - bezogen auf die freiwerdende Energie - weniger Kohlendioxid frei als bei Kohle oder Öl. Im Vergleich zu Kohle verbrennt Erdgas sehr sauber, eine aufwendige Rauchgasreinigung ist nicht nötig. Außerdem arbeiten Gasturbinen mit höheren Temperaturen, deshalb lassen sich mit Erdgaskraftwerken höhere Wirkungsgrade erzielen als etwa mit Kohle. Außerdem sind die Erdgasreserven - zumindest im Vergleich zum Rohöl - relativ hoch. Die Bedeutung von Erdgas bei Stromerzeugung und Heizung nimmt deshalb seit Jahren zu.

          Was die Attraktivität derzeit allerdings sinken läßt, sind die hohen Preissteigerungen. Kraftwerksbetreiber, die eigentlich ein neues Gaskraftwerk errichten wollten, entschieden sich in letzter Minute doch noch für Kohle. Und immer mehr Hausherren heizen lieber mit Holzschnitzeln, als weiterhin die hohe Gasrechnung zu zahlen.

          Trotzdem bestehen kaum Zweifel daran, daß die Bedeutung von Erdgas im Weltenergiemix eher noch zunehmen wird. In den vergangenen zehn Jahren ist der Welterdgasverbrauch jährlich um 2,6 Prozent gestiegen. Das soll in Zukunft in ähnlichem Tempo weitergehen: Die amerikanische Energy Information Administration prognostiziert in den kommenden 20 Jahren einen Anstieg des Weltgaskonsums von etwa 2,3 Prozent im Jahr. Die Internationale Energie-Agentur rechnet sogar mit einem Anstieg von 3,5 Prozent im Jahr bis 2020. Damit läßt Gas auch in Zukunft beim Wachstum Öl und Kohle hinter sich.

          Zunehmender Erdgashandel spricht für LNG-Boom

          Das meiste Erdgas kam 2004 aus Rußland. Danach kommen als wichtigste Förderländer die Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien. Doch das wird sich, denn die Reserven in Nordamerika und dem Vereinigten Königreich schrumpfen. Knapp 60 Prozent der gesicherten Erdgasreserven liegen in Rußland, Iran und Qatar - diese Länder werden künftig die großen Gewinner des Erdgasbooms sein.

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