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Keine Ehe mit Deutscher Bank : Commerzbank-Aufsichtsrat Roach lehnt Fusion ab

Und sie bleibt gelb. Bild: Lukas Kreibig

Warum soll es zwei Kranken gemeinsam besser gehen? Auch ein Aufsichtsrat der Commerzbank lehnt eine Fusion von Deutscher und Commerzbank ab. An der Börse steigen dennoch die Kurse.

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          Warum soll es zwei Kranken gemeinsam besser gehen? Auch ein Aufsichtsrat der Commerzbank lehnt eine Fusion von Deutscher und Commerzbank ab. An der Börse steigen dennoch die Kurse.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Tatsache, dass die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen und der Commerzbank über einen möglichen Zusammenschluss gesprochen haben, ist an der Börse derzeit Thema Nummer eins – obwohl die meisten Experten wenig Sinn darin sehen. Auch Mark Roach, der für die Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, sieht für die Commerzbank keinen Nutzen darin. „Ich halte die Idee einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank für absurd und habe mich gefreut zu lesen, dass die Vorstandsgespräche abgebrochen worden sind.“

          COMMERZBANK

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          Der Aufsichtsrat verweist auf die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank im Jahr 2009. „Die Dresdner Bank einzugliedern, hat mindestens fünf Jahre gedauert, in denen die Commerzbank anderes wie etwa Investitionen in die IT vernachlässigt hat.“

          Weil Deutsche Bank und Commerzbank beide ihre Zentralen in Frankfurt und in der Fläche stark überlappende Filialnetze haben, ist die Angst vor einen starken Stellenabbau im Inland groß. Die Deutsche Bank beschäftigt in Deutschland 27.000 Mitarbeiter, davon etwa jeden Dritten in ihren noch gut 700 Filialen. Für die Commerzbank arbeiten in Deutschland sogar 38.000 Mitarbeiter, davon etwa 11.000 in 1050 Filialen.

          DT. BANK

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          Tatsächlich hat schon im vergangenen Jahr der damalige Commerzbank-Vorstandsvorsitze Martin Blessing Ideen für ein Zusammengehen mit der Deutschen Bank entwickelt. Als die Aktienkurse beider Banken in den vergangenen Wochen immer mehr ins Rutschen gerieten, führten dann die beiden Vorstandsvorsitzenden John Cryan und Martin Zielke offenbar auf Drängen des Bundesfinanzministeriums eine Art unverbindliches Sondierungsgespräch. Dieses wurde mit dem Ergebnis abgebrochen, dass derzeit die Zeit noch nicht reif sei.

          Weil die Gespräche zwischen Deutscher und Commerzbank über ein Zusammengehen aber vermutlich später wieder aufgenommen werden, bleibt der Plan in Frankfurt Stadtgespräch. Das Argument der Bankvorstände, ein Zusammengehen erhöhe die Marktanteile und damit die Chance, Preiserhöhungen im Privat- und Firmenkundengeschäft durchzusetzen, lässt Roach nicht gelten: „Heute ist die Commerzbank kleiner als sie vor der Übernahme der Dresdner Bank war. Auch ein aus Deutscher Bank und Commerzbank fusioniertes Institut würde stark schrumpfen – die Marktanteile wären damit schnell wieder verloren“, sagt Roach.

          Trotz eines Gewinneinbruchs der Commerzbank im ersten Halbjahr sieht er das zweitgrößte Kreditinstitut auf einem guten Weg. „Ich erwarte deshalb vom neuen Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke keine hektischen und unangemessen Maßnahmen“, sagte Roach.

          „Die da oben machen ja sowieso was sie wollen“

          Zielke vermittelte bei seinem Auftritt auf der Bankenkonferenz des „Handelsblatts“ in Frankfurt am Mittwoch hingegen, dass er durchaus einschneidende Maßnahmen vornehmen will, um die Profitabilität der Commerzbank zu steigern. Insgesamt erscheint die Commerzbank aber besser vorbereitet als die Deutsche Bank, die noch Altlasten wie Rechtsstreitigkeiten und den Verkauf der Postbank mit sich herumschleppt.

          Zu den Mitarbeiterinnen der in einer der am stärksten besuchten Commerzbank-Filiale nahe des Frankfurter Hauptbahnhofes haben sich die Überlegung allerdings noch nicht einmal herumgesprochen. Sie zucken am Donnerstagmittag nur mit den Schultern. „Die da oben machen ja sowieso was sie wollen“, sagte eine von beiden. Es gebe keinerlei Mitarbeiterinformation, bestätigt auch Roach. Auch der Aufsichtsrat sei nicht informiert.

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