https://www.faz.net/-gv6-7l9x3

Marihuana-Aktien : Dope fürs Depot

In Deutschland verboten: Cannabis Bild: dpa

Der amerikanische Bundesstaat Colorado hat den Verkauf von Marihuana freigegeben. Das hat die Aktienkurse von Unternehmen beflügelt, die Cannabisprodukte anbieten.

          Gut 80 Jahre ist es her, seit Cannabis auf der Liste der verbotenen Rauschsubstanzen landete. Damit endete auch eine jahrtausendealte Behandlungstradition für Schmerzen und Epilepsie. Allerdings hatte die Pflanze zu diesem Zeitpunkt schon an Bedeutung verloren, nachdem 1898 Aspirin erfunden worden war. Mittlerweile zeichnet sich allerdings ein Comeback ab.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nachdem es außer den Niederlanden bisher lediglich in Exotenstaaten wie Nordkorea oder Samoa erlaubt war, kam zum Jahresbeginn der amerikanische Bundesstaat Colorado hinzu. Ähnlich wie in den Niederlanden darf Marihuana in sogenannten Coffeeshops verkauft werden. Bislang war der Verkauf von Marihuana in einigen amerikanischen Bundesstaaten lediglich zu medizinischen Zwecken erlaubt. Das Interesse scheint groß: Die Behörden in Colorado vergaben 348 Verkaufslizenzen. Auch der Bundesstaat Washington soll bald folgen. Dort liegen angeblich 3746 Anträge vor.

          Cannabis-Anbau in Uruguay: Jetzt auch erlaubt

          Naturgemäß wird Cannabis damit auch zu einem Thema für die Börse. Gerade im vergangenen Jahr stieg die Zahl der börsennotierten Gesellschaften, die Entwicklung von Hanf- und Cannabisprodukten als Geschäftszweck angaben deutlich an. So wurde etwa aus der Ultra Sun Corporation, die im amerikanischen Bundesstaat Utah ein Sonnenstudio betrieb, Cannabis Sativa, benannt nach dem biologischen Namen der Cannabispflanze. Die damals neu erworbene Tochtergesellschaft Wild Earth Naturals vertriebt eine Hautcreme auf Basis von Hanfsamenöl. Zu Jahresbeginn gab Cannabis Sativa nun bekannt, ein zum Patent angemeldeten neuen Cannabis-Stamm erworben zu haben. Gleichzeitig ist nun der Cannabis-Aktivist Steve Kubby neuer Vorstandsvorsitzender. Der neue Stamm sei extrem wirkungsstark, so Kubby in einer Pressemitteilung: „Je mehr man davon raucht, desto mehr wird man high, aufwärts bis zum psychodelischen Niveau.”

          High wurde davon zunächst einmal der Aktienkurs, der seit Jahresbeginn von 75 amerikanischen Cent auf mehr als 10 Dollar geklettert ist. Auch andere Aktienkurse legten stark zu. So stieg etwa der Kurs von Advanced Cannabis Solutions auf das Doppelte.

          Cannabis- und Hanf-Aktien
          Unternehmen Marktkapitalisierung Umsatz 2012 Kursentwicklung 1 Jahr
          Cannabis Sativa 83,30 150.000 1986,27%
          Advanced Cannabis Solutions 100,40 21.031 768,67%
          Cannavest 308,20 0 470,43%
          GW Pharmaceuticals 845,50 52,2 Mio. 449,89%
          Growlife 155,90 1,45 Mio. 447,50%
          Cannabis Science 88,60 36.575 115,51%
          Medical Marijuana 110,70 5,2 Mio 60,68%
          Thurella 31,6* 40 Mio. 35,37%
          Hemp Inc. 45,50 9.000 6,60%
          Mediswipe 13,00 77.400 -3,60%
          Endocan 4,10 0 -29,48%
          Abattis Bioceuticals 1,30 0 -52,63%
          Medbox 492,30 3,5 Mio. -65,30%
          Latteno Food 0,04 267.000 -95,40%
          Quelle: Bloomberg; Eigene Erhebungen; Marktkapitalisierung in Mio. Dollar, * Thurella in Franken; Umsatzangaben in Dollar; Kursentwicklung in Prozent

          Der Grund liegt sicher in den größeren Absatzmöglichkeiten, aber auch darin, dass die Unternehmen jetzt weniger verschämt auftreten müssen. Aus naheliegenden Gründen waren die Unternehmen bislang stets bemüht gewesen, klar zu stellen, dass sie Marihuanaprodukte einzig zu medizinischen Zwecken oder von psychoaktiven Substanzen gereinigt entwickelten. Selbst dann war das Geschäft schwierig. So berichtete die Medical Marijuana Inc. Im Jahr 2011 über finanzielle Schwierigkeiten, weil ihre Bankkonten infolge des Unternehmensnamens eine Zeitlang gesperrt wurden.

          Medical Marijuana ist eines der ältesten amerikanischen Cannabis-Unternehmen, trägt es den Firmennamen doch schon seit 2009. Davor war man unter dem Namen Club Vivanet als Direktvermarkter aktiv. Das Unternehmen vertreibt unter anderem einen Cannabis-Kaugummi, Hanföl als Vorprodukt, medizinische Cannabistropfen und arbeitetet als Dienstleister für Wellness-Einrichtungen, die Marihuana abgeben. In den ersten neun Monaten des Jahres 2013 setzte es indes nur rund 1,4 Millionen Dollar um. Davon stammten jedoch aus dem Verkauf von Hanföl nur rund 250.000 Dollar und aus Kaugummi gerade mal 43.688 Dollar. Dass Medical Marijuana dennoch Millionengewinne auswies liegt daran, dass man einen Teil der Vermögenswerte einer Tochtergesellschaft an ein Unternehmen verkaufte, das dem eigenen Verwaltungsratsvorsitzenden gehört, und dafür wiederum vor allem Aktien erhielt.

          Umsatzstark ist keines der börsennotierten Unternehmen, die auf Cannabis spezialisiert sind, bisweilen gab es 2013 keine nennenswerten Erlöse. Zu den größten gehört der Schweizer Getränke-Hersteller Thurella, in dessen Produktportfolio sich auch der „C Ice Swiss Cannabis Tea“ befindet und der im ersten Halbjahr einen Umsatz von 20,4 Millionen Franken verbuchte. Thurella hat sich nach einer Existenzkrise auf die Herstellung von Bio-Säften spezialisiert. Wie viel davon aber auf den Cannabistee entfielen, ist unklar. Die letzte Absatzangabe stammt aus dem Jahr 2006. Damals soll Thurella noch 2,5 bis 3 Millionen Dosen verkauft haben.

          Nennenswerte Umsätze machte mit rund 27 Millionen Pfund im Geschäftsjahr 2012/2013 zudem das britische Pharma-Unternehmen GW Pharmaceuticals, dessen Hauptprodukt Sativex in der Behandlung von Symptomen der Multiplen Sklerose eingesetzt wird. Aber nur 8 Prozent des Umsatzes entfielen auf Produktverkäufe, der Rest aus Meilensteinzahlungen für Forschungserfolge.

          Auch in Deutschland erlaubt: Das Cannabis-Medikament Sativex gegen Syptome der Multiplen Sklerose

          Insgesamt gibt es derzeit noch kein Unternehmen mit nennenswerten Aktivitäten in der Herstellung und im Vertrieb von cannabishaltigen Produkten, das derzeit als aussichtsreich eingeschätzt werden kann. Doch das Interesse ist erwacht. Nachdem Uruguay seit Jahresbeginn als erstes Land den kontrollierten Anbau und Verkauf von Marihuana legalisiert hat, haben nach Aussage der Drogenbehörde des Landes mehrere internationale Pharmaunternehmen sich nach Produktions- und Exportmöglichkeiten erkundigt.

          Weitere Themen

          Tom Tailor bekommt Luft

          Brückenfinanzierung : Tom Tailor bekommt Luft

          Endlich einmal positive Nachrichten von Tom Tailor. Eine Brückenfinanzierung wurde vereinbart. Auch wenn diese noch nicht ganz in trockenen Tüchern ist, können Aktionäre hoffen.

          Topmeldungen

          AfD-Niederlage in Görlitz : Kein Grund zum Aufatmen

          Die Niederlage des AfD-Kandidaten in Görlitz zeigt: In Städten haben es die Rechtspopulisten schwer. Trotzdem ist Görlitz für die sächsische CDU noch kein Zeichen für eine Wende. Im Gegenteil.

          Koalition : Besser als ihr Ruf

          Die Koalition ist nicht so schlecht, wie sie gemacht wird. Die Einigung über die Grundsteuer ist ein großer, die über den „Soli“ ein längst überfälliger Schritt. Die großen Brocken kommen aber erst noch. Ein Kommentar.

          Neue Prognosen : Wird die Pkw-Maut zum Minusgeschäft?

          Interne Zahlen aus dem Verkehrsministerium zeigen: Aus den erhofften 500 Millionen Euro wird wohl nichts – schuld sind Veränderungen in der Fahrzeugflotte. Die Grünen geißeln das Lieblingsvorhaben von Verkehrsminister Scheuer als „teures und sinnloses Stammtischprojekt“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.