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Märkte in Angst : Die dritte Welle der Finanzkrise

  • -Aktualisiert am

In dieser Straße in New York herrscht gegenwärtig höchste Aufregung Bild: AFP

Auf den Kapitalmärkten geht die Angst um, die Finanzkrise könnte außer Kontrolle geraten. Jetzt geht es darum, wie viele Hedge-Fonds in eine Schieflage geraten und wie stark die Krise auf die Wirtschaft übergreift.

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          Stellt man sich das Finanzsystem als Patienten vor, dann wirken die Ärzte ratlos. Die Notenbanken haben es wiederholt mit Geldinjektionen versucht. Zuletzt am Montag, als sie den Banken die Bereitstellung von zusätzlich 200 Milliarden Dollar ankündigten. Doch die Medizin päppelt den Kreislauf des Schwerkranken nur kurz auf, danach sackt er wieder in die Kissen und leidet. Die Therapie ist gar nicht falsch gewählt. Schließlich zählt zu den vielen Symptomen des Patienten, dass die Banken sich einander misstrauen und sich deshalb damit zurückhalten, anderen Banken wie ansonsten üblich Geld zu leihen. Die Geldinfusionen der Notenbanken verhindern also fürs erste den Kollaps des Kreislaufs. Doch für eine Genesung reicht das nicht. Denn das System leidet längst nicht mehr nur an illiquiden Märkten.

          Solvenzkrise vor allem bei Hedge-Fonds

          Aus der Liquiditätskrise ist eine Solvenzkrise geworden. Es geht nicht mehr nur um die Verfügbarkeit von Geld, sondern vielmehr darum, ob den Verpflichtungen der Banken, Hedge-Fonds und anderen Investoren noch genügend Vermögenswerte gegenüberstehen. Das ist nun schon die dritte Welle der Finanzkrise, nachdem viele Anleger im Herbst noch auf einen glimpflichen Verlauf gehofft hatten.

          Bild: F.A.Z.

          Am heftigsten stehen im Moment die Hedge-Fonds im Feuer. Sie haben – finanziert mit Krediten der Banken – in großen Stil in vermeintlich sichere Wertpapiere investiert. Das kann zum Beispiel so funktionieren: Mit 100 Millionen Euro Eigenkapital seiner Anleger kauft ein Hedge-Fonds Wertpapiere. Diese gibt er einer Bank als Sicherheit und erhält dafür 90 Millionen Euro Kredit. Mit diesem Geld kauft er wieder Wertpapiere, reicht sie wieder bei einer Bank ein, erhält 81 Millionen Euro Kredit – das Spiel lässt sich fortsetzen und führt zu einem gewaltigen Kredithebel. Mit wenig eigenem Geld lassen sich riesige Summen bewegen.

          Nur so konnten die Hedge-Fonds ihre lange Zeit hohen Renditen erwirtschaften. Ein Fonds der Betreibergesellschaft Carlyle Capital zum Beispiel, dem gerade der Totalverlust droht, hat mit rund 670 Millionen Dollar eigenem Geld vermeintlich unbedenkliche Hypothekenanleihen der staatlich garantierten Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae im Wert von fast 22 Milliarden Dollar gekauft. Die Kreditgeber erlaubten diesen 32-fachen Hebel, weil diese Papiere als nahezu ausfallsicher galten.

          Preisverfall bei Eigenheimen drückt auf die Bonität

          Doch das Spiel hat einen Haken: Selbst die mit erstklassigen Bonitätsnoten versehenen Anleihen haben im Laufe der Krise an Wert verloren. Ein Grund ist der beschleunigte Preisverfall der amerikanischen Eigenheime. So zeigt der Case-Shiller-Index, der die Preisentwicklung in 20 amerikanischen Großstädten wiedergibt, einen Rückgang von 9 Prozent im Jahresvergleich.

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