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Aktien : Wie irre sind die Rekorde an der Börse?

Börsenhändler in Frankfurt Bild: dpa

Die Aktien im M-Dax und Tec-Dax sind astronomisch hoch bewertet. Manches erinnert an den Neuen Markt.

          Es gibt Zahlen, die wecken ungute Erinnerungen. Jahreszahlen wie 1961, das Jahr des Mauerbaus zum Beispiel. Auch die Anleger kennen das. So wird 2008 für sie immer mit der Lehman-Pleite und den folgenden weltweiten Turbulenzen verbunden sein. Und das Jahr 2000 mit dem Platzen der Internetblase, die einen für viele wundervollen Aktienrausch beendete. Der Neue Markt, die Börse für kleine und neue Wachstumsaktien, war damals das Symbol der großen Zockerei und wurde kurz danach eingestampft. Heftige Kursverluste inklusive.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Heute erinnert manche Aktie wieder an diese wilde Zeit. Und abermals sind die Zahlen daran schuld. Genauer, die entscheidende Kennzahl, die zeigt, ob eine Aktie billig oder zu teuer ist: das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Üblich sind KGVs von unter 20. Doch wer sich heute deutsche Technologieaktien und bekannte Unternehmen im M-Dax ansieht, der erschrickt. MAN hat ein KGV von derzeit mehr als 100, Südzucker von 85, der Modehändler Zalando 80. Der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf weist schon 160 auf, und das Biotechunternehmen Evotec toppt alles noch mit 280. Die Aktien sind also wahnsinnig teuer. Sie repräsentieren keine windigen Skandalbuden, sondern Unternehmen, die teilweise mehrere Milliarden Euro Umsatz machen.

          Solche KGVs kennen Anleger noch vom Neuen Markt, kurz bevor er zusammenbrach. Sind diese Auswüchse also zurück? Treibt vielleicht das billige Geld, das die Notenbanken über die Märkte schütten, die Menschen in die Aktien, vor allem in M-Dax und Tec-Dax, den Hort der deutschen Tech-Papiere? Oder sind diese Werte die Überfliegertitel, die die Anleger zu großer Euphorie verleiten, die deutschen Apples?

          Es verwundert, dass einige Analysten diese Aktien trotz der astronomischen Bewertungen zum Kauf empfehlen. Haben sie nichts aus der Dotcom-Blase des Jahres 2000 gelernt? Die Beantwortung dieser Frage erfordert einen Blick auf die betroffenen Unternehmen. Und auf ein paar Geheimnisse der KGVs. Das gibt dem Anleger wertvolle Erkenntnisse, wie er seine Aktien auswählen kann.

          Turnaround-Aktien: die Hoffnung der Anleger

          Erste Erkenntnis: Das KGV kann in die Irre leiten. Denn für seine Berechnung wird der aktuelle Aktienkurs benötigt, das ist noch kein Problem. Er wird in Bezug gesetzt zum Gewinn des Unternehmens. Und da beginnen die Schwierigkeiten. Denn welcher Gewinn liegt dem KGV zugrunde? Der zuletzt berichtete Jahresgewinn? Dann ist das KGV meistens am höchsten. Oder der im laufenden Geschäftsjahr erwartete? Oder der des nächsten Jahres? Je weiter in die Zukunft geschaut wird, desto niedriger fällt das KGV aus. Statt 40 liegt es dann vielleicht nur bei 20. Am beliebtesten ist unter Analysten der Blick auf das laufende Geschäftsjahr oder die kommenden zwölf Monate. Da lassen sich die Gewinne noch am verlässlichsten vorhersagen.

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