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Luxusgüter : LVMH zahlt für Expansion hohen Preis

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Edler Schmuck von Bulgari Bild: AP

Der Luxusgüterkonzern LVMH intensiviert seine Expansionsstrategie durch die Übernahme von Bulgari. Er zahlt einen hohen Preis und verwässert auf diese Weise kurzfristig die Gewinnentwicklung. Langfristig sieht die Strategie überzeugender aus.

          Nach Kursgewinnen von bis zu 230 Prozent von Ende 2008 bis Ende des vergangenen Jahres befindet sich die Aktie des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH in der Defensive. Sie hat seit Heiligabend des vergangenen Jahres etwas mehr als 14 Prozent verloren. Am Montag geht es weiter nach unten.

          Der Grund ist einfach auszumachen. Denn das Unternehmen setzt neben der organischen Weiterentwicklung auf Wachstum durch Übernahmen und zahlt in diesem Zusammenhang hohe Preise. So strebt LVMH die Übernahme des italienischen Schmuck- und Uhrenherstellers Bulgari an.

          Familie Bulgari kassiert einen guten Preis

          Die Familie Bulgari gibt ihr Mehrheits-Aktienpaket im Tausch gegen LVMH-Papiere ab, teilten die beiden Unternehmen am Montag mit. Den restlichen Bulgari-Aktionären wird ein Barangebot von 12,25 Euro je Anteil vorgelegt. Die Bulgari-Familie erhält für ihre 152,5 Millionen Aktien 16,5 Millionen LVMH-Papiere und steigt damit zum zweitgrößten Familien-Aktionär auf. Experten zufolge hat das Geschäft einen Wert von rund 3,7 Milliarden Euro.

          Der Preis entspreche einem Aufschlag von beinahe 60 Prozent auf den Schlusskurs der vergangenen Woche. Die Bulgarie-Aktie stieg am Montag im frühen Handel um bis zu 62 Prozent auf 12,29 Euro. Diese Kursgewinne führen dazu, dass die Aktie des italienischen Unternehmens mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 74 und 40 auf Basis optimistischer Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sehr ambitioniert bewertet ist. Immerhin entwickelten sich die Umsätze des Unternehmens in den vergangenen Monaten äußerst volatil, während es zwischenzeitlich sogar in die roten Zahlen rutschte.

          Im Herbst des vergangenen Jahres war Moët Hennessy - Louis Vuitton bereits beim kleineren französischen Rivalen Hermès eingestiegen. Der französische Multimilliardär und LVMH-Chef Bernard Arnault hatte sich mit dem LVMH-Konzern heimlich in die Familien-Dynastie eingekauft, dabei allerdings zumindest im Durchschnitt wesentlich günstigere Preise bezahlt als nun bei Bulgari. Inzwischen sind auch die Aktien von Hermes International ambitioniert bewertet. Im Unterschied zu Bulgari aber zeigt dort wenigstens die Umsatzentwicklung deutlich nach oben.

          Mit teuren Übernahmen dieser Art verwässert LVMH kurzfristig die Ergebnisentwicklung. Das mag kurzfristig auch zusammen mit der Konsum dämpfenden Wirkung des extrem hohen Ölpreises zu einer weiteren Konsolidierung des Aktienkurses des Unternehmens führen. Langfristig dagegen sieht die Strategie von LVMH, das sich unter der Holding Fianciere Jean Goujon mehrheitlich in den Händen von Bernard Arnault befindet, überzeugend aus. Denn das Unternehmen kann schon seit Jahren sowohl Umsatz als auch den Gewinn im Trend steigern.

          Im vergangenen Jahr konnte seine Gesamterlöse im Vergleich mit dem Vorjahr um 19 Prozent auf 20,32 Milliarden Euro steigern, denn Nettogewinn um 73 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro verbessern und dabei einen freien Cashflow von 3,07 Milliarden Euro verzeichnen. Die operative Marge lag bei 21,3 Prozent und damit um 1,6 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Damit erfüllte das Unternehmen nicht nur die hohen Erwartungen des Marktes, sondern blickt zudem überaus optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr. Alle Geschäftsbereiche hätten sich in den wichtigen Absatzmärkten gut entwickelt, teilte es jüngst mit.

          Zu dem Pariser Unternehmen gehören unter anderem die Champagnermarken Moët & Chandon sowie Veuve Clicquot, der Cognachersteller Henessy und die Uhrenmarke TAG Heuer. LVMH wuchs und wächst besonders stark in Asien und in der restlichen Welt, während die Entwicklung in den Vereinigten Staaten, Europa, Frankreich und Japan in den vergangenen Jahren stagnierte. Die Erlösquellen sind weltweit breit diversifiziert. Das Unternehmen profitiert von der anhaltenden wirtschaftlichen Dynamik in den Schwellenländern und dem kurzfristigen volkswirtschaftlichen Boom in vielen Industriestaaten, der unter anderem von extremen fiskal- und geldpolitischen Strategien ausgelöst wurde. Allerdings wird die Kaufkraft der Konsumenten durch hoch Energie- und Rohstoffpreise und zunehmende Inflationsraten beschnitten werden.

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