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Luxusgüter : Gucci-Aktie bleibt längerfristig interessant

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Eigentlich ist die Aktie von Gucci recht teuer, erst recht nach der Gewinnwarnung. Aber Gucci bleibt eine Sondersituation.

          Würde es mit der Aktie des Luxusgüterkonzerns Gucci normal zugehen, hätten die Aktionäre Grund zur Sorge. Mit der Gewinnwarnung vom Montag droht das Papier aus seiner zuletzt gesehenen Seitwärts-Range herauszufallen. Wodurch sich ein beträchtliches Abwärtspotenzial eröffnen würde. Bis 11.47 Uhr verliert die Gucci-Aktie in Amsterdam 0,95 Prozent auf 88,80 Euro, während die beiden größeren Konkurrenten LVMH und Cie Financiere Richemont stärker in Mitleidenschaft gezogen werden.

          Im November fiel Guccis Handelsgeschäft unerwartet schwach aus, was den in Amsterdam ansässigen Edel-Einkleider zu einer Rücknahme der Prognosen zwingt. Gucci geht jetzt für sein auslaufendes Geschäftsjahr (bis 31.1.03) von Erlösen zwischen 2,5 und 2,6 Milliarden Euro aus. Zuvor hatte es seinen Jahresumsatz auf 2,6 Milliarden Euro geschätzt. Zugleich nimmt Gucci die erwartete operative Marge vor Goodwill- und Markenabschreibung auf zwölf von zuvor 13 Prozent zurück. Das bedeutet eine überproportionale Rücknahme des erwarteten Gewinns: Jetzt sollen es „mindestens 2,00 Euro je Aktie“ werden, nach im September prognostizierten 2,60 Euro. Die Prognose enthalte Nettokosten von rund 0,90 Euro je Aktie für Goodwill- und Markenabschreibungen.

          Aktie an sich hoch bewertet

          Das bedeutet ein aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 44,5, und auch die Gewinnschätzungen der Analysten für das Geschäftsjahr 2003/04, die derzeit noch ein KGV von 25,3 ergeben, dürften noch nach unten angepasst werden.

          Denn die Konjunkturkrise macht auch vor den eminent wichtigen Luxuseinkäufen in der Weihnachtssaison nicht Halt. Morgan Stanley schätzte das Umsatzwachstum der zehn größten Luxusgüterhersteller in diesem Jahr bislang auf bescheidene vier Prozent. Marina Boutry Cuypers, Analystin bei Aurel Leven, bekräftigt ihre Skepsis: „Wir bleiben weiterhin sehr zurückhaltend gegenüber der Aktie und der gesamten Industrie.“

          Sicherheitsnetz durch Verkaufsoption

          Und doch bleibt die Gucci-Aktie eine „Sondersituation“. Vergangenes Jahr verpflichtete sich nämlich der Mehrheitsaktionär, der französische Einzelhandelsriese Pinault-Printemps-Redoute (PPR), nach einem drei Jahre währenden Streit mit LVMH, den Gucci-Aktionären den verbleibenden Streubesitz im März 2004 für 101,50 Dollar je Aktie abzukaufen. Mit anderen Worten gewährt PPR den Gucci-Aktionären eine in 15 Monaten fällige Verkaufsoption. Daraus ergibt sich für Aktionäre derzeit rechnerisch eine Rendite von rund zehn Prozent.

          Folglich ist ein Absturz des Titels trotz der Gewinnwarnung sehr unwahrscheinlich. Vielmehr wird der Kursverlauf von Gucci ebenso von der Bonität PPRs wie von der eigenen Geschäftslage bestimmt. Die Analysten von Merrill Lynch sehen keinen Grund, wieso PPR seine Verpflichtung nicht erfüllen sollte. Der Vertrag gewährt PPR zwar im Falle „höherer Gewalt“ einen Aufschub von sechs Monaten, doch sei ein solcher Fall kaum zu begründen. Gucci bleibt auf dem aktuellen Niveau also an sich teuer, für längerfristig orientierte Anleger ergibt sich allerdings bei höheren Kursverlusten eine interessante Einstiegsmöglichkeit.

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