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Luxusgüter : Der Tiffany-Aktie sollte man Brillanten vorziehen

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New York-Touristen halten Tiffany im Geschäft Bild: AP

Ein Frühstück bei Tiffany's in New York gibt es zwar immer noch nicht, doch den Touristen sind die Brillianten gerade recht. Anders sieht es in Japan aus - und das schadet dem Aktienkurs.

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          Mit guten Zahlen für das dritte Quartal macht der Luxus-Juwelier Tiffany auf sich aufmerksam. Im dritten Quartal hat das Unternehmen den Gewinn um 37 Prozent auf 23,8 Millionen Dollar oder 16 Cent je Aktie gesteigert. Der Umsatz legte 8,4 Prozent auf 500,1 Millionen Dollar zu. Der weltweit zweitgrößte Juwelier profitierte von höheren Preisen in den Vereinigten Staaten, vor allem von einem satten Umsatzanstieg in seinem Flagship Store in New York.

          Trotz des höheren Umsatzes in den Vereinigten Staaten brach der Aktienkurs am Dienstag in New York in der Spitze um 5,3 Prozent ein, konnte sich aber am Mittwoch wieder leicht erholen. Analysten führten den Kursrückgang auf den kaum veränderten Umsatz in Japan zurück.

          New York-Touristen strömen zur Fifth Avenue...

          In den Vereinigten Staaten legte der flächenbereinigte Umsatz insgesamt um sieben Prozent zu. Angetrieben wurde er vor allem von einem „deutlichen Wachstum“ bei Schmuckstücken in den Preislagen zwischen 3000 und 20.000 Dollar sowie über 50.000 Dollar, sagte Tiffany-Sprecher Mark Aaron in einer Telefonkonferenz. „Die Zunahme im Flagship Store in den Vereinigten Staaten kam ausschließlich durch Ausgaben ausländischer Touristen“, fügte er hinzu.

          In dem Geschäft an der Fifth Avenue in New York erlöste Tiffany zwölf Prozent mehr. Hier konnte der Juwelier die Preise für Edelstein- und Platinschmuckstücke im Bereich ab 3.000 Dollar anheben, außerdem gaben Touristen mehr Geld aus. Die Juwelierkette betreibt weltweit 150 Geschäfte, davon 57 in den Vereinigten Staaten.

          Tiffany hat die Preise in diesem Jahr um einen nicht genannten Prozentsatz angehoben, um gestiegene Materialkosten auszugleichen. Der weltgrößte Diamantenlieferant De Beers hat im Januar und im Juni seine Preise um jeweils drei Prozent erhöht. Im Vorjahr hatte De Beers 14 Prozent mehr verlangt. Der Kassapreis für Platin ist in diesem Jahr um 15 Prozent gestiegen.

          ... die Japaner bleiben fern

          In Japan hingegen, dem zweitgrößten Markt für Tiffany, stagnierte der flächenbereinigte Umsatz. Die Enttäuschung darüber wog um so schwerer, als Vorstandschef Michael Kowalski es zum Ziel erklärt hat, die Umsatzzahlen in Nippon zu steigern.

          Beim flächenbereinigten Umsatz in Japan erwartet das Unternehmen, in Yen gerechnet, keine Veränderung. Im vergangenen Jahr war der Umsatz dort acht Prozent gesunken, 2003 um drei Prozent und 2002 um acht Prozent. Japan trägt rund ein Viertel zum Gesamtumsatz bei Tiffany bei.

          Tiffany-Chef Kowalski wollte den Umsatz in Japan mit einem verstärkten Angebot von Schmuckstücken in der Preiskategorie ab 2000 Dollar steigern. Günstigere Silber-Schmuckstücke hatten die Nachfrage zuvor nicht beflügeln können. „Investoren haben bessere Umsatzzahlen aus Japan erwartet“, sagte Arun Daniel, Analyst bei ING Investment Management. „Sollte die Erholung in Japan länger dauern, wäre das nicht gut.“

          Kurzfristige Chancen, langfristige Risiken

          Der Gewinn lag gleichwohl über den Markterwartungen. In einer Umfrage von Thomson Financial hatten 14 Analysten im Schnitt mit einem Ergebnis von 16 Cent je Aktie gerechnet. Tiffany bekräftigte die Gewinnprognose von 1,55 bis 1,65 Dollar je Aktie für dieses Jahr. Das ist indes deutlich weniger als die 2,05 Dollar je Aktie im vergangenen Jahr.

          Bewertet ist die Tiffany-Aktie nach einer Kursrally von rund 45 Prozent im vergangenen Halbjahr mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund 25 für das laufende und rund 22 für das kommende Geschäftsjahr für einen Einzelhändler, auch wenn er im Luxussegment aktiv ist, recht hoch - insbesondere dann, wenn man den seit Jahren ausbleibenden Erfolg in Japan berücksichtigt.

          Kurzfristig sieht der Aktienchart trotz des kleinen Rückfalls vom Jahreshoch der vergangenen Woche bei 43,28 Dollar zwar noch recht gut aus, da keine wichtige Trendlinie durchbrochen wurde. Langfristig schaut die Sache etwas trauriger aus. Seit dem Jahr 2000 wechseln Kursstürze und ebenso steile Erholungen einander ab. Tritt jetzt eine Trendwende ein, ist ein Kursrückgang bis in den Bereich von 30 Dollar nicht unwahrscheinlich. Unter diesen Umständen scheint die Investition in Brillanten oder ein gutes Frühstück der Aktie derzeit vorzuziehen zu sein.

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