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Touristen im Kaufrausch : Luxusaktien funkeln wieder an der Börse

Ausgefallene Luxusartikel: Gucci? Läuft! Bild: dpa

Die Luxusbranche hat ihren Tiefpunkt überstanden. Die günstige Lage der Weltwirtschaft und Kauflust von Touristen gibt deutlichen Rückenwind. Die Aktien von Konzernen wie LVMH oder Kering steigen an. Doch es gibt auch Verlierer.

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          So schön die Kleider, Mäntel, Taschen und Schmuckstücke bisweilen auch sind – die Luxusbranche hat keine leichten Zeiten hinter sich. Vor allem eine geringere Nachfrage aus den Schwellenländern hat vielen Anbietern zu schaffen gemacht. Die Geschäftszahlen von französischen Luxusgiganten wie LVMH vor zwei Wochen oder Kering an diesem Freitag sind ein Beleg dafür, dass es der Branche wieder besser geht. Viele Aktienkurse spiegeln dies. Am Freitag stieg der Aktienkurs von Kering um bis zu 4,7 Prozent.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Die vergangenen drei Jahre waren für den Luxusgütersektor hart“ sagt Scilla Huang Sun, Fondsmanagerin des Vermögensverwalters GAM. Aktuell erscheine es allerdings so, als sei die Talsohle erreicht. Die Branche habe offenbar den Tiefpunkt überwunden. Gleichwohl werde die Erholung innerhalb der Branche nicht einheitlich verlaufen. Daher sei eine sorgfältige Auswahl der einzelnen Aktien entscheidend für den Anlageerfolg.

          Dies zeigt sich auch der Börse. Für viele Luxusaktien ist es vor allem mit Beginn der zweiten Jahreshälfte 2016 deutlich aufwärts gegangen. Und so hätten Anleger in den zurückliegenden zwölf Monaten unter dem Strich zum Teil ein dickes Plus gemacht. Allen voran hat die Aktie von Kering – hierzu gehören unter anderem namhafte Marken wie Gucci, Puma oder Yves Saint Laurent – mehr als 50 Prozent im Kurs gewonnen. Für Hermès wiederum, nicht nur bekannt für exquisite Taschen und Tücher, ging es im Aktienkurs um ein Drittel aufwärts. Ein Viertel mehr wert ist nun die Aktie des weitverzweigten Konzernreichs von LVMH („Louis Vuitton Moet Hennessy“).

          Schattenseiten des Aufstiegs

          Doch wo Licht ist, dort ist auch Schatten. Ein Beispiel ist der deutsche Modekonzern Hugo Boss. Die Aktie war viele Jahre ein Liebling der Anleger und klettertete von einem Hoch zum nächsten. Im April 2015 kostete die Aktie bis zu 120 Euro. Aktuell ist sie mit rund 60 Euro nur noch die Hälfte wert. Im Juli 2016 waren es im Tief sogar 46 Euro. Binnen eines Jahres haben die Titel von Hugo Boss nun 11 Prozent an Wert verloren.

          Auch hier hat unter anderem der Rückgang der Nachfrage in den Schwellenländern für Druck gesorgt. Dafür sorgten nicht nur schwächere Wirtschaftsdaten. So habe zum Beispiel der Kursverfall der einzelnen Währungen die Geschäfte in Russland und Brasilien belastet, während die Luxusumsätze in China aufgrund der Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption drastisch gesunken seien, sagt Huang Sun. Da zum Beispiel der russische Rubel oder der brasilianische Real im Vorjahr aber stark aufgewertet hätten, sei die Kaufkraft der Touristen aus Russland oder Brasilien wieder erstarkt. Denn Reisende aus beiden Ländern seien dafür bekannt, gerne Geld für Luxusgüter auszugeben, wenn sie unterwegs seien. Dies gilt freilich auch für chinesische Touristen, was man zum Beispiel rund um die für ihre Luxusgeschäfte bekannte Goethestraße in Frankfurt sehen kann.

          Auch dem Reich der Mitte geht es wieder besser. „Das weitgehend stabile Wirtschaftswachstum in China wirkt sich ebenfalls positiv auf den Luxus-Sektor aus“, sagt die Aktienexpertin: „In den kommenden Jahren rechnen wir hier mit einem Konsumwachstum im hohen einstelligen Bereich. Die Mittelschicht mit ihrer Reiselust und dem Wunsch, westeuropäische Marken zu erleben, wächst immer weiter.“ Luxusunternehmen hätten in der zweiten Jahreshälfte 2016 eine Trendwende bei den Umsätzen in China vermeldet. Ein Grund hierfür sei, dass die großen Preisunterschiede zu den europäischen Märkten geschrumpft seien. So hätten selbst diejenigen Chinesen, die weniger reisen könnten oder wollten, die Möglichkeit, die konkurrenzfähigeren Preise von Luxusgütern im Inland zu nutzen.

          Verbesserte Stimmung bei Investoren

          Die Branche bekam auch die Angst vor Terroranschlägen in Europa zu spüren, die Zahl der Touristen fiel stark. Hier gebe es ebenfalls eine Wende, da die Reisebuchungen nach Europa über die Feiertage zum chinesischen Neujahrsfest im Vergleich zum vergangenen Jahr stark gestiegen seien, sagt Huang Sun. Die Bedeutung chinesischer Touristen könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn sie stünden für rund 20 bis 25 Prozent des globalen Luxusgütermarkts.

          Welche Gründe gibt es für Anleger, in Luxusaktien zu investieren? Insgesamt gebe die günstige Lage der Weltwirtschaft der Branche Rückenwind, sagt die Fondsmanagerin. Zudem habe sich die Stimmung der Investoren deutlich verbessert. Interessant sei, dass die Wechselkurse die Touristenströme lenkten: Heute reisten Touristen dorthin, wo ihnen die Schwäche einer Währung Luxusgüter zu attraktiven Preisen biete, wie in Großbritannien nach der Brexit-Entscheidung. Allerdings wirke dies auch in die andere Richtung: Der starke Schweizer Franken mache die Schweiz weniger attraktiver für Reisende aus Asien. Interessant sei zudem, dass die Beliebtheit „erschwinglicher“ Luxusgüter zunehme, wie von Adidas, Nike oder L’Oréal. Hier spielten Markenstärke und Begehrtheit eine wichtige Rolle.

          Huang Sun verwaltet den JB Luxury Brands Fund. Die größten Positionen dieses Fonds waren zuletzt Hermès, L’Oréal, LVMH, Tiffany & Co und Estèe Lauder. Laut Informationsdienst Bloomberg empfehlen aktuell zwei Drittel der Analysten, die LVMH betrachten, die Aktie zum Kauf, ein Drittel rät zum Halten. Ähnlich sieht es für Kering aus. Für die Aktien von Hugo Boss und Hermès sprechen sich rund 30 Prozent der Analysten positiv aus, die Hälfte rät zum Halten.

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