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Lukrative Investitionen : Vietnams Aktienmarkt belohnt die Anleger

Comeback: Der vietnamessische Aktienmarkt läuft wieder besser Bild: Getty Images

Der vietnamesische Aktienmarkt ist einer der besten unter den Schwellenmärkten. Er hat in einem Jahr einen Anstieg von fast 40 Prozent verzeichnet. Anleger sehen noch viel Luft nach oben, zahlreiche Wertpapiere gelten immer noch als unterbewertet.

          Nach vielen Enttäuschungen blüht er noch weitgehend im Verborgenen. Doch entwickelt sich der Aktienmarkt in Vietnam mit zunehmender Geschwindigkeit. Inzwischen ist er einer der besten der Schwellenmärkte. Über Jahre war der enge Markt der Liebling der Analysten westlicher Banken – dann zog im Jahr 2009 Realität ein, und er schmolz zusammen. Von ihren Fehleinschätzungen haben sich viele der professionellen Werber für Vietnam nicht erholt – zu viele Anleger haben sie mit ihren überoptimistischen Vorhersagen getäuscht. So halten sich die Banken bei der nun ein gutes Jahr währenden Hausse zwischen Hanoi und Ho Chi Minh City (Saigon) auffällig zurück. Dabei gelten immer noch zahlreiche vietnamesische Aktien als unterbewertet.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die australische Macquarie Bank zählt dazu unter anderen den Düngemittelhersteller Petro Vietnam Fertilizer & Chemical, den Stahlkonzern Hoa Phat Group und das Technologieunternehmen FPT Corp., die einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse ausweisen. Innerhalb eines Jahres hat der VNIndex fast 40 Prozent an Wert gewonnen, seit Jahresbeginn sind es 25 Prozent. Das ist deutlich mehr als der starke Markt der Philippinen (plus 15 Prozent) oder der einstige Liebling Thailand (10 Prozent). Der Index bildet die Entwicklung der Werte der Ho Chi Minh City Stock Exchange ab – und deren Geschichte zeigt zugleich, wie jung der Markt noch ist: Erst im Jahr 2002 führte die Börse überhaupt den täglichen Handel ein.

          „Da ist noch viel Luft nach oben“

          Entsprechend unerfahren sind die Vietnamesen immer noch. Mit dem Ende der ersten Boomphase 2009 haben sie viel Geld verloren. „Das holen wir uns jetzt zurück“, sagt Thon Tat Thanh, der gespannt die roten Ziffern auf dem Anzeigeband seines Brokers verfolgt. „Es hat sich viel getan, die Regierung macht jetzt endlich voran. Da ist noch viel Luft nach oben.“ Recht hat der 43 Jahre alte Angestellte an diesem Nachmittag zumindest damit, dass die Regierung sich um Reformen bemüht. Aus den schwierigen Jahren hat sie gelernt, dass Kapital flüchtig ist, Reformen, Verlässlichkeit und Freiheit fordert.

          Nun hat die Regierung angekündigt, ausländischen Unternehmen Steuernachlässe zu gewähren und die Bedeutung der Staatskonzerne zu verringern. „Sie sollten vor allem dem Aufbau von Infrastruktur dienen“, sagt Ministerpräsident Nguyen Tan Dung jüngst. Offen ist, ob sie sich über die – gelenkte – Zentralbank weiter für einen schwächeren Dong einsetzt, um den Export anzuheizen. Das bessere Klima zeigt sich darin, dass die Registrierung neuer Unternehmen im Mekong-Land in den ersten neun Monaten sprunghaft gestiegen ist. Die Zuversicht wird gestützt durch den Erfolg der Regierung, die Inflation auf knapp 7 Prozent zu halbieren: Das sorgt für wachsendes Vertrauen auf der Straße. Außer Frage steht, dass das Schwellenland weiter wachsen wird – die Asiatische Entwicklungsbank rechnet mit knapp 6 Prozent im nächsten Jahr. Der Index der Einkaufsmanager stieg von August (49,4) auf 51,5 im September. Jeder Wert oberhalb der 50 entspricht einer positiven Einschätzung der Konjunktur, denn die Einkäufer greifen tiefer in ihre Taschen. „Ich denke, es ist an der Zeit, dass Investoren bei Schwellenländern genauer hinschauen“, sagt Frederic Neumann, Ökonom der HSBC, mit Blick auf den Markt in Vietnam. Auch die Ausleihungen der Banken, die angesichts des Berges fauler Kredite, auf denen sie sitzen, die Geldvergabe fast zum Erliegen brachten, sind wieder angesprungen.

          Dennoch bleibt der Markt in Vietnam auch ein Glücksspiel. Vor allem fehlen – wie immer noch in China – grundlegende, verlässliche Daten. So sind etwa die Fragen nach dem Anteil der faulen Kredite an den Gesamtausleihungen offen; Schätzungen gehen von einem Sechstel aus, die Regierung spricht von 4,5 Prozent. Genauso unbekannt ist der wahre Wert der Arbeitslosigkeit. Sie wird steigen und die Kaufkraft damit belasten, wenn die Regierung, wie angekündigt, Staatsunternehmen privatisiert. „Aber das sind doch gute Nachrichten“, sagt Thon Tat Thanh. „Dann werden noch mehr Konzerne aus dem Ausland bei uns investieren. Und sie brauchen unsere Unternehmen als Zulieferer.“

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