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Lufthansa : Ölpreis drückt den Kurs auf den Boden

  • Aktualisiert am

Auch die Aktie der Lufthansa wird derzeit an den Boden gedrückt Bild: picture-alliance/ dpa

Seit Wochenanfang sinkt der Aktienkurs der Lufthansa schon kräftig. Immer mehr Analysten wenden sich von den Titel der Fluggesellschaften ab. Der hohe Ölpreis sei in den Aktienkursen noch nicht hinreichend berücksichtigt, meinen sie.

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          Die Aktien der europäischen Fluggesellschaften notierten am Mittwoch im roten Bereich. Die Titel der Deutschen Lufthansa setzten am Mittwoch ihren seit Wochenbeginn andauernden Kursverfall mit einem Sturz um bis zu 2,8 Prozent auf 15,07 Euro. In Paris fiel die Notierung von Air France-KLM um 1,9 Prozent auf 16,21 Euro, und in London verloren die Papiere von British Airways bis zu 3,7 Prozent auf 229,25 Pence.

          Es ist vor allem der hohe Ölpreis, der die Branche an den Aktienmärkten in die Warteschleife drängt. Zum einen verdüstert er die Konjunktur in der Weltwirtschaft, zum andern treibt er die Kosten der Luftfahrtgesellschaften in die Höhe.

          Hohe Verluste für die amerikanischen Fluglinien

          10 Milliarden Dollar Verlust werden in diesem Jahr voraussichtlich allein die amerikanischen Fluglinien einfliegen, schätzte am Dienstagabend der amerikanische Luftfahrtverband Air Transport Association. Dies wäre der zweithöchste Fehlbetrag in der Branche seit dem Jahr 2002, dem großen Krisenjahr nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

          Viele amerikanische Gesellschaften müssen nun schon zu unpopulären Maßnahmen greifen: Manche verlangen von den Passagieren Sondergebühren, wenn sie mehr als zwei Gepäckstücke bei sich haben, weil ein höheres Gewicht auch den Treibstoffverbrauch steigen lässt. Andere reduzieren ihre Kapazitäten oder fordern höhere Treibstoffzuschläge.

          Negative Einschätzungen von Seiten der Analysten

          Die europäischen Gesellschaften werden von dieser Entwicklung nicht verschont bleiben, fürchten immer mehr Analysten. „Wir glauben, dass die Branche stärker gefährdet ist, als in den derzeitigen Bewertungen zum Tragen kommt“, hieß es am Mittwoch in einer aktuellen Studie der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley. In den Kursen der europäischen Branchenvertreter sei ein Ölpreis von 136 Dollar je Barrel (159 Liter) noch nicht ausreichend berücksichtigt. „Deshalb sehen wir derzeit keine wertbringenden Kaufgelegenheiten“, hieß es weiter in der Studie.

          Dabei ist die Aktie der Deutschen Lufthansa mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als 6 auf Basis des für 2008 geschätzten Gewinns schon relativ niedrig bewertet. Der Durchschnitt aller 30 Dax-Werte liegt derzeit bei 11,3. Zugleich kommt der Lufthansa vor allem im Vergleich zur amerikanischen Luftfahrtbranche zu Gute, dass die Linie eine solide Kapitalstruktur aufweisen kann.

          Ein besonders schwaches Glied in der Reihe der europäischen Fluggesellschaften ist der im S-Dax notierte Billiganbieter Air Berlin plc, für den Morgan Stanley das Kursziel von 4 Euro auf 2,01 Euro halbierte. Daraufhin stürzte der Kurs in der Spitze um 14 Prozent auf ein Tagestief von 4,75 Euro.

          „Sturmwolken“ kommen auf die Branche zu

          Auch das französische Wertpapierhandelshaus Cheuvreux, das der Genossenschaftsbank Crédit Agricole gehört, reagierte auf die schlechten Branchenaussichten und stufte die Aktie der Deutschen Lufthansa von „Überdurchschnittlich“ auf „Unterdurchschnittlich“ herunter. Er sehe „Sturmwolken“ auf die Fluglinie zukommen, schrieb Analyst Sebastian Kauffmann mit Verweis auf den Ölpreis. Er senkte die Gewinnerwartungen für die größte deutsche Luftfahrtgesellschaft um 55 Prozent für das Jahr 2009 und um 39 Prozent für 2010. Dementsprechend senkte er sein Kursziel von 20 Euro auf 16 Euro.

          Dabei hat sich die Lufthansa bisher im Branchenvergleich auch gegenüber den europäischen Wettbewerbern bisher gut geschlagen. Doch Kauffmann zieht den Vergleich vor allem zum Dax, den die Lufthansa-Aktie seiner Meinung nach in der nächsten Zeit kaum schlagen kann. Auch fürchtet er, dass der Vorstand die Anleger noch mit einer Gewinnwarnung verschrecken könnte.

          Bei Morgan Stanley dagegen kommt die Lufthansa nur auf den ersten Blick besser weg. Die Analysten der amerikanischen Investmentbank hoben das Kursziel zwar, allerdings von 12 Euro auf 14,33 Euro. Damit liegt es immer noch rund 5 Prozent unter der aktuellen Notierung. Das Kursziel bedeute immer noch ein hohes Rückschlagsrisiko, kommentierte ein Börsianer.

          Kurse hängen stark am Ölpreis

          Schon am Montag stand die Lufthansa-Aktie unter Druck. Da waren es die Analysten von Goldman Sachs, die in einer Branchenstudie das Kursziel für den Titel von 16 Euro auf 14,50 Euro gesenkt hatten. Dabei legte sie eine Schätzung für den Ölpreis von 120 Dollar je Barrel zu Grunde. In der kommenden Woche hat die Führung der Lufthansa die Chance, auf einem Investorentag die Analysten für sich zu gewinnen.

          Doch so oder so bleiben die Aktien der Fluglinien fürs Erste wohl eine Wette auf den Ölpreis. Sollte mit den Anfang der Woche erreichten 140 Dollar je Barrel der Höchststand erreicht worden sein, dürften sich auch die Aussichten für die Aktien der Fluggesellschaften aufhellen.

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