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Luftfahrt : Schwieriges Geschäftsumfeld für Fluggesellschaften

  • -Aktualisiert am

Der Konkurs von US Airways hat nicht gerade dazu beigetragen, die Meinung von S&P über die Airline-Branche insgesamt zu verbessern.

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          Auch nachdem US Airways am elften August einen Insolvenzantrag gestellt hat, beurteilt S&P die Aussichten für die Airline-Branche insgesamt nach wie vor negativ. Die neueste Hiobsbotschaft: Die Muttergesellschaft von United Airlines, UAL, hat bekannt gegeben, dass sich die Fluggesellschaft auf einen möglichen Konkursantrag im Herbst vorbereitet.

          In dem Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Konkursrechts führt US Airways Vermögenswerte in Höhe von 7,81 Milliarden Dollar sowie Verbindlichkeiten in Höhe von 10,7 Milliarden Dollar auf. Die sechstgrößte Fluggesellschaft der USA wird den Flugbetrieb aufrechterhalten und sich gleichzeitig umstrukturieren. Wie bei fast allen Insolvenzverfahren werden die Aktionäre bei der Umstrukturierung wahrscheinlich das Nachsehen haben. Durch den Konkursantrag dürfte das Unternehmen jedoch mehr Spielraum für die Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften bekommen und könnte am Ende stärker und wettbewerbsfähiger aus dem Verfahren hervorgehen. Statt im Wert zu steigen dürfte der Aktienkurs dennoch in Richtung Null absacken. Die Aktien sind seit dem Börsenschluss am Freitag, als sie bei 2,45 Dollar notierten, vom Handel ausgeschlossen. S&P bewertet US Airways nach wie vor mit „Avoid“.

          Schwieriges Geschäftsumfeld bleibt bestehen

          Vor US Airways hatten bereits die kleineren Fluggesellschaften Midway Airlines und Vanguard Airlines den Gang zum Konkursrichter antreten müssen. Die Branche leidet enorm unter der schwachen Konjunktur und dem niedrigen Passagieraufkommen nach den Terroranschlägen vom 11. September. Zudem waren die Fluggesellschaften in letzter Zeit mehrfach von Arbeitskämpfen betroffen.

          Am 12. August kündigte AMR, die Muttergesellschaft von American Airlines, als Reaktion auf die massiven Verluste der Fluggesellschaft, einen Umstrukturierungsplan an. Den Angaben von AMR zufolge sollen 7000 Stellen gestrichen, ein Flugzeugtyp komplett aus dem Verkehr gezogen, der Flugplan am Heimatflughafen von American Airlines in Dallas-Ft. Worth umgestellt und bestimmte Flugzeuge neu konfiguriert werden. Darüber hinaus plant das Unternehmen, von Juli bis November seine Kapazitäten um neun Prozent zu reduzieren, um so dem schwierigen Geschäftsumfeld Rechnung zu tragen. Die Aktien von AMR fielen am Montag auf ein neues 52-Wochen-Tief von 8,36 Dollar.

          S&P ist der Meinung, dass diese Maßnahmen beträchtliche Einsparungen bewirken dürften, ohne dabei jedoch die Umsatzchancen des Unternehmens gravierend zu schmälern. Zudem verfügt AMR - trotz der Befürchtungen einiger Anleger - über genug Liquidität und ausreichend Zugang zu den Kapitalmärkten, um einen Konkurs vermeiden zu können. Wegen der außerordentlich schwierigen Geschäftslage bewerten wir die Aktie jedoch weiterhin mit „neutral“.

          Auch UAL könnte bald Gläubigerschutz beantragen müssen

          Mittlerweile sind auch die Aktien von UAL eingebrochen - nachdem das Unternehmen eine staatliche Kreditbürgschaft in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar beantragt hat, wird verstärkt darüber spekuliert, ob UAL der nächste Pleitekandidat ist. Für viele Fluggesellschaften haben die von der US-Regierung im Rahmen des U.S. Air Stabilization Act ausgezahlten Gelder nicht ausgereicht, um die nach den Terroranschlägen entstandenen Verluste auszugleichen.

          Am 14. August warnte UAL, dass das Unternehmen Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen muss, falls es nicht gelingt, innerhalb der nächsten 30 Tage die Kosten drastisch zu senken. Den Angaben des Unternehmens zufolge werden im vierten Quartal Schuldenrückzahlungen in Höhe von 875 Millionen Dollar fällig. UAL verfügt derzeit über keinen ausreichenden Zugang zu den Kapitalmärkten, um diese Schulden zurückzuzahlen.

          Schwache Indexentwicklung

          Von Jahresbeginn bis zum 9. August ist der S&P Airlines Index um 36,1 Prozent eingebrochen, während der S&P 1500 Super Composite Index im gleichen Zeitraum 20,2 Prozent verloren hat. Die Indexentwicklung der Branche hat unter den Kursrückgängen bei angeschlagenen Unternehmen wie American Airlines, United Airlines, US Airways und America West gelitten. Für zusätzlichen Abwärtsdruck sorgte ein starker Kursverfall bei Southwest Airlines, einer der wenigen profitablen Fluggesellschaften.

          Unserer Ansicht nach sollten Anleger, die in den Airline-Sektor investieren wollen, nach besser positionierten Fluggesellschaften mit einer guten Kapitalausstattung Ausschau halten. S&P bewertet die Aktien von Southwest, Continental, AirTran Holdings und Alaska Air mit „Accumulate“.

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