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Luftfahrt : Lufthansa-Aktie mit Getriebeschaden

  • -Aktualisiert am

Nach der Gewinnwarnung musste der Kranich eigentlich die Flügel hängen lassen Bild: dpa

Überraschend hoch ist die Lufthansa-Gewinnwarnung ausgefallen. Weniger überraschend ist, dass die Aktie zum Dax-Tagesverlierer avanciert.

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          Negativüberraschung von der Lufthansa. Dass eine Gewinnwarnung drohte, war nach der kostspieligen Tarifeinigung mit den Piloten klar. Doch dass der operative Gewinn gleich um 25 bis 30 Prozent sinken soll, ist doch deutlich mehr als allgemeinhin angenommen wurde.

          Da sich die Analysten innerlich bereits darauf eingestellt hatten, dass der operative Gewinn aus dem Vorjahr von einer Milliarde Euro nicht zu halten sein wird, lagen die Schätzungen für das Jahr 2001 zuletzt bei rund 900 Millionen Euro. Doch da die Lufthansa selbst jetzt nur noch zwischen 700 und 750 Millionen Euro in Aussicht stellt, wird es Anpassungen bei den Gewinnschätzungen geben müssen. Beim Bankhaus Metzler geht Analyst Jürgen Pieper davon aus, dass er seine Schätzung für den Gewinn je Aktie von 1,79 Euro in den Bereich zwischen 1,40 und 1,50 Euro absenken wird.

          Größter Tagesverlierer unter den Dax-Werten

          In Sachen Anlageempfehlung ist diese Hiobsbotschaft für Pieper aber kein Problem. Er kann gelassen bei seiner Verkaufsempfehlung bleiben. „Das Jahrestief bei gut 19 Euro wird bestimmt noch einmal getestet“, ist er sich sicher. Am Mittwochvormittag befindet sich die Kranich-Aktie auf dem besten Weg dorthin. Nachdem bereits am Dienstag ein Minus von 2,92 Prozent auf 21,26 Euro zu Buche stand, avanciert der Titel mit einem Abschlag von bisher fünf Prozent auf 20,20 Euro am Berichtstag zum größten Verlierer im Dax.

          Keine Veranlassung an der auf übergewichten lautenden Anlageempfehlung etwas zu ändern sieht man beim Bankhaus Delbrück. Schließlich sei Lufthansa noch immer das Aushängeschild unter den europäischen Branchenvertretern. Nicht nur schwarz sieht auch Uwe Weinreich von der Bankgesellschaft Berlin die Zukunft der Lufthansa-Aktie. Seine Empfehlung lautet, den Titel zu halten. „In den nächsten zwei bis drei Monaten wird es auch bei anderen europäischen Fluggesellschaften noch Anpassungen bei den Gewinnen geben. Dann hat sich das aber“, bringt Weinreich seine Hoffnung auf eine im zweiten Halbjahr anspringende Konjunktur zum Ausdruck.

          Warnung kommt spät

          Doch selbst wenn sich diese Hoffnung erfüllen sollte, bleibt ein fader Nachgeschmack. Als kritischer Beobachter fragt man sich, warum der Vorstand trotz der absehbaren Belastung bislang hartnäckig an seiner Ergebnisprognosen festgehalten hat. Denn die jetzt angeführten Gründe Pilotentariferhöhung, Streikkosten und eingetrübte Weltkonjunktur sind nicht erst seit gestern absehbar gewesen.

          Was gegen Luftfahrtaktien allgemein spricht, ist das im April um 0,2 Prozent gefallene Verkehrsaufkommen. Dies ist immerhin der erste Rückgang seit 1991. „Für ein Wachstumsgeschäft ist das ein außergewöhnliches Zeichen“, konstatiert Pieper. Vor diesem Hintergrund seien die Kapazitätsausweitungen bei der Lufthansa derzeit kritisch zu sehen. Wenngleich Weinreich den hohen Ölpreis als temporäres Ereignis einstuft, darf auch die über diese Schiene gestiegene Kostenbelastung nicht übersehen werden.

          Fazit: Das auch nach der Gewinnrevision relativ niedrige Bewertungsniveau dürfte ein starkes Absacken des Kurses verhindern. Fantasie nach oben beinhaltet der Kurs aber auch nicht, so dass sich derzeit kein Grund für ein Engagement in dem Papier aufzwängt.

          Unten sehen Sie den Einjahreschart von Lufthansa

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