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Luftfahrt : A380 bringt EADS-Aktie zum Absturz

  • Aktualisiert am

Eine Menge Ärger macht der A380 Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Treffen schlechte Nachrichten auf ein schlechtes Umfeld, kommt es rasch zu Kurskatastrophen. Am Mittwoch lassen neuerliche Verzögerungen beim Super-Airbus A380 die EADS-Aktie über 20 Prozent in die Tiefe stürzen.

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          Schlechte Nachrichten sind für Aktienkurse nie gut. Treffen sie auf ein extrem schlechtes Umfeld führen sie rasch zu einer Kurskatastrophe. Die zeigt sich am Mittwoch deutlich am Beispiel der EADS-Aktie.

          Über 20 Prozent stürzt der Anteilsschein des Mutterkonzerns von Airbus am Mittwoch morgen in die Tiefe, nachdem der Konzern mitteilte, daß sich der Auslieferungszeitplan für den Super-Airbus A380 erneut um sechs bis sieben Monate nach hinten verschiebt.

          Unmittelbare Gewinneinbußen von 500 Millionen Euro pro Jahr

          Dies werde den Airbus-Mutterkonzern EADS eigenen Angaben vom Dienstag zufolge von 2007 bis 2010 operativ mit 500 Millionen Euro jährlich belasten. Diese Belastungen ergäben sich aus der Verschiebung der positiven Ergebnisbeiträge aus dem Verkauf der
          Flugzeuge, zusätzlichen Kosten zum Aufholen der Verzögerung und Schadensersatzzahlungen an die betroffenen Fluggesellschaften. Nicht berücksichtigt seien mögliche Abbestellungen auf Grund der zeitlichen Verzögerung.

          Bild: FAZ.NET

          Die Prognose für das laufende Jahr bestätigte EADS, da der geringere Anteil von Airbus am operativen Konzernergebnis (Ebit) durch Kostensenkungen beim Flugzeugbauer Airbus und die insgesamt gute Entwicklung des Konzerns ausgeglichen werden könnte.

          Dies ist indes eine fundamentale Wende in den Ertragsdaten des Konzerns, bei dem Airbus bislang stets eine Ertragsperle war. Diese waren zwar bereits in den vergangenen Monaten durch Probleme beim A380, der die Boeing 747 als größtes Passagierflugzeug der Welt ablöst, und dem A350 für die Langstrecke beeinträchtigt worden, doch die Hiobsbotschaft vom Mittwoch bringt diese Schwierigkeiten auf ein neues Niveau.

          „Ernstes Problem“

          „Wir haben ein ernstes Problem beim Hochlauf der A380-Produktion“, sagten die beiden Co-Chefs von EADS, Thomas Enders und Noel Forgeard. „Wir erwarten deshalb von der Führung von Airbus, daß sie den neuen Zeitplan voll einhält und nach Möglichkeit
          übertrifft.“ An der Erstauslieferung des ersten A380 an Singapore Airlines Ende diesen Jahres hielt Airbus fest.

          2007 würden aber voraussichtlich nur neun anstatt der geplanten 20 bis 25 Flugzeuge montiert, hieß es. 2008 würden fünf bis neun Maschinen weniger die Hallen verlassen, 2009 rund fünf. Grund sind erneut Probleme bei der Herstellung und Installation der Elektronik, die eine Neuordnung der Arbeitsabläufe bei der Produktion erforderlich machten. Probleme mit den elektronischen Systemen hatten bereits die Erstauslieferung des A380 um gut ein halbes Jahr verzögert.

          Bislang liegen Airbus 159 Bestellungen von 16 Kunden vor. Mit 43 Bestellungen hat Emirates die Nase vorn. Allerdings hatte die Fluggesellschaft zuletzt Kritik an der Frachtversion geäußert und diese Bestellungen in Passagiermaschinen umgeändert. Die
          Deutsche Lufthansa hat 15 Stück des neuen Super-Airbus bestellt. Vier davon sollte sie Ende 2007 erhalten, die ab dem Sommerflugplan 2008 eingesetzt werden sollten.

          Entschädigungsverhandlungen laufen

          Die Fluggesellschaft Singapore Airlines hat sich am Mittwoch enttäuscht über die weitere Verzögerung der Auslieferung des Super-Airbus A380 geäußert und verhandelt bereits mit der Airbus-Mutter EADS über Kompensationen. „Wir arbeiten mit Airbus zusammen, um die Verzögerungen und deren Auswirkungen so gering wie möglich zu halten“, sagte ein Sprecher der Gesellschaft. Auch die Emirate verlangen bereits Entschädigungen.

          „Die Wolken ziehen sich über Airbus zusammen“, sagt Pierre Boucheny, Analyst bei Kepler Securities in Paris. „Sie sind schon beim A350 im Verzug um mit der Boeing 787 zu konkurrieren und jetzt haben sie noch mehr Probleme mit dem A380.“

          Analysten setzen am Mittwoch ihre Kursziele deutlich herab. Die Hypo-Vereinsbank senkte dieses auf 31 von 40 Euro. Die Verzögerungen dürften den anvisierten Gewinn vor Zinsen und Steuern 2007 bis 2010 jährlich um etwa 500 Millionen Euro schmälern und auch den Nettogewinn bis ins Jahr 2010 belasten. Einzig positiv sei, daß bislang keiner der 16 Kunden seine Aufträge für den A380 zurückgezogen habe.

          Einstiegsgelegenheit für Mutige

          Die Deutsche Lufthansa gab bekannt, daß man die Flottenstrategie wegen der Lieferverzögerung nicht verändern werde. Es seien zu viele Vorbereitungen für den Einsatz der Maschine getroffen worden, sagte Lufthansa-Sprecherin Christine Ritz am Mittwoch zu Dow Jones Newswires. Allerdings gehöre die Fluggesellschaft nicht zu den Erstkunden des neuen Modells und sei deswegen nicht direkt von verschobenen Lieferungen betroffen.

          Morgan Stanley senkten das Kursziel für EADS von 40 auf 30 Euro. Allerdings sehen die Analysten auf einem niedrigeren Niveau ein gutes Einstiegsniveau für Investoren mit einem Horizont von 12 bis 24 Monaten.

          Trotz der ausgesprochen schlechten Nachrichten erscheint dies so abwegig nicht. Denn die Verzögerungen werden EADS wehtun, aber den Konzern nicht ins Wanken bringen. Daher erscheint die Kursreaktion am Mittwoch morgen etwas überzogen. Auf Basis der reduziertenPrognosen liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis um zehn und macht die Aktie damit recht günstig.

          Andererseits ist das längerfristige Ausmaß der Schäden durch mögliche Stornierungen oder den Verlust potentieller Auftraggeber noch nicht abzusehen. Das macht das Investment riskanter. Insofern empfiehlt sich die Aktie derzeit nur für Mutige. Wer die Dinge eher vorsichtig angeht, wartet besser ab, bis sich die Dinge beruhigt haben.

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