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Nach dem Brexit-Votum : Londons Erben: Diese vier EU-Finanzplätze sind im Wettstreit

  • -Aktualisiert am

Canary Wharf - das Londoner Finanzzentrum. Bild: AFP

Wohin gehen nach dem Brexit-Votum der Briten abwanderungswillige britische Banken? Paris, Frankfurt, Dublin und Luxemburg sind für die verschiedenen Teile der Branche von sehr unterschiedlichem Interesse.

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          Städte rüsten sich schon, das Erbe Londons anzutreten: Seit die Briten für „Brexit“ votiert haben, sind die Augen vieler Wirtschaftsförderer, Standort-Marketing-Spezialisten und der Finanzplatz-Initiativen auf abwanderungswillige Teile der britischen Bankenbranche gerichtet. Noch halten sich die Bankkonzerne in Großbritannien zwar bedeckt, wer jetzt wirklich konkret mit wie vielen Mitarbeitern umziehen will. Immerhin gab es am Donnerstag bereits Berichte, die erste größere Auslandsbank, die United Overseas Bank aus Singapur, stoppe nun die Immobilienkredite für London. Und schon vor der Brexit-Entscheidung hatten Banken wie HSBC oder Morgan Stanley angedeutet, entsprechende Notfallpläne zu haben - auch wenn HSBC am Donnerstag noch einmal versicherte, die Zentrale nicht aus London abzuziehen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Aber welcher Finanzplatz in der Europäischen Union wird von einer möglichen Verlagerung von Bankarbeitsplätzen profitieren? Wie attraktiv sind denn die verschiedenen Alternativen zu London in der EU überhaupt für die Banken? Das ist offenbar je nach Sparte des Bankgeschäftes etwas unterschiedlich. Vor allem vier Finanzplätze innerhalb der EU kämen für maßgebliche Teile des Londoner Bankgeschäftes als Ziel-Standorte in Frage, heißt es bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die sich seit zehn Jahren mit dem statistischen Vergleich und der qualitativen Bewertung der verschiedenen Bankenstandorte in Europa beschäftigt.

          Unstrittig lägen Dublins Vorteile in puncto Sprache

          „Schwerpunktmäßig kommen für die Verlagerung die Finanzplätze Frankfurt, Paris, Dublin und Luxemburg in Frage“, sagt Gertrud Traud, die Chefvolkswirtin der Helaba. Ohne allerdings auszuschließen, dass auch Standorte außerhalb der EU in Asien, Amerika oder der Schweiz Brexit-Nutznießer sein könnten.

          Unstrittig lägen Dublins Vorteile in puncto Sprache, räumlicher Nähe und niedrigen Steuern, meint Traud. Luxemburg steche als Fondsstandort hervor. Paris könne mit dem Status als Weltstadt punkten. Frankfurt habe aber - zumindest nach dem aktuellen Finanzplatzranking der Helaba - mittlerweile die Nase vor Paris. „Für Frankfurt sind die wirtschaftliche Stärke und Stabilität der größten europäischen Volkswirtschaft, der Sitz der Europäischen Zentralbank, die gute Infrastruktur und die Drehscheibenfunktion gerade beim Auslandsbankengeschäft wichtige Pluspunkte“, meint die Ökonomin. Frankfurt in seiner Rolle als europäische Aufsichtsmetropole sei auch der natürliche Standort für die europäische Bankenaufsicht EBA, die derzeit noch in London angesiedelt ist. „Auch im Bereich des Megatrends Digitalisierung sehen wir Frankfurt vor Paris“, berichtet die Helaba.

          Prinzipiell könnten alle Geschäftsbereiche in London mit einer internationalen Ausrichtung von einer Verlagerung betroffen sein, meint die Helaba. Zu nennen seien neben dem Fondsgeschäft das Investmentbanking sowie das Handelsgeschäft. „Gerade bei diesen beiden Bereichen wird der Wettbewerb zwischen Frankfurt und Dublin sehr intensiv sein“, sagt Traud.

          Schon rein größenmäßig sind die vier Finanzplätze, die einen Teil des Erbes von London antreten könnten, dabei ausgesprochen verschieden. Auf rund 70.000 Beschäftigte im Finanzsektor kommt Frankfurt laut Helaba, in Dublin sind es etwa 23.000, 43.000 sollen es in Luxemburg sein - im Großraum Paris dagegen gebe es etwa 800.000 Mitarbeiter im Finanzsektor, bei sehr unterschiedlichen Bevölkerungszahlen in den jeweiligen Regionen. Allerdings sind diese Zahlen umstritten, sie hängen sehr von der Zählweise ab.

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