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Logistik : Post-Aktie legt Vollbremsung hin

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Derzeit nicht Anlegers erste Wahl Bild: dpa/dpaweb

Das Amerikageschäft läuft schlechter als erwartet, außerdem birgt die Integration der Milliardenübernahme Exel einige Risiken. Die Aktie der Deutschen Post muß man derzeit nicht haben.

          Eine Gewinnsteigerung von etwa 40 Prozent honoriert die Börse nicht, wenn zugleich der Ausblick nicht überzeugen kann. Ein schönes Beispiel für diese Beobachtung ist die Deutsche Post: Nach den milliardenschweren Übernahmen des Vorjahres hat der Bonner Konzern für 2006 eine Verschnaufpause beim Betriebsgewinn angekündigt und damit für einen Kurseinbruch ihrer Aktien gesorgt.

          Der operative Gewinn (Ebit) werde bei einem deutlich steigenden Umsatz von über 60 Milliarden Euro voraussichtlich den Vorjahreswert von knapp 3,8 Milliarden Euro nicht stark überschreiten, teilte der Logistikkonzern am Dienstag in Bonn mit. Die Post-Aktien verloren bis zum Mittag mehr als fünf Prozent und notierten bei 21,54 Euro (Isin DE0005552004).

          Prognose „mit etwas höheren Risiken verbunden“

          Analysten sagten, die Prognose für 2006 sei angesichts der Integration des 5,5 Milliarden Euro teuren britischen Zukaufs Exel mit Risiken behaftet. „Es könnte auch einen Tick schlechter ausfallen, wenn die Kosten für die Exel-Integration die Erwartungen des Managements übersteigen“, sagte Per-Ola Hellgren, Analyst von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). „Im schlimmsten Fall ist sogar ein Ebit von 3,5 Milliarden Euro möglich“, sagte er. Die Jahresprognose der Post sei „anders als in früheren Jahren mit etwas höheren Risiken verbunden“.

          Die längerfristige und bereits bekannte Zielvorgabe, ein Ebit von fünf Milliarden Euro bis 2009 zu erreichen, hält Hellgren angesichts der unsicheren Entwicklung des Geschäfts in den Vereinigten Staaten weiterhin für ambitioniert. Trotzdem bestätigte die LRP bestätigte am Dienstag ihr „Marketperformer“-Votum.

          Amerikageschäft bereitet Sorgen

          Die Post hatte Exel im vergangenen Jahr übernommen und rückt damit zur weltweiten Nummer eins in der Logistik auf. Mit nunmehr rund 500.000 Mitarbeitern ist der Konzern zum siebtgrößten privaten Arbeitgeber weltweit geworden. Die wichtigsten Etappen der Integration will der Vorstand bis Ende des Jahres abschließen. Zudem muß das Management Fortschritte im Expressgeschäft in den Vereinigten Staaten erreichen, wo die Post den amerikanischen Konzernen UPS und FedEx auf deren Heimatmarkt die Stirn bieten will und angesichts des harten Wettbewerbs hohe Verluste einfährt.

          Eigentlich hatte die Post Ende 2006 die Verlustzone in ihrem Nordamerika-Geschäft verlassen wollen. Dazu wird es wohl nicht kommen: „Wir gehen davon aus, daß wir auch 2007 keine schwarzen Zahlen in den USA schreiben werden“, sagte Zumwinkel. Die Entwicklung solle im kommenden Jahr aber deutlich besser als 2006 ausfallen: 2007 wolle die Post die Verluste „kontinuierlich abbauen“. Zumwinkel räumte ein, daß die Entwicklung in den Vereinigten Staaten nicht planmäßig“ verlaufen sei.

          Briefmonopol soll auch 2006 Milliardengewinn bringen

          Den Löwenanteil zum Betriebsgewinn soll 2006 abermals mit rund zwei Milliarden Euro die Briefsparte beisteuern, die in Deutschland vom Briefmonopol profitiert. Die Expresssparte soll trotz der Probleme in den Vereinigten Staaten insgesamt 445 Millionen Euro zum Ergebnis beitragen. Dies entspricht dem Wert, den die Post bereits 2005 angestrebt hatte. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte aber eine Abschreibung über 434 Millionen Euro auf das amerikanische Geschäft dafür gesorgt, daß das Ergebnis von 117 auf elf Millionen Euro eingebrochen war.

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