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Lkw-Allianz : Scania bringt VW schwer unter Druck

VWs LKW-Allianz wird zum Gewaltakt Bild: ddp

Der Aktienkurs von VW steht unter Druck. Die geplante, teure, vollständige Übernahme von Scania findet wenig Zustimmung. Sie erscheint kaum sinnvoll.

          Wir sagen nein!“ Genau so, in deutscher Sprache, überschrieb die schwedische Wirtschaftszeitung „Dagens industri“ am Wochenende ihren Leitartikel zur geplanten Komplettübernahme von Scania durch VW. Die Skandinavier wollen nach Volvo nicht noch eine weitere heimische Industrie-Ikone an ausländische Mächte verlieren, zumal Scania kein Sanierungsfall ist. Auf diesen Porsche unter den Lastwagenherstellern sind sie zu Recht stolz.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Allerdings ist Scania zu einem gerüttelt Maß selbst schuld, dass es nun wohl vollständig in das riesengroße VW-Reich einsortiert wird. Angetrieben vom Konzernpatriarchen Ferdinand Piëch, bemühen sich die Wolfsburger seit Jahren darum, aus dem Nebeneinander im Lastwagengeschäft ein echtes Miteinander zu machen. Der „integrierte Nutzfahrzeugkonzern“, bestehend aus Scania, MAN und den leichten Lastenträgern der Marke VW, wurde vielfach beschworen. Wirklichkeit wurde er nie. Das lag auch am Widerstand der Schweden, die auf ihre Eigenständigkeit pochten und über eine Einkaufsallianz hinaus am liebsten nichts mit ihren deutschen Partnern zu tun haben wollten. Dabei konnten sie sich hinter dem schwedischen Aktienrecht verstecken, das Minderheitsaktionären starke Rechte garantiert und eine Kooperation auf Armeslänge gebietet.

          Um trotzdem zu gedeihlicher Zusammenarbeit zu kommen, hatte Piëch den langjährigen Scania-Chef Leif Östling 2012 in den VW-Vorstand berufen und ihm die Verantwortung für die Nutzfahrzeugsparte übertragen. Damit hatte er freilich den Bock zum Gärtner gemacht. Der Schwede blieb seiner bisherigen Abstandshaltung treu und ließ seine alten Freunde bei Scania weiterhin an der langen Leine laufen. Diese falsche Personalentscheidung hat Piëch nun korrigiert: Im kommenden Jahr übernimmt der ehemalige Mercedes-Vorstand Andreas Renschler die Führung des Lastwagengeschäfts.

          Schwer im Magen der Vorzugsaktionäre

          Gleichsam als Antrittsgeschenk für Renschler sorgt VW bei Scania jetzt für klare Verhältnisse. Dafür greifen die Wolfsburger sehr tief in die Tasche. Sie gewähren den außenstehenden Aktionären eine satte Prämie von mehr als 50 Prozent, damit sie ihre Anteilsscheine in ausreichender Zahl verkaufen. So summiert sich der Preis für die volle Übernahme auf sage und schreibe 7 Milliarden Euro. Lohnt sich ein solch hoher Einsatz, nur um aus einer sehr starken eine beherrschende Position zu machen? VW verweist auf Synergien mit zusätzlichen Kostenvorteilen von 650 Millionen Euro, die nur in einem engen Verbund gehoben werden könnten. Diese wirken allerdings ziemlich dürftig, wenn man sie ins Verhältnis zum Mitteleinsatz setzt und sich zudem vergegenwärtigt, dass sie erst in zehn Jahren sichtbar werden sollen. Die Produktzyklen im Lastwagenbau sind sehr lang.

          „Der Scania-Deal macht weder aus finanzieller Sicht noch von der industriellen Logik her Sinn“, sagt Arndt Ellinghorst vom Londoner Analysehaus International Strategy & Investment. Die Ratingagentur Fitch befürchtet gar, die aggressive Akquisitionsstrategie könne den finanziellen Spielraum von VW verringern. Der Konzern werde im laufenden Jahr voraussichtlich zwischen 40 und 50 Prozent der geplanten Übernahme aus dem Mittelzufluss finanzieren.

          Den Vorzugsaktionären von VW dürfte das Geschäft aber nicht nur deshalb schwer im Magen liegen. Sie werden mit einer Kapitalerhöhung von bis zu 2 Milliarden Euro zur Kasse gebeten, während sich die stimmberechtigten Stammaktionäre, allen voran die dominierenden Familien Piëch und Porsche sowie das Land Niedersachsen, einen schlanken Fuß machen. Für weitere drei Milliarden will VW Hybridkapital begeben. Was Wunder, dass der Aktienkurs am Montag um mehr als 7 Prozent fällt.

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