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Linux-Software : Übernahmegerücht treibt Red Hat-Aktie

  • Aktualisiert am

Linux-Anbieter wie Red Hat sind begehrt Bild: dpa

Hat AOL Interesse an einer Übernahme von Red Hat? Nach dem Urteil der Börsianer ja, denn sie jagen den Kurs um 20 Prozent nach oben.

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          An der Fusionsfront war es im Zuge der sinkenden Aktienkurse zuletzt etwas ruhiger geworden. Aber zumindest in Sachen Gerüchte scheint jetzt wieder etwas mehr Leben ins Spiel zu kommen.

          Die neueste Spekulation in der Technologiebranche lautet, dass AOL TimeWarner Interesse an einer Übernahme von Red Hat haben könnte. Ziel dabei sei es, ein alternatives Softwareangebot zu entwickeln, um dem Konkurrenten Microsoft Marktanteile abzunehmen. Diese Variante war am Wochenende zumindest von der "Washington Post" hochgekocht worden, nachdem sich schon seit einiger Zeit Übernahmegerüchte um die führende Vertriebsgesellschaft des Betriebssystems Linux ranken.

          Die Börsianer in Europa scheinen dem Gerücht einen wahren Kern zuzubilligen. Zumindest klettert die Aktie von Red Hat am Montagvormittag im Frankfurter Handel um rund 20 Prozent auf 11 Euro. Die Anleger in den USA können feiertagsbedingt erst am Dienstag auf das Gerücht reagieren. Man darf gespannt sein, wie ihr Urteil ausfällt.

          Interessantes Übernahmeziel

          Vermutlich werden auch Sie auf den Zug aufspringen. Allerdings möglicherweise nur mit etwas gebremsten Schaum. Denn die Tatsache, dass die Vorstände zuletzt nur als Verkäufer der eigenen Aktie aufgetreten sind, lässt nicht auf ein baldiges Übernahmeangebot schließen.

          Mittelfristig könnte Red Hat aber durchaus ein Übernahmeopfer werden. Als lukratives Ziel gilt der weltweit größte und anerkannteste Anbieter von Linux-Software allemal. Schließlich ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent in einem Wachstumsmarkt, den das frei zugängliche Betriebssystem Linux nun einmal bildet, hervorragend positioniert. Und über eine jüngst getroffene Vertriebsvereinbarung mit IBM im Bereich Mittelstandsfirmen dürfte diese Stellung weiter untermauert werden.

          Dennoch darf natürlich nicht übersehen werden, dass Red Hat inzwischen bereits wieder eine stattliche Bewertung aufweist. Nach einer Kursverdreifachung seit September 2000 beträgt die Marktkapitalisierung 1,7 Milliarden Dollar. Der für das Geschäftsjahr 2001/2002 geschätzte Umsatz liegt dagegen nur bei 91 Millionen Dollar. Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist bei einem voraussichtlich nur marginalen Gewinn ausgesprochen hoch.

          Stattliches Bewertungsniveau

          Die Bewertungsbedenken halten aber einen erfahrenen US-Börsenprofi wie Bernie Schaeffer von Schaeffer´s Investment Research nicht davon ab, dem Titel einen Kursanstieg bis auf 20 Dollar zuzutrauen. Ob es tatsächlich wie weit kommt, bleibt abzuwarten. Die jüngste Dynamik beim Aktienkurs scheint noch eine Weile tragen zu können. Insbesondere dann, wenn es dem 1994 gegründeten Unternehmen gelingt, bei der nächsten Ergebnisbekanntgabe am 19. März beim erwarteten Gewinn je Aktie von einem Cent noch etwas draufzulegen.

          Interessierte Anleger müssen sich aber bewusst sein, dass bei einem Wert wie Red Hat, der seit seinem Börsengang im August 1999 bereits alle Höhen und Tiefen mitgemacht hat, das Kurspendel bei einem Stimmungswandel auch schnell wieder in die andere Richtung umschlagen kann. In diesem Falle müssen engagierte Anleger zum sofortigen Ausstieg bereit sein.

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