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Auf Einkaufstour : Lanxess sieht sich gerüstet

  • -Aktualisiert am

Pigmente zur Lederfärbung: Lanxess sieht sich bei Farbpigmenten als Marktführer. Bild: Lanxess

Die Kautschuk-Kooperation mit den Saudis bringt Lanxess Geld für mögliche Übernahmen in die Kasse. Im März will der Kölner Chemiekonzern zudem seinen Aktionären eine gute Bilanz präsentieren.

          Matthias Zachert wirkt recht entspannt. Ein paar graue Haare mehr, dafür einige Sorgenfalten weniger, so beschreibt er persönlich seine Verfassung. Seit er im April 2014 an die Spitze des Kölner Chemiekonzerns Lanxess gewechselt ist, ist viel passiert. Damals war das Unternehmen wegen hoher Fehlinvestitionen in den von beträchtlichen Überkapazitäten geprägten Kautschukmarkt in eine bedrohliche Lage geraten. Die Kostensituation war ernst, Lanxess der am höchsten verschuldete Chemiekonzern. Dem Finanzfachmann gelang es, in kürzester Zeit eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Restrukturierung durchzusetzen. Er kappte die Kosten vor allem in der Verwaltung, rund 1000 Mitarbeiter mussten gehen, und er brachte ein Programm zur Optimierung von Produktion und Standorten auf den Weg. Und schließlich konnte er im September mit der Saudi Arabian Oil Company (Saudi Aramco) den größten Ölproduzenten der Welt für das zyklische Geschäft mit synthetischem Kautschuk als Partner ins Boot holen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Inzwischen sieht Zachert den Konzern hinreichend gefestigt, die Hebel wieder auf Wachstum umlegen zu können. Zwei Jahre früher als zunächst geplant. Dabei traut er Lanxess inzwischen sogar externes Wachstum über Zukäufe zu. Seine Leute sind längst dabei, die Branche auf möglicherweise passende Objekte zu durchleuchten. „Wir haben einige Ziele und Ideen, aber wir werden uns nicht treiben lassen“, versichert Zachert im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Parallel zur Vorbereitung des Strategiewechsels hat vor gut einem Jahr die Analyse begonnen, wie sich das Wachstum in den übrigen Geschäftsfeldern forcieren lässt. Rund 400 Millionen Euro aus den 1,2 Milliarden Euro, die im Sommer von Aramco für das Joint Venture fließen werden, sind bis 2020 für Investitionen eingeplant. In den strategischen Mittelpunkt rücken die Geschäfte mit chemischen Zwischenprodukten wie Agrochemikalien, Hochleistungskunststoffen sowie Spezialchemikalien etwa für die Lederindustrie und die Wasseraufbereitung. Doch mit Wachstum allein aus eigener Kraft will sich Zachert nicht zufriedengeben: „Bei solider Finanzierung, die das Investment Grade Rating nicht gefährdet, ist eine Milliarde Euro für Zukäufe darstellbar.“

          Die Übernahmepläne beziehen sich neben den Performance Chemicals, also den Spezialchemikalien zur Veredlung von Produkten, in erster Linie auf die Wachstumsfelder chemische Zwischenprodukte und die „High Performance Materials“, wie das Geschäft mit Hochleistungskunststoffen beispielsweise für den Leichtbau von Fahrzeugen bei Lanxess heißt. In diesen Bereichen gebe es Bedarf für Konsolidierungsschritte, meint Zachert, der vor der Abspaltung der Gesellschaft vom Bayer-Konzern vor mehr als zehn Jahren zunächst einige Jahre lang Finanzvorstand von Lanxess war, zwischenzeitlich dieselbe Position bei Merck innehatte, um 2014 ins Rheinland zurückzukehren. Anders sieht es bei den anorganischen Pigmenten aus. „Dort sind wir schon Marktführer, extern ist da nur noch wenig möglich“, meint er. Stattdessen will Zachert vor allem in China verstärkt in eigene Anlagen investieren. Sein Ziel ist es, Lanxess in diesen Wachstumssparten dauerhaft in der Spitzengruppe der drei führenden Anbieter zu etablieren.

          Bei der Suche nach geeigneten Übernahmezielen braucht sich Zachert nicht unter Druck setzen zu lassen. Es kommt ihm zugute, dass Lanxess das rund 3 Milliarden Euro Umsatz repräsentierende Kautschukgeschäft noch drei Jahre lang voll konsolidieren kann. So lange hat er auf jeden Fall Zeit, die dann kommende Umsatz- und Ertragsdelle abzufedern. In der Rückschau kann Zachert der eigenen Schwächephase wenigstens einen positiven Aspekt abgewinnen: Lanxess ist erst gar nicht in die Verlegenheit geraten, sich an einem vorübergehend stark überhitzten Übernahmekampf auf dem Chemiemarkt zu beteiligen. Waren in den vergangenen ein, zwei Jahren Höchstpreise aufgerufen worden, rechnet sich Zachert nun günstigere Gelegenheiten aus. „Auf dem Markt ist so viel geschehen, dass die Unternehmensbewertungen jetzt eher wieder heruntergehen“, schätzt er.

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