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Länder-Performance : Das beschauliche Zypern hängt im Oktober alle Weltbörsen ab

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Wesentlich besser als zuletzt gestaltet sich die Bilanz der Weltbörsen im Oktober. Am allerbesten lief es dank der bevorstehenden EU-Aufnahme in Zypern.

          Die erfreuliche Botschaft vorneweg: Ausgerechnet in dem als Crashmonat verschrieenen Oktober reizt der Blick zurück auf die Performance der Aktienmärkte nicht zu Tränen. Vielmehr haben viele Börsen den Aufstand geprobt und deutliche Kursgewinne eingefahren. Ob es sich dabei um den finalen Befreiungsschlag handelt oder nur um eine Rally im grundsätzlich intakten Bärenmarkt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen müssen.

          Unabhängig vom offenen Ausgang dieser grundsätzlichen Frage hatten im Vormonat vor allem die Anleger in Zypern allen Grund zur Freude. Mit einem Plus von über 20 Prozent ziert der dortige General Index unter 73 ausgewählten Aktienindizes im Oktober die Tabellenspitze (siehe unten stehende Tabelle). Erklären lassen sich diese Gewinne vornehmlich mit der im Jahr 2004 anstehenden EU-Aufnahme. Damit verknüpft ist nämlich zudem die Hoffnung, dass der seit Jahrzehnten währende Streit mit den Türken beigelegt werden kann.

          Die Börse in Zypern ist kein Ruhekissen

          Da die Börse in Nikosia sehr klein ist, reichen schon relativ geringe Kaufaufträge aus, um bei den generell dünnen Umsätzen für starke Kursausschläge zu sorgen. Wie volatil es mitunter zugeht, zeigt die jüngste Vergangenheit eindrucksvoll. Nachdem sich der Markt im Jahr 1999 ebenfalls wegen EU-Aufnahmehoffnungen fast verzehnfachte, platzte die Blase in den Jahren danach und der Index fiel dabei erst unlängst auf ein neues Vier-Jahres-Tief. Hält die EU-Fantasie an, könnte es bei der Achterbahnfahrt jetzt wieder nach oben gehen. Wegen der niedrigen Liquidität kommt diese einem Spielkasino gleichende Börse für die meisten Anleger aber von vorneherein nicht in Betracht.

          Auffällig in der Monatsbilanz ist neben dem Sieger Zypern die Tatsache, dass mit Polen ein weiterer EU-Aufstiegskandidat ganz weit vorne platziert ist. Erwähnenswert ist zudem die Erholung in Lateinamerika, welche die argentinische Börse auf Platz zwei und die brasilianische Börse auf Platz neun gebracht hat. Die dortigen wirtschaftlichen Turbulenzen lassen es aber als verfrüht erscheinen, auf eine endgültige Entwarnung zu setzen. Beim Blick auf die Verlierer im Oktober fällt natürlich die schwache Bilanz der südostasiatischen Börsen auf. Hier spielt natürlich der Anschlag auf Bali und die daraus vermutlich wachstumsdämpfenden Effekte eine Rolle.

          China rutscht auf das Abstellgleis

          Erwähnenswert ist aber auch die schlechte Entwicklung des chinesischen Aktienmarktes. Pünktlich zu dem in Kürze beginnenden 16. Parteikongress der Kommunistischen Partei, bei dem auch personell wichtige Weichen gestellt werden, erinnern die Kursverluste daran, dass im Reich der Mitte trotz stolzer Wachstumsraten beim Bruttoinlandsprodukt noch immer viele Hausaufgaben gemacht werden müssen. Geschieht dies nicht, droht dem Land nämlich möglicherweise ein ähnliches Schicksal wie dem ebenfalls die Verliererliste zierenden Japan. Die Ingredienzen dafür sind mit hohen notleidenden Krediten bei den Banken und deflationären Tendenzen jedenfalls vorhanden.

          Lässt man sich als Beobachter nicht von der insgesamt guten Performance der Weltbörsen im Oktober blenden, dann erinnert der Blick auf die bisherige Jahresbilanz schmerzhaft an den Bärenmarkt. Noch immer haben es bisher lediglich sieben Börsen geschafft, ins Plus vorzustoßen, so dass noch nicht einmal die Top-Ten-Rangliste komplett mit echten Gewinnern besetzt ist.

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