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Kursverluste : In Südeuropa gibt es auch Chancen auf dem Aktienmarkt

Bild: F.A.Z.

Wenn Aktienindizes im Minus sind, bieten sich Chancen für Anleger. Denn von den Kursen sind auch Unternehmen ohne wirtschaftliche Probleme betroffen. An den PIGS-Börsen sind Werte interessant, die wenig von der Heimat abhängen.

          Viele Aktienindizes sind verglichen mit dem Jahresbeginn mittlerweile im Minus. Das gilt sogar für den deutschen Leitindex Dax, der von der wirtschaftlichen Erholung Deutschlands profitierte. Das gilt noch mehr für die Börsenbarometer der südeuropäischen Länder, über die sich die Anleger sorgen, dass sie ihre Schulden möglicherweise nicht begleichen können. Der griechische Aktienindex Atex Composite sank seit Jahresanfang um knapp 30 Prozent, der spanische Leitindex Ibex 35 um 16 Prozent, der portugiesische Aktienindex PSI 20 um 15 Prozent.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Starke Kursverluste bieten in der Regel allerdings auch Chancen für Anleger, weil zumeist auch Aktienkurse von solchen Unternehmen davon betroffen sind, die von den wirtschaftlichen Problemen, um die sich die Anleger sorgen, kaum oder nur wenig betroffen sind. „Phasen mit flächendeckenden starken Kursverlusten ermöglichen häufig einen günstigen Einstieg in einzelne Titel“, sagt Stefan Meyer, Portfoliomanager des Bankhauses Metzler in Frankfurt. Griechenland ist seiner Ansicht nach in einer Sondersituation, in der er dazu rät, Aktienkäufe zu vermeiden. An der spanischen und an der portugiesischen Börse findet er hingegen einige Titel durchaus interessant.

          Telefónica überwiegend empfohlen

          Zum Beispiel die Aktie der spanischen Telefongesellschaft Telefónica. Das Unternehmen hat einen Marktwert von rund 78 Milliarden Euro und gehört damit zu den großen Standardwerten, deren Kurse üblicherweise weniger stark schwanken in turbulenten Börsenzeiten. Hinzu kommt, dass Telefongesellschaften verglichen mit anderen Titeln weniger von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängen. „Die zuletzt vorgelegen Geschäftszahlen des Unternehmens waren gut“, sagt Meyer. Telefónica werde sich darüber hinaus auf mittlere Sicht besser entwickeln als die europäischen Wettbewerber. Meyer sagt voraus, dass der Gewinn pro Aktie des Unternehmens von den Jahren 2010 bis 2012 um jeweils 9 Prozent wachsen werde, was doppelt so stark sei wie der Branchendurchschnitt.

          Außerdem zahle Telefonica auf den Aktienkurs bezogen eine höhere Dividende an seine Aktionäre als die Konkurrenz - im Jahr 2012 werde die Dividendenrendite 10 Prozent betragen. Als weiteren Vorzug der Aktie führt Meyer an, dass das Unternehmen nur 35 Prozent seines Gewinns vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Spanien erzielt und dafür immer mehr Geld vor allem in Südamerika verdient, dessen Länder stark wachsen. Von den beim Finanzdatenanbieter Bloomberg registrierten Analysten empfiehlt die überwiegende Mehrheit die Aktie ebenfalls zum Kauf und nennt im Schnitt ein Kursziel von über 19 Euro - momentan kostet ein Anteil etwas über 17 Euro.

          Portugiesischer Kabelfernsehanbieter

          Ein gutes Geschäft in Südamerika ist auch der Grund, aus dem Meyer die Aktie des spanischen Infrastrukturunternehmens Obrascon Huarte Lain (OHL) empfhiehlt. Das Unternehmen baut Autobahnen und verdient an der Gebühr, die Autofahrer für das Befahren bezahlen - und das zu einem großen Teil in Brasilien, Chile und Mexiko, also fernab seines Heimatmarktes. „80 Prozent der Aktienbewertung von OHL sollte an Lateinamerika hängen“, sagt Meyer. Für Kursphantasie könnte auch die Möglichkeit des Unternehmens sorgen, sein Mexiko-Geschäft separat an die mexikanische Börse zu bringen und damit Geld einzunehmen. Meyer hält einen Aktienkurs von 28 Euro für möglich - momentan kostet der Titel ungefähr 18 Euro.

          Wesentlich risikoreicher, aber dennoch eine Überlegung wert sein könnte auch die Aktie des portugiesischen Kabelfernsehanbieters Zon Multimedia. Das Unternehmen ist im Standardwerteindex PSI 20 gelistet, hat aber nur einen verhältnismäßig geringen Marktwert von 1 Milliarde Euro. Zon Multimedia steht nach Angaben Meyers für 62 Prozent des Marktes für Bezahlfernsehen in Portugal und deckt rund 3,1 Millionen Haushalte mit seinem Kabelnetz ab. „Die Aktie ist im Vergleich mit der Vergangenheit momentan günstig, gemessen an der Positionierung im Markt.“ Der Kurs liegt etwas über 3 Euro, nahe des Allzeittiefs.

          Aktien südeuropäischer Länder bieten auch aus Sicht von Nikolaus Pöhlmann, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft DWS, mitunter gute Chancen. „Für Anleger interessant sind Unternehmen und Sektoren, die nicht so stark vom heimischen Markt abhängen, sondern ihre Geschäfte überwiegend in aufstrebenden Volkswirtschaften wie beispielsweise Brasilien tätigen“, sagt auch er.

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