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Kursverfall bei BP : Für Shell eine einmalige Übernahmegelegenheit

  • Aktualisiert am

Austretendes Öl aus Untersee-Quelle Bild: AP

Wegen der Ölpest im Golf von Mexiko verzeichnen BP-Aktien und -Anleihen starke Kursverluste. Selbst bei konservativen Kostenschätzungen scheinen sie jedoch überzogen zu sein. Die Situation biete Shell eine einmalige Übernahmegelegenheit, heißt es.

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          Nach dem Ölgau im Golf von Mexiko hat die Aktie der britischen Ölgesellschaft BP in den vergangenen vier Wochen 43 Prozent ihres Wertes verloren. Auf Grund von panikartigen Verkäufen ging es gerade in den vergangenen Tagen nach unten auf bis zu 345 Pence je Aktie am Donnerstag im frühen Handel.

          Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen nicht nur 58 Milliarden Pfund seines noch vor wenigen Monaten erreichten Wertes verloren, sondern die Aktie hatte für kurze Zeit den tiefsten Stand seit 13 Jahren erreicht. Der kurzfristige Trend zeigt zwar weiterhin nach unten.

          Starke Kursverluste von BP-Aktien und Anleihen ...

          Allerdings ist er von Panikverkäufen geprägt. Gleichzeitig bieten die Anleihen des Unternehmen inzwischen mehr als 7,5 Prozent Rendite, während die Kosten für die Absicherung gegen Kreditausfälle von 17 vor einem Jahr auf zuletzt 512 Basis- oder 5,12 Prozentpunkte gestiegen sind.

          Folgen der Ölpest

          Die fallenden Aktienkurse und steigenden Risikoprämien an den Zinsmärkten werden ausgelöst vom politischen Druck, der zunehmend auf dem Unternehmen lastet. Zudem scheint unabsehbar zu sein, welche Kosten und Belastungen auf das Unternehmen zukommen werden. Extreme Schätzungen gehen von 30 Milliarden Dollar und mehr aus. Manche sorgen sich, das Unternehmen könnte gar in die Insolvenz gehen, um sich auf diese Weise zumindest finanziell am geschicktesten aus der Affaire zu ziehen.

          Auf der anderen Seite konnte BP in guten Jahren Nettogewinne von bis zu knapp 26 Milliarden Pfund erwirtschaften, während die herumgereichten Schadensschätzungen überzogen erscheinen. Gemäß dem amerikanischen Clean Water Act beträgt der Strafbetrag pro Barrel ausgetretenem Öl 1.100 Dollar. Ausgehend von der Annahme einer extremen Austrittsmenge von 100.000 Fass pro Tag - die Schätzung der amerikanischen Regierung liegt bei 19.000 Barrel täglich - und einer Austrittsdauer von 133 Tagen kommt man auf eine Schadenersatzzahlung von knapp 15 Milliarden Dollar. Rechnet man Kosten für die Rettungsaktion in Höhe von zwei Milliarden Dollar hinzu, so ergäbe sich ein Gesamtschaden von maximal 17 Milliarden Dollar oder von knapp zwölf Milliarden Pfund.

          ... scheinen selbst bei konservativen Kostenschätzungen überzogen zu sein

          Dem steht nicht nur ein Marktwertverlust von 58 Milliarden Pfund gegenüber, sondern das Unternehmen wird an der Börse nach Analyse der Radios AG in London deutlich unter der Summe des Gesamtwertes seiner Einzelteile gehandelt. Selbst die Ausschüttung einer Dividende in Vorjahreshöhe von 10,4 Milliarden Dollar sollte bei liquiden Mitteln in Höhe von rund 15 Milliarden Dollar kein Problem sein. Die BP-Aktie sei mit Abstand die günstigste Aktie in einer sehr vernünftig bewerteten Branche, heißt es weiter. War BP noch zu Jahresbeginn etwas wertvoller als Shell, so liegt sein Wert inzwischen 35 Prozent darunter.

          Nachdem BP in der Vergangenheit zweimal mit Shell fusionieren wollte, ist das Unternehmen zum ersten Mal ein Kaufkandidat geworden. Die Situation biete Shell eine einmalige Gelegenheit, da sich eine Übernahme selbst bei konservativen Synergieannahmen bereits am dem zweiten Jahr Wert steigernd bemerkbar machen werde, heißt es in einer Kurzanalyse der Radios AG. Tatsächlich wird BP an der Börse auf Buchwert gehandelt. Diese Werte sind nicht nur nicht vergänglich, sondern sie nehmen bei steigendem Ölpreis und vor allem auch bei inflationären Tendenzen weiter zu. Einmal anfallende Schadenersatzforderungen können daran wenig ändern - und seien sie unter Umständen noch so hoch.

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