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Kurssturz : Die Wirtschaft macht uns fünf Mal Sorgen

In Tokio sind die Kurse tief gesunken. Bild: dpa

In Amerika und Asien stürzen die Börsenkurse ab, die Angst vor einer weltweiten Krise wächst. Fünf Gründe, warum viele Wirtschaften nach einer Phase des Wachstums wieder instabil geworden sind.

          Die Schwellenländer wackeln

          Geht den Schwellenländern bald das Geld aus? Die Geldgeber jedenfalls zucken schon zurück. Nach einer Phase des Wachstums sind viele Wirtschaften jetzt instabil geworden. Zum Beispiel die Türkei: Ihre Inflationsrate ist wieder auf 7,5 Prozent gewachsen. Zum Beispiel Südafrika: Trotz eines Rohstoffbooms verschuldet sich das Land derzeit mit jährlich 6,8 Prozent seiner Wirtschaftsleistung beim Ausland. So werden Schwellenländer wieder abhängig von ausländischem Kapital. Doch das fließt gerade dann nicht mehr so reichlich.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Sorgen wachsen, aber noch nicht jeder hat Panik. Das erinnert an die große Asienkrise der späten 90er-Jahre. Es heißt, die meisten Länder hätten viel niedrige Schulden und Inflationsraten als damals und stünden sehr viel robuster da. Mancher hofft noch, dass dieses Mal doch alles anders ist.

          Amerika behält sein Geld

          Die Aktienbörsen haben in den vergangenen Jahren vor allem davon profitiert, dass die Notenbanken die Zinsen praktisch auf Null gesenkt haben und zudem Anleihen aufgekauft haben - allen voran Amerikas Notenbank Fed. Auf diese Weise floss reichlich billiges Geld an die Märkte. Das senkte die Risiken der Geldanlage: Wer auf Kredit investierte, machte schon mit kleineren Renditen Gewinn. Die Fed hat nun aber beschlossen, weniger billiges Geld zur Verfügung zu stellen. Das steigert die Zinsen in den Vereinigten Staaten und macht Anlagen dort attraktiver. Deshalb fließt Geld aus anderen Staaten, vor allem aus den angeschlagenen Schwellenländern. Zum anderen aber steigen die Finanzierungskosten. Auch wenn dies zunächst nur in geringem Umfang der Fall ist, dämpft es die Investitions- und Risikofreude.

          Amerika steckt im Wachstumsdilemma

          Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren wieder positiv entwickelt. Auch die Arbeitslosigkeit ist gesunken. Doch viele Investoren zweifeln an dem guten Trend, vor allem weil die amerikanische Notenbank ihre unterstützende Geldpolitik zurückfahren will. Am Dienstag wurde deutlich, dass auch die Einkäufer in den Unternehmen viel von ihrem Optimismus verloren haben: Der so genannte ISM-Einkaufsmanagerindex sank tief.

          Doch auch ein besonders starkes Wirtschaftswachstum birgt Risiken. Es könnte die Zinsen rasch steigen lassen. Das würde Anleihen wieder gefragter machen und zu Lasten der Aktienmärkte gehen.

          China wächst nicht mehr so schnell

          China ist das Land mit weltweit den meisten Einwohnern. Für die Weltwirtschaft ist es von herausragender Bedeutung. Doch die Wachstumsraten schrumpfen und reichen für das Land langsam nicht mehr aus um höhere Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Zudem nimmt der Druck zu, den Wohlstand besser zu verteilen, der bisher vor allem von den Exporteuren erwirtschaftet wird und vor allem ihnen zugute kommt. Die Führung will daher den heimischen Konsum fördern. Ob die Umstellung der Wirtschaft gelingt, ist offen. Zudem ist der frühere Reichtum vor allem in Immobilienspekulationen geflossen. Die hohen Hauspreise und das große Volumen an Krediten gilt als Risikofaktor für eine Finanzkrise.

          Auch Japan bringt keinen Schwung mehr

          Seit der Wahl des japanischen Ministerpräsidenten Abe gingen von dem Land positive Impulse aus. Eine expansive Geld- und Fiskalpolitik sorgten für einen fallenden Kurs des Yen, steigende Exporte und mehr Wachstum in dem seit Jahrzehnten stagnierenden Land. Die in Japan steigenden Aktienkurse verbesserten das Stimmungsbild. Indes hatten Anleger auch darauf gesetzt, dass Abe die verkrusteten Strukturen der japanischen Wirtschaft aufbrechen werde. Doch das ist bislang höchstens in Ansätzen geschehen. Was bleibt, ist ein schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm in einem hoffnungslos überschuldeten Land. Derzeit mehren sich die Sorgen, dass die Politik scheitert und der Wachstumseffekt verpufft.

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