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Kursschwankungen : 2012 könnte ein turbulentes Aktienjahr werden

Bulle und Bär Bild: dapd

Hoch und runter: Im kommenden Jahr werden starke Kursschwankungen erwartet. Dennoch rechnen die Banken im Durchschnitt mit einem Dax-Anstieg um 14 Prozent.

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          Die Analysten trauen den Aktienmärkten im kommenden Jahr so einiges zu: kräftige Kursschwankungen und Einbußen, allerdings auch einen deutlichen Anstieg der Indizes zum Jahresende. Dies ergibt unsere diesjährige Umfrage unter 21 Banken und Fondsgesellschaften. Demnach rechnen die Marktstrategen für den Dax auf Jahressicht im Durchschnitt mit einem Anstieg um 14 Prozent oder 800 Punkte auf dann fast 6600 Punkte. In diesem Jahr steht für den deutschen Auswahlindex ein Minus von 16 Prozent zu Buche.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Trotz der meist positiven Prognosen ist die Unsicherheit unter den Fachleuten sehr groß. Die Marktprognosen sind ihnen offenbar selten so schwer gefallen. Das zeigen nicht nur die Erwartung starker Kursschwankungen im Jahresverlauf, sondern auch die ungewöhnlich großen Spannen, die zwischen den Prognosen der Banken liegen. In diesem Jahr haben zudem mehr Institute als sonst auf die Vorhersage zum Halbjahr verzichtet. Besonders die ersten Monate des nächsten Jahres dürften für den Markt sehr schwierig werden, heißt es vielerorts. Die Schuldenkrise in Europa und die fortwährende Suche nach einer Lösung bleiben die beherrschenden Themen.

          Indextief wie 2009

          Die pessimistischste Prognose für den Dax stammt in diesem Jahr von der Société Générale. Die Analysten der französischen Bank glauben, dass der Index in sechs Monaten durchaus bei 4800 Punkten liegen könnte und damit so tief wie zuletzt im Sommer 2009. Das wären überdies 1000 Punkte weniger als jetzt. Die HSH Nordbank hingegen sieht den Dax dann schon wieder bei 7000 Punkten. Aus beiden Prognosen errechnet sich eine Spanne von 2200 Punkten. Die Analysten der französischen Bank bleiben auch zum Jahresende besonders pessimistisch mit einem Dax-Niveau von dann 5500 Punkten (aus jetziger Sicht immer noch ein Minus von 5 Prozent), während die Analysten der japanischen Bank Nomura den Dax Ende 2012 bis auf 7600 Punkte steigen sehen. Dies wiederum entspräche dem höchsten Indexstand dieses Jahres und einem Plus von rund einem Drittel.

          Solche Unterschiede in den Prognosen beruhen vor allem auf verschiedenen Konjunkturerwartungen. Einige Analysten rechnen mit einem deutlichen Abschwung der Weltwirtschaft oder in einzelnen Regionen, andere wiederum nur mit einer vorübergehenden Abkühlung. Société Générale beispielsweise sagt eine Rezession im Euroraum vorher und rät daher zur Vorsicht bei risikobehafteten Anlagen wie Aktien und Rohstoffen. Auch sollten Anleger weniger im Euroraum als vielmehr in den Vereinigten Staaten oder in Großbritannien investieren.

          Analysten als Berufsoptimisten

          Besonders spannend ist natürlich wie immer der Blick auf die Prognosen des Vorjahres. Zwar gelten Analysten ohnehin als Berufsoptimisten. Sie haben aber im vergangenen Jahr die Eskalation der Schuldenkrise völlig unterschätzt und liegen daher in ihren Erwartungen weit neben der Realität. Im Durchschnitt sagten die befragten Institute dem Dax vor einem Jahr ein Niveau von 7600 Punkten zum Jahresende 2011 vorher. Mit rund 5800 Punkten liegt er nun ein Viertel darunter.

          Nur zwei Banken gaben Dax-Prognosen von weniger als 7000 Punkten ab. Der Realität am nächsten kommt die Helaba mit einer Prognose von 6200 Punkten, an zweiter Stelle rangiert die HSH Nordbank mit 6800 Dax-Punkten. Sechs Institute sagten dagegen 8000 Punkte und mehr für den Index vorher. Die größten Optimisten waren mit der Société Générale die größten Pessimisten der diesjährigen Umfrage. Auch Union Bancaire Privée rechnete mit 8300 Dax-Punkten und damit einem Indexrekord. Viele Banken lagen jedoch mit ihren Prognosen bis zur Jahresmitte noch ganz gut im Rennen, bevor sich das Umfeld stark eintrübte und die Aktienkurse deutlicher fielen.

          Ausgereizte Aktien

          „Das Kurspotential von Aktien ist weitgehend ausgereizt“, sagte Markus Reinwand, Aktienstratege der Helaba im Vorjahr und rechnete mit ausgedehnten Kursverlusten. Sorgen machten ihm unter anderem die nachlassende globale Wachstumsdynamik und die Schuldenkrise. Nun gibt er sich optimistischer und liegt mit seiner Dax-Prognose sogar über dem Durchschnitt.

          „Erste Erfolge in der Konsolidierung von Staatshaushalten und bei Strukturreformen im Euroraum sowie eine weithin expansive Geldpolitik tragen dazu bei, Schuldenkrise und Wachstumsschwäche auf der Welt allmählich zu überwinden“, sagt Reinwand nun. Damit dürften die Kapitalmärkte wieder festeren Boden erreichen. Die in diesem Jahr verschmähten deutschen und europäischen Aktien sollten gegenüber amerikanischen Titeln klar im Vorteil sein. Gleichwohl sei bis in das erste Quartal hinein mit einer erhöhten Schwankungsanfälligkeit der Kurse zu rechnen, sagt auch er.

          Für andere Regionen sind die Vorhersagen der befragten Finanzinstitute ebenfalls positiv. Für den Euro Stoxx 50 errechnet sich aus den Antworten der Banken im Durchschnitt ein Jahresplus von rund 12Prozent. In den Vereinigten Staaten dürften sich die Technologieaktien (plus 13 Prozent) nach Ansicht der Analysten im nächsten Jahr besser entwickeln als die großen Standardwerte (plus 9 Prozent). Das Gegenteil war in diesem Jahr der Fall.

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