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Krankenversicherungswerte : Politische Risiken machen sich bemerkbar

  • -Aktualisiert am

USA: Geplante Gesundheitsreform wirft Schatten Bild: AFP

Amerikanische Krankenversicherungsunternehmen wie UnitedHealth Group zeigen sich operativ zwar in gesunder Verfassung, ihre Aktien kränkeln dagegen vor sich hin. Der Grund: Die von der Regierung geplante Gesundheitsreform.

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          Nach den am 20. Oktober veröffentlichten Zahlen zum dritten Quartal zu urteilen, scheint der Krankenversicherer UnitedHealth Group ein Ausnahmeunternehmen zu sein, das die Erwartungen der Wall Street problemlos übertreffen kann. Auf dem Aktienmarkt waren UnitedHealth und andere große Krankenversicherungsgesellschaften im bisherigen Jahresverlauf dagegen alles andere als Überflieger.

          Schuld daran sind nicht die Gewinne, die Umsätze oder andere speziell mit UnitedHealth oder dessen Wettbewerbern zusammenhängende Faktoren, sondern die Debatten um die von der amerikanischen Regierung geplante Gesundheitsreform.

          UnitedHealth wächst trotz Krise robust und profitabel

          Der von UnitedHealth für das dritte Quartal ausgewiesene Gewinn je Aktie lag mit 89 Cent um 13 Cent über den Schätzungen der Analysten. Trotz schwerer Rezession konnte der Krankenversicherer seinen Umsatz um 7,6 Prozent und seinen operativen Gewinn um 4,9 Prozent steigern

          Bild: FAZ.NET

          Die Aktien von UnitedHealth liegen im laufenden Jahr allerdings mit zwei Prozent im Minus, während der breite Markt um fast 21 Prozent zulegen konnte. Auch Wettbewerber wie Humana, WellPoint und Aetna blieben 2009 deutlich hinter der Marktentwicklung zurück.

          Die positiven Zahlen zum dritten Quartal lockten einige Käufer in die UnitedHealth-Aktie, die am 20. Oktober um 4,2 Prozent auf 25,96 Dollar kletterte. Mit Blick auf mehrere Bewertungskennzahlen ist das Papier allerdings nach wie vor spottbillig. So lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis von UnitedHealth nach Angaben von UBS in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt über 17. Aktuell wird die Aktie dagegen mit einem KGV auf Basis der Gewinnschätzungen für 2009 oder 2010 von rund 8 gehandelt. Bei UnitedHealth „wird all das Positive weiterhin von der Reform des Gesundheitswesens überschattet“, sagt S&P-Aktienanalyst Phillip Seligman.

          Die Diskussion über die Gesundheitsreform bestimmt die Erwartungen

          Viele Aspekte der geplanten Gesundheitsreform sind weiterhin offen. Für Krankenversicherer wie UnitedHealth könnte die Ungewissheit daher kaum größer sein.

          Meldungen zufolge haben führende Demokraten im Senat am Tag der Zahlenvorlage von UnitedHealth eine stärkere Bereitschaft signalisiert, im Rahmen der Gesundheitsreform die Einführung einer landesweiten staatlichen Krankenversicherung zu erwägen. UnitedHealth und andere Krankenversicherer sind gegen diese Krankenversicherung, die in direkte Konkurrenz zu privaten Anbietern treten und wahrscheinlich mit günstigeren Tarifen für Versicherte einhergehen würde. Sie haben sich zudem gegen höhere Steuern auf teure Krankenversicherungsverträge und gegen andere Vorschläge ausgesprochen, die sich negativ auf ihre Gewinnmargen auswirken könnten.

          Die Auswirkungen der Gesundheitsreform könnten so weitreichend sein, dass sie fast alle anderen Aspekte in den Schatten stellen, die Anleger beim Kauf oder Verkauf der Aktien von Krankenversicherungsgesellschaften berücksichtigen. In der Debatte um die Gesundheitsversorgung „gibt es für Investoren derzeit kein größeres Sorgenkind“, sagt Morningstar-Analyst Matthew Coffina

          Krankenversicherer lehnen Reformen nicht rundweg ab. Sie könnten sogar von der Einführung einer allgemeinen Versicherungspflicht oder von Anreizen zum Abschluss einer Krankenversicherung profitieren, mit denen die bislang rund 47 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung angesprochen würden. Stephen Hemsley, Vorstandsvorsitzender von UnitedHealth, teilte Analysten am 20. Oktober mit, dass das Unternehmen auf die Änderung von Reformvorschlägen zur Ausweitung des Versicherungsschutzes und zur Kostenkontrolle im Gesundheitssystem hinarbeite.

          Politischer Schwebezustand gegen robusten Cashflow

          „Einige Entwicklungen innerhalb der Gesundheitsreform sehen wir mit Sorge und wir werden unsere Anstrengungen verdoppeln, um bedeutende und nachhaltige Veränderungen wesentlicher Aspekte wie Bezahlbarkeit und Zugänglichkeit zu unterstützen“, sagte Hemsley.

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