https://www.faz.net/-gv6-qwpl

Kosmetik : Beiersdorf-Aktie braucht für neues Hoch Erfolge

  • Aktualisiert am

Nivea steht für Beiersdorf Bild: Beiersdorf

Beiersdorf-Chef Thomas Quaas will dem Nivea-Hersteller Beine machen. Das wird Arbeitsplätze und Standorte kosten. Die Börse reagiert mit einem Kursplus.

          3 Min.

          Der Börse kann viel nachgesagt werden. Soziales Mitgefühl gehört nicht dazu. Fast vier Prozent hat die Aktie des Kosmetikherstellers Beiersdorf am Mittwoch zugelegt, nachdem das Unternehmen am Dienstag nachmittag bekannt gegeben hatte, umstrukturieren und Personal abbauen zu wollen.

          Das hatte bereits gestern zu einem späten Kursplus von 2,4 Prozent geführt. Beiersdorf will die Zahl seiner Produktionsstandorte und Lager in Europa verringern und Personal abbauen. Die Größenordnung stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher am Dienstag. Durch die Straffung der Abläufe vom Einkauf bis zum Vertrieb rechnet Beiersdorf jährlich mit Einsparungen von etwa 100 Millionen Euro. Dem steht in den Jahren 2006 bis 2008 ein erwarteter außerordentlicher Aufwand von insgesamt etwa 220 Millionen Euro gegenüber.

          Quaas forciert das Effizienzprogramm

          Ziel des vom Hamburger Kaffeeröster Tchibo kontrollierten Traditionsunternehmens ist es, „ein weltweit nahtlos funktionierendes Netzwerk von der Beschaffung bis zum Vertrieb schaffen“, in dem die Produktions- und Logistikprozesse zentral gesteuert würden. In den kommenden Monaten soll untersucht werden, auf welche der insgesamt 14 Produktionsstandorte und etwa 30 Lager Beiersdorf in Europa verzichten kann. Die durch die Einsparungen frei werdenden Mittel sollten in neue Märkte und Marken investiert werden. Beiersdorf beschäftigt in Europa rund 11.500 Mitarbeiter, weltweit sind es etwa
          17.000.

          Bild: FAZ.NET

          Mit dem Programm forciert der seit Sommer amtierende Vorstandsvorsitzende Thomas Quaas seinen Kurs der Effizienzsteigerungen bei Beiersdorf. Während beim Konkurrenten Henkel milliardenschwere Zukäufe in Nordamerika die Geschäfte beflügeln, stützt sich Beiersdorf neben neuen Produkten auf die Straffung der Abläufe.

          In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnte der Konzern so den Gewinn deutlich steigern. Das Betriebsergebnis stieg um zehn Prozent auf 411 Millionen Euro und das Nettoergebnis um 12,1 Prozent auf 263 Millionen Euro. Indes konnte das Unternehmen beim Umsatz nur 3,7 Prozent zulegen. Im Jahr davor hatte das Ergebnis praktisch stagniert.

          Operative Marge noch vergleichsweise schwach

          Die operative Marge stieg damit von 10,8 auf 11,4 Prozent, wodurch Beiersdorf zu internationalen Konkurrenten wie Unilever und Procter & Gamble hat etwas aufschließen können, die in den vergangenen Perioden mit operativen Margen von 14,4 und 18,1 Prozent abschließen konnten. Bis 2010 will Beiersdorf eine operative Marge von 15 Prozent erreicht haben.

          Für 2005 erwartet Beiersdorf nach früheren Aussagen von Finanzchef Rolf-Dieter Schwalb einen Gewinnsprung um zehn Prozent auf 330 Millionen Euro und hat den Aktionären Hoffnungen auf eine höhere Dividende gemacht. Für 2004 war den Anteilseignern eine Dividende von 1,60 Euro je Anteilschein gezahlt worden.

          Einige Analysten reagierten enthusiastisch auf die Pläne des Unternehmens und setzten ihre Kursziele nach oben. Tatsächlich aber sind die Ankündigungen zunächst einmal nur das, was sie sind: Ankündigungen. Welche Maßnahmen letztlich ergriffen werden ist offen und so läßt sich auch ihre Wirksamkeit weder auf die Unternehmensprozesse noch auf die -ergebnisse derzeit schon auch nur mit einigermaßen Zuverlässigkeit abschätzen. Diese Ansicht teilen auch die Deutsche Bank und Bear Stearns, die ihre Gewinnprognosen auch nicht änderten. Indes hält die Deutsche Bank Beiersdorf für „signifikant und absolut unterbewertet“.

          Viel hängt vom Chart ab

          Nichtsdestoweniger ist die Beiersdorf-Aktie aktuell mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen für das laufende Jahr mit 22 und für das kommende Jahr ausgesprochen hoch bewertet, ähnlich hoch wie Procter & Gamble. Indes muß Beiersdorf seine Profitabilität erst noch steigern, um in die Regionen vorzustoßen, in denen Procter & Gamble sich bereits befindet.

          Charttechnisch ergibt sich am Mittwoch eine interessante Entwicklung. Die Aktie brach vor rund einem Jahr aus ihrem zweijährigen Abwärtstrend aus, erholte sich langsam aber stetig und stellte im September bei 99,27 Euro ein 22-Monats-Hoch auf. Diese Hoch hat bislang immer noch Gültigkeit. Am Mittwoch gelang es dem Papier gegen Mittag das Hoch kurze Zeit zu übertreffen.

          Seitdem konsolidiert das Papier knapp unter der Marke von 99 Euro. Das spricht gegen eine nachhaltige Wirkung der Ankündigung vom Dienstag. Sollte es der Aktie am Mittwoch nicht gelingen, ein neues Hoch aufzustellen und vielleicht dabei sogar das Zwei-Jahres Hoch (99,65 Euro) aus dem Januar 2004 zu übertrumpfen, könnte die Wirkung verpuffen und die Aktie in einen Seitwärtstrend übergehen aus dem sie nur mit Hilfe von Erfolgen des verkündeten Programms herausfinden wird.

          Weitere Themen

          Die nächste Generation Sixt

          Scherbaums Börse : Die nächste Generation Sixt

          Familienunternehmen bereitet der Generationenwechsel oft Probleme. Durch den Rückzug des Patriarchen Erich Sixt bekommt die Autovermietung künftig zwei Ko-Chefs. Was bedeutet das für die Aktionäre und den Wandel zum Mobilitätsdienstleister der Zukunft?

          Topmeldungen

          Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang

          Kritik an Verfassungsschutz : Geschwätzige Geheimnisträger

          Bei dem Versuch, die AfD zu beobachten, handelt sich der Verfassungsschutz Kritik ein. Schon wieder sind Details nach außen gedrungen. Dabei steht der Dienst eigentlich für Verschwiegenheit. Was ist da los?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.