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Kosmetik-Aktien : Gute Geschäfte auf dem Marktplatz der Eitelkeiten

Supermarktregal an der Wand, welche ist die beste Tube im ganzen Land? Bild: Reuters

Die Nachfrage nach Anti-Aging-Produkten steigt, viele Kosmetikanbieter profitieren zudem vom schwachen Euro. Vor allem bei Unternehmen mit Premiumprodukten steigen die Aktienkurse.

          5 Min.

          Viele Menschen träumen von der ewigen Jugend. Zwar wissen sie, dass der biologische Alterungsprozess nicht aufzuhalten ist, sie suchen aber Mittel und Wege, ihn zumindest ein wenig hinauszuzögern oder zu verbergen. Von dem Wunsch, einem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen und attraktiv zu bleiben, profitieren nicht nur Unternehmen, die mehr oder weniger hochwertige Pflegemittel für Haut oder Haar anbieten. Auch Anleger haben zuletzt Chancen genutzt, auf dem Marktplatz der Eitelkeiten mitzumischen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Aktienkurse führender Unternehmen aus der Beauty-Branche sind seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Für die Titel von L’Oreal ging es bis Freitag auf 19 Prozent nach oben. Neben Estée Lauder (15 Prozent) stiegen auch die Aktienkurse von Beiersdorf (17), Henkel (15), und Unilever (9), die ebenfalls Zuwächse in ihren Sparten für Lippenstifte, Make-ups und Nagellacken verbuchten. Sämtliche Titel erreichten in den vergangenen fünf Wochen Rekordhochs; zuletzt Estée Lauder am Donnerstag. „Die niedrigen Zinsen haben die Bewertungsparameter für Aktien verbessert“, sagt Barbara Ambrus, die als Analystin der Landesbank Baden-Württemberg die Branche im Blick hat.

          Steigende Nachfrage in Nordamerika und Schwellenländern

          Die Nachfrage auf der Welt nach Kosmetik- und Pflegeprodukten ist – in Dollar gerechnet – 2014 um 5,7 Prozent gestiegen. Die gesamte Beauty-Industrie, so die Schätzungen der Verbände, hat zuletzt etwa 120 Milliarden Euro pro Jahr umgesetzt. Die Branche profitiert nicht zuletzt von einer solide steigenden Nachfrage in Nordamerika sowie der wachsenden Bevölkerung und steigenden Einkommen in den Schwellenländern. Zunehmend gefragt sind Luxusmarken, deren Erlöse nach Analysten-Vorhersagen im laufenden Jahr um 5 Prozent wachsen und damit schneller als jene der Massenprodukte (3,5 Prozent). Dazu trage eine zahlungskräftige Kundschaft bei, die international unterwegs ist. Etwa jeder neunte Flugreisende kaufe in Airport-Shops Kosmetikprodukte. Bis 2019, so die Prognosen, werden die Premiumprodukte einen Marktanteil von 25 Prozent haben. 2014 waren es 22 Prozent.

          Der Kosmetikmarkt als Ganzes gilt als schwierig: wegen vieler konkurrierender Marken, anhaltender Preiskämpfe bei der Industrieware und ständig wechselnder Trends. „Stark segmentiert“ sei die Schönheitsindustrie, sagt Oru Mohiuddin, Analystin von Euromonitor International in London. Neben den verschiedenen Altersschichten und ihren Bedürfnissen müssen Unternehmen ihr Augenmerk auch auf die unterschiedlichen ethnischen Gruppen richten. Während europäische und amerikanische Frauen mittleren Alters vor allem Anti-Aging-Produkte zur Hautpflege und Tönungsmittel gegen ergrauendes Haar kaufen, benötigen Asiaten oder Afrikaner dafür andere Produkte.

          Nutznießer des Trends zu Premiumprodukten sind vor allem L’Oreal, der französische Hersteller unter anderem von Garnier-Haarpflegemitteln und Maybelline-Make-Up, sowie Estée Lauder mit seiner Hausmarke oder Clinique. Die Umsätze des amerikanischen Kosmetikkonzerns stiegen zuletzt zwar nur um 1 Prozent, weil sich der starke Dollar negativ auf das Auslandsgeschäft auswirkte. Dennoch zeigten sich Marktteilnehmer und -beobachter von den jüngsten Quartalszahlen und den angestrebten Zuwächsen vor allem im Vereinigten Königreich und den Schwellenländern angetan. Analysten hoben ihr Kursziel für die Aktie an und empfahlen sie zum Kauf.

          Überzeugende Quartalszahlen

          Auch die Quartalszahlen von L’Oreal waren bei einer Umsatzsteigerung von 14 Prozent recht überzeugend; obwohl die Franzosen auf ihrem Heimatkontinent, wo sie ein Drittel ihres Gesamtumsatzes machen, einen laut Konzernchef Jean-Paul Agon „schwierigen Start“ ins Jahr erlebten. Verschiedene Analysten hoben ihr Kursziel auf bis zu 191 Euro (Goldman Sachs) an. Am Freitag stand die Aktie bei 171 Euro.

          Auch bei anderen europäischen Unternehmen waren die jüngsten Quartalszahlen besser, als von vielen Marktbeobachtern zunächst erwartet. Die Erlöse stiegen bei Unilever (12,3 Prozent), Henkel (12,7) und Beiersdorf (6,9) vor allem, weil ihre Produkte aufgrund des schwachen Euro außerhalb der gemeinsamen Währungszone billiger wurden und daher die Nachfrage stieg. Zu konstanten Wechselkursen lag das Plus jeweils deutlich darunter.

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