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Kosmetik : Aktie von Dr.Scheller bricht ein

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Bild: FAZ.NET

Squeeze-Out-Kandidaten locken Anleger mit Aussichten auf Kurssteigerungen und auf eine „fette“ Übernahmeprämie. Allerdings geht die Rechnung nicht immer auf, das Beispiel Dr. Scheller Cosmetics kann als Warnung gelten.

          Firmenübernahmen können für Anleger lukrativ sein. Denn oft können sie bei einem rechtzeitigen Einstieg nicht nur vom Kauf substantieller Anteile des Übernehmers im Vorfeld profitieren, sondern auch von einer satten Übernahmeprämie nach einem offiziellen Angebot. Zumindest dann, wenn es redlich zugeht.

          Diese Phantasie hatte in den vergangenen Monaten auch die Aktie der Dr. Scheller Cosmetics AG, dem Hersteller von“Manhattan“-Jugendkosmetik, „Durodont“-Zahncreme und „Apotheker-Scheller“-Naturkosmetik, von 2,85 Euro auf bis zu 7,70 Euro getrieben. Mancher dürfte mit weiteren Aufschlägen gerechnet haben, sah es doch eine Zeit lang so aus, als ob die Hauptanteilseignerin, der russische Kosmetikkonzern Kalina, die restlichen Anteile übernehmen werde.

          25 Prozent Wertverlust in nicht ganz zwei Wochen

          Dieser Traum, zumindest jener von weiteren Kursaufschlägen und einer satten Übernahmeprämie, wurde in den vergangenen Tagen massiv gestört. Denn innerhalb von nicht einmal ganz zwei Wochen verlor das Papier 25 Prozent seines Wertes auf zuletzt 5,13 Euro. Alleine am Freitag geht es um 9,5 Prozent nach unten. Wer sich trotz des zuvor anhaltenden Aufwärtstrends nicht absicherte, dürfte nicht sehr erfreut sein.

          Hintergrund sind einerseits die Umsatz- und Ertragszahlen für die ersten neun Monate des laufenden Jahres. Und die sahen alles andere als gut aus. So ist der Umsatz in den ersten drei Monaten im Vergleich mit der Vorjahresperiode um drei Prozent auf 55,4 Millionen Euro gefallen. Gleichzeitig ist das Unternehmen jedoch auch in die roten Zahlen gerutscht und verbucht nach drei Quartalen einen Verlust von 708.000 Euro. Auch im Gesamtjahr rechnet die Firma mit einem erheblichen Verlust.

          Durch Wertberichtigungen auf den Lagerbestand und Verluste bei der polnischen Tochter schrumpfte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 104.000 Euro nach 801.000 Euro im Vorjahreszeitraum zusammen. „Wir erwarten für 2006 keine deutliche Änderung der gesamtwirtschaftlichen Situation“, teilte der Vorstand des mehrheitlich vom russischen Kosmetikkonzern Kalina beherrschten Unternehmens weiterhin mit. Die Märkte in Westeuropa würden voraussichtlich weiter stagnieren, in Rußland und Polen sei der Absatz unzureichend. Auch die Preise für Rohstoffe blieben angespannt, hieß es weiter. Gleichzeitig sei durch die geplante Verlagerung der Produktion von Haut- und Körperpflegemitteln nach Rußland mit einer erheblichen Ergebnisbelastung zu rechnen.

          War das Übernahmeangebot ernst gemeint?

          Diese Mitteilungen und die Kursreaktion der Aktie führen nun zu zwei denkbaren Möglichkeiten. Entweder hat Kalina nun - gewollt oder ungewollt - die Möglichkeit, die restlichen Anteile am Markt deutlicher günstiger zu kaufen, als vielfach gedacht. Immerhin hat sich der Kurs wieder dem im Jahr 2005 vorgelegten öffentlichen Übernahmeangebot von 4,2 Euro je Aktie angenähert. Möglicherweise war das Unternehmen jedoch von vornherein nur an den Marken von Dr. Scheller Cosmetics interessiert und nicht am operativen Geschäft selbst. Interessanterweise scheint Kalina selbst zu florieren, während jenes von Dr. Scheller zu stagnieren scheint. Vor allem die zweite Variante spricht deutlich gegen die Aktie.

          Der russische Kalina-Konzern war im Frühjahr des Jahres 2005 bei Dr. Scheller eingestiegen und hat seitdem seine Machtbasis kontinuierlich ausgebaut. Seit Juni wird der Aufsichtsrat vom russischen Konzern dominiert, im Oktober verließ Finanzvorstand Sebastian Feichtmair den bislang dreiköpfigen Vorstand von Dr. Scheller. Zum Jahresende scheidet auch der langjährige Vorstand Ulrich Scheller aus dem Gremium aus. Er hatte als Großaktionär und früherer Vorstandschef den Einstieg von Kalina mit eingefädelt. Die Erbengemeinschaft der Gründerfamilie Scheller wollte ursprünglich die Mehrheit an der 62 Jahre alten Firma behalten. Dieser Plan scheiterte jedoch an Uneinigkeit der Familienmitglieder.

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