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Korea : Politische Annäherung und wirtschaftliche Konsolidierung

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Die neue Offenheit Nordkoreas lässt die Länder sich aufeinander zubewegen. Die Wirtschaft im Süden boomt im deutlichen Gegensatz zu der im Norden.

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          Südkorea/Nordkorea: “Seid gegrüßt, Erdlinge“, legte der Londoner Economist jüngst auf seiner Titelseite Kim Jong Il, dem Staatschef Nordkoreas, in den Mund. Anlässlich des innerkoreanischen Gipfeltreffens im Juni stand der Führer des kommunistischen Einsiedlerstaats plötzlich im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit und verblüffte durch sein aufgeschlossenes Auftreten.

          Das Treffen mit seinem südkoreanischen Gegenpart, Präsident Kim Dae Jun, stellte dabei sowohl den derzeitigen Höhepunkt der neuen Offenheit Nordkoreas sowie den Beginn einer ganzen Reihe von schnell aufeinander folgenden Annäherungsschritten zwischen den beiden Hälften des geteilten Landes dar.

          Inwiefern sich hinter der neuen politischen Linie Pjöngjangs ein tatsächlicher Sinneswandel befindet, bleibt jedoch weiterhin fraglich. In Anbetracht der bisherigen Versuche des Regimes, durch die verschiedensten Finten die internationale Gemeinschaft zur Leistung von Wirtschaftshilfe zu bewegen, könnte sich dahinter auch lediglich eine neue taktische Variante verstecken. Auch wenn das Bruttoinlandsprodukt, wie von der südkoreanischen Zentralbank geschätzt, im abgelaufenen Jahr um 6,2% gewachsen ist, befindet sich die Wirtschaft des Nordens weiterhin in einer desolaten Lage. Irgendetwas musste und muss einfach geschehen.

          Im Gegensatz zur Konjunktur im Norden läuft die Konjunktur im Süden weiter auf Hochtouren. In der ersten Jahreshälfte legte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 10,1% zu, wobei das Wachstum auf einem breiten Fundament ruhte. Sowohl der private Verbrauch als auch die Anlageinvestitionen und die Exporte entwickelten sich kräftig.

          Trotz der Konjunkturerholung ist die südkoreanische Wirtschaft allerdings noch lange nicht völlig gesund. Erhebliche Probleme im Finanzsektor bleiben bestehen, die Umstrukturierung im Unternehmensbereich - insbesondere bei den Chaebol - kommt nur schleichend voran, und die kurzfristigen Auslandsverbindlichkeiten sind wieder am Steigen. Vor diesem Hintergrund sorgten Zahlungsschwierigkeiten des Hyundai-Konzerns im Mai für Schlagzeilen. Das schwindende Vertrauen in die schnelle Genesung der Wirtschaft des Landes wird an der Entwicklung des Aktienmarktes deutlich: Seit Beginn des Jahres hat der Leitindex KOSPI rund 30% seines Wertes eingebüßt.

          Ein erneutes Abrutschen in die Krise erscheint gegenwärtig wenig wahrscheinlich, ist jedoch nicht gänzlich auszuschließen. Solange der Wachstumsmotor weiter schnurrt, dürften die verschiedenen Probleme nicht außer Kontrolle geraten. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass die Wirtschaft auch im weiteren Jahresverlauf wächst, jedoch leicht an Dynamik verliert. Für das Gesamtjahr erwarten wir eine Wachstumsrate von 8,7%. Im kommenden Jahr dürfte sich die Zuwachsrate aus zyklischen Gründen dann weiter auf etwa 6,3% verringern.

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