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Konsumgüterkonzern : Henkel mit Gewinneinbruch - Aktienkurs stürzt ab

  • -Aktualisiert am

Henkel-Chef Kasper Rorsted Bild: ddp

Die Rezession trifft den Konsumgüterhersteller hart. Henkel hat Probleme mit seiner Klebstoffsparte und meldet überraschend einen Gewinneinbruch im ersten Quartal. Der Aktienkurs fällt so stark wie seit dem Jahr 1997 nicht mehr.

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          Der Konsumgüterhersteller Henkel bekommt die Folgen der Rezession immer stärker zu spüren - besonders in der Klebstoffsparte. Henkel meldete am Donnerstag überraschend, dass das Betriebsergebnis (Ebit) im ersten Quartal auf 215 Millionen Euro gesunken ist - dies entspricht einem Rückgang von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Grund: das schlechte Geschäft in der Klebstoffsparte zum Jahresbeginn 2009.

          Analysten sprechen von einem „Desaster“ in der Sparte und bewerten die Zahlen als Gewinnwarnung. Eigentlich hatte Henkel erst für den 6. Mai Unternehmens-Zahlen angekündigt.

          Marken wie Persil, Pritt und Fa

          Dementsprechend hart waren nun die Reaktionen an der Börse: Der Aktienkurs fiel um bis zu 12 Prozent auf 19 Euro. Dieser Rückgang ist so stark wie seit dem Jahr 1997 nicht mehr. Im Verlauf des Handels erholte sich der Wert wieder etwas.

          Bild: F.A.Z.

          Henkel ist als Konsumgüteranbieter bekannt für Marken wie Persil, Pritt und Fa. Der Konzern mit Sitz in Düsseldorf (55.000 Mitarbeiter, vertreten in 125 Ländern) ist zudem Weltmarktführer bei Klebstoffen.

          Das Unternehmen konnte zwar den Gewinn mit Waschmitteln und Kosmetika erhöhen. Der Bereich Wasch- und Reinigungsmittel legte beim Ebit von 100 Millionen auf 105 Millionen Euro zu. In der Kosmeiksparte wuchs das Ebit von 87 Millionen Euro auf 90 Millionen Euro.

          Doch das Problem ist, dass wegen der weltweiten Wirtschaftskrise die Nachfrage nach Industriegütern drastisch zurückgegangen ist. Deshalb sinkt auch der Bedarf für Klebstoffe, die Henkel zum Beispiel für die Automobilindustrie oder Elektro-Branche anbietet. Erst im vergangenen Jahr hatte Henkel durch den milliardenschweren Zukauf des Anbieters National Starch das Klebstoffgeschäft gestärkt.

          Henkel-Chef Rorsted „nicht zufrieden“

          Schon im Februar hatte Henkel vor einer weiter sinkenden Nachfrage gewarnt. Doch Fachleute sind nun von dem Ausmaß der Schwäche überrascht. So ist unklar, ob Henkel seine mittelfristigen Ziele noch erreichen kann. Das Unternehmen fährt bereits einen Sparkurs.

          Henkel-Chef Kasper Rorsted sagte: „Wir sind mit dem Start in das Jahr 2009 nicht zufrieden“, Und: „Wir haben aber die notwendigen Maßnahmen eingeleitet und verfügen über die notwendige Finanzkraft, um gestärkt aus dem nach wie vor schwierigen Umfeld hervorzugehen.“

          Mit einer Verbesserung des Geschäfts in der Klebstoffsparte ist jedoch so schnell nicht nicht zu rechnen. Nachdem sich die Sparte im vierten Quartal des vergangenen Jahres noch gut entwickelt hatte, ist das Ebit in diesem Bereich auf 45 Millionen Euro gesunken. Im Vorjahresquartal waren es noch 150 Millionen Euro. Hinzu kommt: Die Nachfrageschwäche drückt auf die Margen.

          Der Henkel-Chef legte Wert auf die Feststellung, dass Henkel in dem Geschäft immer noch Gewinne schreibe und „und unsere Geschäfte sich besser als die relevanten Märkte entwickeln“. Doch der Nachfragerückgang mache sich dort bemerkbar, „wo auch unsere Industriekunden und deren Produkte von der Rezession betroffen sind“, sagte Rorsted. Dazu zählen etwa die Autoindustrie und die metallverarbeitende Industrie.

          Analysten sind skeptisch

          Aus Sicht der Analysten liegen die Henkel-Zahlen deutlich unter den Erwartungen. Wegen der schwachen Ergebniszahlen ist aus ihrer Sicht vorerst auch kein weiterer Spielraum für einen Kursanstieg vorhanden. So stufte etwa ING die Aktie nach der Gewinnwarnung von „Buy“ auf „Hold“ und senkte das Kursziel von 23,50 auf 23,00 Euro. Zwar haben sich die Henkel-Aktien bisher besser als die Branche entwickelt, doch auch JPMorgan senkte das Ziel für Henkel-Vorzüge sogar von 17,00 auf 15,00 Euro. Fraglich sei, ob bei Henkel angesichts des Abschwungs nicht eine weitere Restrukturierung notwendig sei, schrieb Analystin Celine Pannuti in einer Studie.

          Henkel erwartet, dass die Weltwirtschaft von 2010 bis 2012 wieder auf ihren Wachstumspfad von 3 Prozent bis 4 Prozent zurückkehren wird und plant ein organisches Wachstum von durchschnittlich 3 Prozent bis 5 Prozent jährlich sowie einen Anstieg des bereinigten Ergebnisses je Vorzugsaktie von durchschnittlich mehr als 10 Prozent. Die bereinigte Ebit-Rendite soll 2012 14 Prozent erreichen.

          Nach Einschätzung von Fachleuten ist dies jedoch eher kritisch zu sehen. Die Analysten der Bank UBS sprachen von einer „Rückkehr zum Wunschdenken“. Auch die Experten der Bank LBBW halten die Prognose für „sehr ambitioniert“.

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