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Konsumgüter : Puma: Aktien noch nicht ganz ausgereizt

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Mit Kursgewinnen reagiert die Puma-Aktie auf ein Übernahmeangebot. Es scheint nicht nur etwas zu niedrig zu sein, sondern es zieht auch Kreise: Die Papiere von Adidas legen ebenfalls zu, obwohl das Unternehmen weniger profitabel ist.

          Hatte es noch vor wenigen Tagen so ausgesehen, als ob die Aktie von Adidas nach in der Tendenz enttäuschenden Umsatz- und Ertragszahlen im vergangenen Geschäftsjahr charttechnisch durchfallen würde, so hat sich das Bild inzwischen wieder etwas verändert.

          Die Papier haben innerhalb von vier Wochen rund 20 Prozent zugelegt auf zuletzt 42,74 Euro. Damit liegen sie nur noch knapp unter dem im Januar des vergangenen Jahres erreichten Allzeithoch von 43,57 Euro. Damit hat sich das charttechnische Bild verbessert und sollte sogar ein neues Rekordhoch erreicht werden, würden zumindest aus technischer Sicht neue Kurspotentiale erschlossen werden.

          Übernahmeangebot für Puma zieht Kreise

          Fundamental dürfte hinter der Kursentwicklung jedoch vor allem die Phantasie stehen, die von der Übernahme eines 27-Prozent-Paketes und einem Übernahmeangebot von PPR für den Rest der Aktien des Konkurrenten Puma in Höhe von 330 Euro und von den anhaltenden Konsolidierungstendenzen im Einzelhandel allgemein ausgehen mag. Der eine oder andere Anleger scheint davon auszugehen, dass auch Adidas übernommen werden könnte.

          Allerdings gibt es einige Unterschiede zwischen den beiden Unternehmen. Denn während bei Puma der rasche Kauf einer maßgeblichen Beteiligung über einen Großaktionär möglich war, fehlt dieser bei Adidas. Auch bei der Kapitalstruktur gibt es Unterschiede: Während Puma weitgehend schuldenfrei ist und über beträchtliche Liquiditätsreserven verfügt, ist Adidas nicht ganz unerheblich verschuldet. Puma ist mit Blick auf den Umsatz zudem deutlich kleiner und „europalastiger“ als Adidas.

          Puma-Vorstandschef Jochen Zeitz begrüßte das Angebot, über das seit Tagen spekuliert worden war, und bezeichnete es als fair. Er verspricht sich vom Eigentümer von Marken wie Gucci oder Yves Saint Laurent finanzielle Unterstützung der Expansionsstrategie von Puma. PPR sei der ideale Partner, sagte Zeitz.

          Das sieht der Markt gegenwärtig etwas anders. Immerhin liegt der Kurs der Puma-Aktie mit einem Plus von 9,41 Prozent auf 344,4 Euro schon über dem Übernahmepreis. Das macht deutlich, dass manche Anleger mehr erwarten. Adidas habe im Jahr 2005 ein Kurs-Gewinnverhältnis von 18,5 für Reebok bezahlt. Dies würdsde sich für Puma auf ein Gebot von 360 Euro übersetzen, argumentieren die Analysten von Sal. Oppenheim. Weil das Angebot aber eine feste Unterstützung für den Kurs biete und es Chancen für eine Erhöhung des Angebotes oder andere Bieter gebe, halten die Analysten an ihrer starken Kaufempfehlung fest.

          „Ich finde den Preis zu niedrig“

          „Ich finde den Preis zu niedrig“, sagte Analyst Sven Madsen von Hauck& Aufhäuser der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich kann mir gut vorstellen, dass man das Angebot nochmals anhebt, damit man auch die Kleinaktionäre ins Boot bekommt.“ Auch ein Gegenangebot von Nike wollte er nicht ausschließen. „So was ist durchaus möglich“, sagte Madsen.

          In diesem Sinne scheint ein vorzeitiger Verkauf der Papiere zumindest aus kurzfristiger Sicht nicht ratsam zu sein, auch wenn man den Ausstieg der bisherigen Großaktionäre, der Geschwister Herz, auch kritisch sehen kann. Möglicherweise hielten sie die Marke einfach für ausgereizt. Denn Modetrends lassen sich lange, aber nicht ewig halten. In diesem Sinne können Absicherungsstrategien sicherlich nicht schaden.

          Fakt ist, dass die Aktien von Adidas gegenwärtig optisch günstiger aussehen mag als jene von Puma. Allerdings ist Puma bisher deutlich rentabler und weniger verschuldet als Adidas. Alleine schon die Reebok-Übernahme hat die Margen bei Adidas verwässert. Eine schwache konjunkturelle Entwicklung in den Vereinigten Staaten könnte sich ebenfalls überproportional bemerkbar machen. Insgesamt scheint ein direkter Vergleich der beiden Unternehmen nur bedingt möglich und Erwartungen überzeigen sein.

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