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Konsumgüter : H&M-Aktien werden bei Kursrückschlägen reizvoll

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H&M in Frankfurt am Main Bild: dpa

Es gibt Unternehmen, die entwickeln sich operativ so robust, dass ihre Aktien an den Börsen überdurchschnittlich abschneiden. Dazu zählt Hennes & Mauritz, auch wenn kurzfristig hohe Erwartungen leicht enttäuscht werden können.

          H&M kann schon seit Jahren Erlöse und Gewinne im Trend steigern, indem es seine Produkte in Schwellenländern günstig herstellen lässt und mit hohen Margen in den Industriestaaten sowie in den aufstrebenden Märkten verkauft. In den vergangenen vier Jahren lagen die jährlichen Umsatzzuwächse zwischen zwölf und 15 Prozent. Im laufenden Geschäftsjahr geht der Markt von einem Umsatzwachstum von acht Prozent aus.

          Hennes & Mauritz kann schon seit Jahren Erlöse und Gewinne im Trend steigern

          In den ersten beiden Quartalen verlief das Geschäft mit Wachstumsraten von sieben und zwei Prozent etwas verhalten, im dritten Quartal konnte allerdings nach den am Mittwoch vorgelegten Zahlen ein Zuwachs von 14 Prozent auf 26,9 Milliarden schwedische Kronen oder umgerechnet 2,94 Milliarden Euro verzeichnet werden.

          Im Monat August habe man den Umsatz um 24 Prozent steigern können, teilte der Konzern am Mittwoch in Stockholm mit. Der Nettogewinn konnte bis Ende August im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 23 Prozent auf 4,2 Milliarden Kronen oder auf 2,56 Kronen ja Aktie gesteigert werden. In den ersten beiden Quartalen lagen die Gewinnzuwächse trotz der verhaltenen Umsatzentwicklung bei 22 und 24 Prozent. Währungseffekte spielten eine Rolle, da die schwedische Währung während der Wirtschafts- und Finanzkrise massiv abgewertet hatte. Inzwischen hat sie sich davon wieder weitgehend erholt.

          Die Aktie reagiert am Mittwoch mit Kursverlusten von bis zu 6,2 Prozent auf die vorgelegten Zahlen. Das zeigt, dass die Erwartungen im Vorfeld zu hoch gewesen waren. Tatsächlich sind die Papiere mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 21 und 19 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr etwas ambitioniert bewertet. Kurzfristige Gewinnmitnahmen können kaum überraschen, nachdem die Papiere noch in der vergangenen Woche ein Allzeithoch von 261 Kronen erreicht hatten.

          Der langfristige Trend jedoch zeigt weiterhin nach oben. In den vergangenen 15 Jahren hat die Aktie des Unternehmens den breiten Markt um Längen geschlagen. Sie brachte Anleger in diesem Zeitraum einen Gesamtertrag in Euro von etwas mehr als 3.000 Prozent oder von 26 Prozent per annum. Der schwedische OMX-Index kam auf eine Jahresrendite von 11,5 und der EuroStoxx 50 auf eine Jahresrendite von gerade einmal viereinhalb Prozent.

          Kurzfristig sind die Papiere etwas teuer geworden - bei Rückschlägen werden sie interessant

          H&M ist die zweitgrößte Textilkette Europas und setzt auf vor allem auf günstige Mode. In der Vergangenheit konnte H&M aber auch immer wieder bekannte Designer verpflichten. Der Start in das vierte Quartal ist für H&M nach eigenen Angaben gut verlaufen. Die Herbst-Kollektionen seien gut angenommen worden. Auch der Online-Start in Großbritannien sei geglückt. H&M hat in den vergangenen Jahren mit zahlreichen neuen Geschäften vor allem in Schwellenländern expandiert. Ursprünglich wollte das Unternehmen im laufenden vierten Quartal 140 Geschäfte eröffnen und 10 schließen. Doch da im Zuge der Wirtschaftskrise weniger Shopping Center fertig gestellt würden, fehle es insbesondere in Südeuropa an attraktiven Standorten. Deshalb wird der drittgrößte Modekonzern der Welt nach Angaben vom Mittwoch in diesem Jahr lediglich 220 statt geplanter 240 neuen Läden eröffnen.

          H&M-Papiere reizen unter normalen Umständen, also bei Ausbleiben weiterer Krisensymptome, bei größeren Kursrückschlägen zum Einstieg. Ideal wäre der Kauf von Aktienanleihen, Diskontzertifikaten oder - günstiger und transparenter - der Verkauf von Verkaufsoptionen. Sie können als gezielte taktische Beimischung zu einem Portfolio dienen, um Erträge zu steigern und um sich gut ausgewählte Werte bei Schwächephasen automatisch einbuchen zu lassen. Solche Strategien taugen jedoch nicht zur Absicherung, denn dazu sind sie aufgrund ihres asymmetrischen Risikoprofils nicht geeignet - auch wenn viele Verkäufer und Werbematerialien gerne das Gegenteil behaupten. Leider lassen sich solche Zertifikate auch für jeden Mist finden, nicht aber bezogen auf interessante Aktien wie H&M.

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