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Konsumgüter : Beiersdorf-Aktie hat langfristiges Potential

  • Aktualisiert am

Stürmische Bösenwetter muss auch Beiersdorf überstehen Bild: dpa

In einem freundlichen Umfeld werden die eher gemischte Ergebnisse des Beiersdorf-Konzerns freundlich aufgenommen. Ob das Kursplus ausreicht, um den aktuellen Abwärtstrend umzukehren, ist auch angesichts der ehrgeizigen Bewertung fraglich.

          Spannend dürfte es am Dienstag für die Aktien des Konsumgüterherstellers Beiersdorf werden. Denn das Zahlenwerk, das das Unternehmen vorbörslich vorlegte, bietet für jeden etwas. Wer von der Aktie des Konzerns überzeugt ist, wird sich genauso bestätigt sehen, wie der, der ihr eher kritisch gegenüber steht.

          Im zweiten Quartal hat Beiersdorf ein Umsatz- und Gewinnplus verzeichnet und zunächst einmal die Erwartungen übertroffen. Wie das im MDax notierte Hamburger Unternehmen am Dienstag mitteilte, stieg der Umsatz von 1,334 auf 1,463 Milliarden Euro. Die von dpa-AFX befragten Analysten hatten im Schnitt mit etwas weniger gerechnet, namentlich mit 1,433 Milliarden Euro.

          Belastung durch Umstrukturierung höher als erwartet

          Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern und Kosten der Umstrukturierung (bereinigtes Ebit) stieg von 159 auf 191 Millionen Euro, verglichen mit der Schätzung von 183,5 Millionen Euro. Einschließlich der Umbaukosten stieg das Ebit von 101 auf 143 Millionen Euro. Hier hatten Experten allerdings 160 Millionen Euro erwartet, so dass damit die Belastung durch die Neuausrichtung der Produktions- und Lieferkette höher ausgefallen ist, als von vielen Analysten erwartet. Für das Gesamtjahr stellt Beiersdorf eine Ebit-Belastung in Höhe von 70 Millionen Euro in Aussicht.

          Tesa blickt freundlich drein

          Nach Umbaukosten fuhr Beiersdorf einen Überschuss von 93 Millionen Euro nach 55 Millionen vor Jahresfrist ein. Die Analystenprognose lag bei 102 Millionen Euro, so dass das Unternehmen unter dem Strich hinter den Erwartungen zurückblieb.

          Im ersten Halbjahr steigerte Beiersdorf den Umsatz um 9,2 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis stieg um 19,7 Prozent auf 315 Millionen Euro, das Ergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter fiel dagegen um rund 60 Prozent auf 204 Millionen Euro. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten im Mittel mit einem etwas niedrigeren Umsatz von 2,821 Milliarden Euro, einem höheren Betriebsergebnis von 351 Millionen Euro und einem ebenfalls höheren Ergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter von 217,8 Millionen Euro gerechnet.

          Tesa holt auf

          Tesa konnte den Umsatz im zweiten Quartal zum Vorjahr von 197 auf 211 Millionen Euro steigern. Kleber, die trotz ihrer Bekanntheit hauptsächlich in der Industrie verwendet werden, trugen 24 Millionen Euro zum Ebit bei. Damit steigerte Tesa die Ebit-Marge von 9,2 auf 11,3 Prozent. Analysten hatten nur mit 10 Prozent gerechnet.

          Die Consumersparte, die mit der Dachmarke Nivea das Löwengeschäft von Beiersdorf ausmacht steigerte den Umsatz von 1,137 auf 1,252 Milliarden Euro. Das Ebit stieg von 83 auf 119 Millionen Euro. Ohne Sondereffekte für die Umstrukturierung hätte die Sparte ein um 48 Millionen Euro höheres Ebit eingebracht. Die Marge einschließlich des Umbaus lag somit bei 9,5 Prozent, ohne die Sondereffekte bei 13,3 Prozent.

          Beiersdorf bekräftigte die Jahresprognose. Das war auch so erwartet worden. Analysten hatten im Vorfeld darauf verwiesen, dass der Ausblick bereits sehr ambitioniert und deswegen nicht mit einer Erhöhung zu rechnen sei.

          Prognosen bestätigt

          So stellen die Hamburger weiterhin ein Wachstum über dem Marktschnitt in Aussicht. Der Umsatz der Hauptsparte Consumer soll um 7 bis 8 Prozent steigen. Besonders starkes Wachstum sieht Beiersdorf weiterhin in Schwellenländern wie China, Brasilien, Russland und Indien. Für die Sparte Tesa soll eine Steigerung oberhalb des Marktwachstums erreicht werden. Unter Herausrechnung der Sondereffekte sollen zudem Ebit-Umsatzrendite und Nettoumsatzrendite weiter wachsen, der Nettogewinn sogar überproportional.

          Im frühen Handel reagierten die Börsianer freundlich. der Kurs zog nach einem etwas leichteren Schluss am Vortag bei 48,91 Euro auf 49,81 Euro an.

          Positiv ist zu vermerken, dass offenbar das organische Wachstum des Konzerns ungebrochen ist, wohingegen ihm die Umstrukturierungen mehr zu schaffen machen als bislang angenommen, so dass die längerfristige Perspektive besser zu sein scheint als die aktuelle Leistungsbilanz.

          Ehrgeizige Bewertung

          Bewertet ist das Unternehmen auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen für das laufende Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 und für das kommende Jahr von 21,7, das ist auch angesichts einer guten langfristigen Perspektive für einen Konsumgüterhersteller eine reichlich ehrgeizige Bewertung.

          Dies hatte die Notierung in den vergangenen Wochen deutlich zu spüren bekommen, als sie von ihrem Allzeithoch bei 56,30 Euro bis 48,91 Euro am Montag abrutschte. Indes dürfte die bislang freundliche Aufnahme der an sich doch recht gemischten Zahlen in einem freundlichen Umfeld zunächst einmal verhindern, dass die Notiz unter die Unterstützungslinie bei 47,80 Euro rutscht.

          Ob sie dies langfristig halten kann, ist indes fraglich. So reagierten die Pfleiderer-Aktien vor wenigen Tagen auf schwache Ergebnisse zunächst freundlich, gaben diese Kursgewinne aber mittlerweile völlig ab.

          Kurzfristiger Abwärtstrend drückt

          Angesichts eines kurzfristig deutlichen Abwärtstrends, mit dem die Notierung erst vor wenigen tagen die exponentielle 200-Tage-Linie nach unten durchbrach, genügen einige schwache Tage, um die Aktie weiter in den Keller zu treiben. Wenn es ihr indes gelänge, die Widerstandszone zwischen 52,50 und 55 Euro zu überwinden, sähe die Lage etwas günstiger aus.

          Unter normalen Umständen scheint dies wenig wahrscheinlich, doch derzeit sind die Reaktionen an den Aktienmärkten bisweilen recht extrem. Das unspektakuläre Kursplus zu Anfang deutet indes keine groß angelegte Erholung an.

          Nach unten hat die Aktiennotierung eine Reihe von kleineren Unterstützungen aufgebaut, so dass die jüngste Talfahrt eher eine Korrektur darstellt. Und dann sind die Ergebnisse auch nicht schlecht. Sie zeigen vielmehr langfristiges Potential, so dass ein langfristiges Engagement nicht unbedingt die schlechteste Alternative sein muss.

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